Mutti Ente hält Siesta, während ihre sechs Küken im Schatten herumwuseln. Im Krankenhauspark läuft der Sonntag im Watscheltempo.

Im Krankenhaus Friedrichstadt herrscht eine klare Aufgabenverteilung. Mutti Ente sitzt mit geschlossenen Augen im Wasser und hält Mittagsschlaf. Der Nachwuchs denkt derweil gar nicht ans Schlafen.
Sechs Entchen tummeln sich im Schatten der dicht bewachsenen Insel. Zwei sitzen eng aneinandergekuschelt auf einem Holzbrett, andere verschwinden zwischen den Pflanzen und tauchen kurz darauf an einer anderen Stelle wieder auf. Wer sie zählen will, braucht Geduld. Bei sechs Küken herrscht schließlich reger Schichtwechsel.
Die Entenmutter bleibt gelassen. Sie ruht im flachen Wasser, während neben ihr die Fontäne plätschert. Vielleicht genießt sie einfach den einzigen Moment des Tages, in dem keines ihrer Kinder direkt auf ihr sitzt.
Warum leben die Enten im Krankenhauspark?
Auf den Fotos ist eine weibliche Stockente mit ihren Küken zu sehen. Stockenten gehören zu den anpassungsfähigsten Wasservögeln. Normalerweise suchen sie geschützte Stellen im Schilf, im Gebüsch oder in anderen dicht bewachsenen Bereichen.

Der Teich im Krankenhauspark bietet auch gute Bedingungen. Auf den kleinen Inseln wachsen hohe Pflanzen, über dem Wasser spenden alte Bäume Schatten und ein Holzbrett erleichtert den Küken den Weg zwischen Wasser und Ufer. Der Teich bietet der Familie Schutz und Rückzugsmöglichkeiten.
Stockenten sind Wildvögel und wählen ihren Aufenthaltsort selbst. Offenbar erfüllt der Friedrichstädter Brunnen ihre Ansprüche an eine Familienwohnung in historischem Ambiente.
Der Teich liegt in einem jahrhundertealten Garten
Ganz neu ist das Entenquartier allerdings nicht. Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen führt die Gartenanlage des Krankenhauses als Gartendenkmal und zählt zwei Wasserbecken ausdrücklich zu ihrer Ausstattung. Das Amt datiert den Krankenhausgarten auf die Jahre 1740 bis 1753.
Damals gehörte das Gelände noch zum Palais des Grafen Heinrich von Brühl. Der prachtvolle Garten entstand zwischen 1736 und 1746. Er besaß Alleen, einen Irrgarten, Grotten, Fontänen, eine Orangerie und den berühmten Neptunbrunnen. Das Städtische Klinikum Dresden beschreibt die Anlage als eine der prachtvollsten privaten Parkanlagen Sachsens.
Seit 1849 nutzt die Stadt das Gelände als Krankenhaus. Viele Teile des früheren Barockgartens verschwanden durch neue Klinikgebäude, doch der Park, die beiden Wasserbecken und mehrere historische Kunstwerke blieben erhalten.
Seit wann Enten die Teiche besuchen, weiß ich nicht. Weder die Geschichte des Klinikums noch das Denkmaldokument nennen die ersten gefiederten Bewohner. Dass die Wasserbecken seit Jahrhunderten zum Park gehören, bedeutet nicht, dass dort seit dem Barock ununterbrochen Entenfamilien leben.
Anschauen erlaubt, Füttern verboten
Am Teich weist ein Schild darauf hin, dass Besucherinnen und Besucher die Enten nicht füttern dürfen. Das ist keine unnötige Strenge. Der Deutsche Tierschutzbund warnt davor, Enten mit Brot zu füttern. Futterreste belasten das Wasser, fördern das Algenwachstum und locken Ratten an.
Der schönste Sonntagsbesuch funktioniert deshalb ganz ohne Brötchentüte. Einfach auf einer Bank Platz nehmen, etwas Abstand halten und der Entenfamilie beim Nichtstun zusehen.
