Die Friedrichstadt brät. Auf den Gehwegen flimmert die Luft, die Wohnung speichert Wärme wie ein Kachelofen und selbst der Hund schaut vorwurfsvoll, sobald die Leine in Sichtweite kommt.
Der Deutsche Wetterdienst spricht Ende Juni 2026 von einer anhaltenden Hitzewelle. Da hilft nur, dein Leben um die Hitze herum zu organisieren.
Die Stadt Dresden empfiehlt, körperliche Anstrengungen in die kühleren Stunden zu verlegen und die Wohnung tagsüber möglichst geschlossen und verdunkelt zu halten.
Doch wohin, wenn es zu Hause kaum noch auszuhalten ist?

In der Hofkirche bleibt die Hitze vor der Tür
Dicke Mauern sind eine alte Form der Klimaanlage. Besonders angenehm kann es deshalb in der Katholischen Hofkirche am Schlossplatz sein. Die Kathedrale ist nach Angaben des Bistums montags bis donnerstags sowie samstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Freitags öffnet sie von 13 bis 17 Uhr, sonntags und an Feiertagen von 12 bis 16 Uhr. Der Eintritt zur Besichtigung ist frei, Gottesdienste und Veranstaltungen müssen selbstverständlich respektiert werden.
Bei der Annenkirche und der Matthäuskirche ist die Lage schwieriger. Für beide Kirchen werden keine verlässlichen täglichen Besichtigungszeiten veröffentlicht. Sie öffnen vor allem zu Gottesdiensten, Konzerten und anderen Veranstaltungen. Wer nicht vor verschlossener Tür stehen möchte, sollte vorher im Veranstaltungskalender der Dresdner Kirchen nachsehen oder bei der Kirchgemeinde anrufen.
Kultur statt Hitzekoller
Das Kraftwerk-Mitte-Gelände selbst ist kein Kühlraum, aber die Brauerei und die Kultureinrichtungen sind klimatisiert.

Eine gute Möglichkeit ist die Puppentheatersammlung. Sie öffnet donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der reguläre Eintritt kostet sieben Euro, ermäßigt fünf Euro. Kinder bis zum Schuleintritt haben freien Eintritt. Die Ausstellungsräume sind barrierefrei erreichbar.
Auch Staatsoperette und Theater Junge Generation bieten geschützte Innenräume, sind aber in erster Linie Veranstaltungsorte. Ohne Vorstellung, Führung oder gebuchte Veranstaltung sollte man nicht damit rechnen, die Foyers als öffentliches Wohnzimmer nutzen zu können.
Film ab, Hitze aus
Auch das Zentralkino im Kraftwerk Mitte ist eine brauchbare Sommerflucht. Statt in der aufgeheizten Wohnung vor dem Ventilator zu sitzen, lässt sich die heißeste Tageszeit im Kinosaal verbringen. Das Kino befindet sich im Gebäude Kraftwerk Mitte 16 und verfügt über zwei Säle. Die Vorstellungen beginnen je nach Programm am Nachmittag oder Abend, feste tägliche Öffnungszeiten veröffentlicht das Kino nicht. Deshalb sollte vor dem Aufbruch das aktuelle Programm geprüft werden.

Ein kühles Bier bei Lohrmanns
Auch Lohrmanns im Kraftwerk Mitte öffnet trotz des laufenden Insolvenzverfahrens weiterhin montags bis samstags von 16.30 bis 24 Uhr. Die Küche schließt um 21.30 Uhr. Am Hahn stehen regelmäßig wechselnde Eigenkreationen.
Die Bibliothek als Sommerquartier
Die Zentralbibliothek im Kulturpalast ist montags bis samstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Dort kann man lesen, arbeiten, Zeitungen durchsehen oder einfach für einige Stunden aus der warmen Wohnung verschwinden. Der normale Aufenthalt in der Bibliothek ist kostenlos. Sie bietet Sitzplätze, Toiletten und die Möglichkeit, länger zu bleiben, ohne etwas kaufen zu müssen.
Wer eine weitere Strecke in Kauf nimmt, kann auch die Zentralbibliothek der SLUB an der Zelleschen Straße nutzen. Sie öffnet montags bis samstags von 8 bis 23 Uhr und sonntags von 10 bis 22 Uhr.
Schatten in der Friedrichstadt
Nicht jeder kann oder möchte den ganzen Tag im Museum verbringen. Deshalb bleiben die schattigen Orte im Viertel wichtig.
Der Hohenthalplatz bietet Bäume und Sitzmöglichkeiten. Entscheidend ist die Tageszeit, denn der Schatten wandert. Eine Bank, die am Vormittag angenehm liegt, kann am Nachmittag in der vollen Sonne stehen.

Der Weißeritzgrünzug ist an vielen Stellen grüner und weniger versiegelt als die umliegenden Straßen. Schattig ist er jedoch nicht überall. Offene Wiesen und der Skatebereich können sich in der Mittagssonne stark aufheizen. Besser sind die Abschnitte unter größeren Bäumen.
Auch das Ostragehege bietet Baumgruppen und an der Elbe häufig etwas mehr Luftbewegung. Die weiten Wiesen sehen zwar sommerlich einladend aus, schützen aber nicht vor Sonne. Wer sich dort abkühlen möchte, sollte gezielt einen Platz unter Bäumen suchen und die Mittagsstunden meiden.
Ein besonders schöner Rückzugsort liegt direkt im Gelände des Städtischen Klinikums Dresden-Friedrichstadt. Der frühere Garten des Marcolinipalais besitzt alten Baumbestand, schattige Wege und mehrere Bänke. Den Höhepunkt der Anlage bildet der Neptunbrunnen. Er entstand in den Jahren 1744 bis 1746.

Ein ruhiger, schattiger Ort ist der Alte Katholische Friedhof an der Friedrichstraße. Die historische Anlage besitzt alten Baumbestand und liegt hinter Mauern, die sie von einem Teil des Straßenlärms abschirmen. Der Friedhof ist jedoch kein Park. Picknick, laute Gespräche oder spielende Hunde wären dort fehl am Platz. Die Anlage dient weiterhin als Begräbnisstätte und verlangt einen respektvollen Aufenthalt.
Ähnliches gilt für den Inneren Matthäusfriedhof neben der Matthäuskirche. Auch hier finden Spaziergänger Schatten und Ruhe, sollten sich aber den Regeln des Ortes entsprechend verhalten.
Die Wohnung nicht erst mittags retten
Wer morgens sämtliche Fenster offen lässt und erst am Nachmittag die Vorhänge schließt, hat den Kampf meist schon verloren.
Die Stadt Dresden empfiehlt, nur früh am Morgen sowie am Abend und in der Nacht gründlich zu lüften. Sobald die Außentemperatur steigt, sollten die Fenster geschlossen bleiben. Eine Verschattung von außen wirkt besser als Vorhänge oder Rollos im Zimmer. Wo Rollläden, Außenjalousien oder Markisen fehlen, können helle Vorhänge oder Sonnenschutzfolien helfen.

Fernseher, Computer, Backofen und andere Elektrogeräte erzeugen zusätzliche Wärme. Geräte sollten deshalb nicht nur in den Bereitschaftsmodus versetzt, sondern ganz ausgeschaltet werden. Kochen und Backen lassen sich auf die kühleren Tageszeiten verlegen. Ein kaltes Abendbrot ist bei 35 Grad kein kulinarisches Versagen, sondern vernünftige Wärmepolitik.
Ein Ventilator kühlt die Luft nicht ab. Er bewegt sie lediglich und erleichtert dadurch die Verdunstung auf der Haut. Bei sehr hohen Raumtemperaturen reicht das für ältere, kranke oder geschwächte Menschen möglicherweise nicht aus.
Tiere können nicht einfach ins Museum gehen
Für Haustiere ist die Lage schwieriger. Hund, Katze oder Kaninchen können nicht für drei Stunden in die Bibliothek ausweichen.
Hunde sollten nur früh am Morgen und spät am Abend länger ausgeführt werden. Asphalt und dunkle Gehwegplatten können so heiß werden, dass die Pfoten Verbrennungen erleiden. Wer die eigene Hand nicht mehrere Sekunden auf dem Boden halten kann, sollte seinen Hund dort ebenfalls nicht laufen lassen.

Die Runde sollte möglichst über Grünflächen und schattige Wege führen, etwa durch den Weißeritzgrünzug oder zu den Baumgruppen im Ostragehege. Wasser gehört unterwegs unbedingt dazu. An heißen Tagen sind kurze Spaziergänge besser als sportlicher Ehrgeiz.
In der Wohnung brauchen Tiere mehrere Wassernäpfe und Zugang zum kühlsten Raum. Fliesen im Bad oder in der Küche sind für viele Hunde und Katzen angenehmer als Teppiche. Käfige und Gehege dürfen niemals in der direkten Sonne stehen. Auch der Sonnenstand muss bedacht werden, denn ein Platz, der morgens schattig ist, kann mittags vollständig in der Sonne liegen.
Und noch einmal, weil es offenbar jeden Sommer nötig ist: Kein Tier gehört bei Hitze in ein geparktes Auto! Auch nicht für fünf Minuten, auch nicht mit geöffnetem Fenster und auch nicht im Schatten, der eine halbe Stunde später verschwunden sein kann.
