Motorenhalle hebt das Distanzgebot auf

Kunst bitte berühren, und zwar ausdrücklich.

In der Motorenhalle Dresden wird es ab Mitte April ungewohnt körperlich. Die Ausstellung berühren[d] stellt eine einfache, aber radikale Frage: Was passiert, wenn Kunst nicht nur betrachtet, sondern erlebt und angefasst werden darf?

Skulptur aus Fellstoffen, Draht und Kunststoff in intensiven Blautönen mit organischer Form
Theresa Rothes Arbeit „come closer“ spielt mit weichen Materialien und irritierender Körperlichkeit.

Eine Ausstellung, die Nähe fordert

Hier ist Berührung nicht verboten, sondern Teil des Konzepts. Ein seltenes Versprechen im musealen Kontext. Die Ausstellung „berühren[d]“ hört nicht im Ausstellungsraum auf, sondern setzt sich in einem breit angelegten Begleitprogramm fort.

Gegen die Distanz der Gegenwart

Die Schau versteht sich als Gegenentwurf zu einer zunehmend digitalen und entkörperlichten Gegenwart. Statt auf Abstand setzt sie auf Nähe, statt auf Beobachtung auf Beteiligung. Kunstwerke dürfen gezielt berührt werden, performative Hinweise führen durch die Ausstellung und die Künstlerinnen und Künstler werden selbst zu Vermittlern ihres Wissens. Das Ergebnis ist Kunst als Beziehung, nicht als Objekt hinter Glas

Die beteiligten Positionen reichen von installativer Kunst bis hin zu Performance. Namen wie Johannes Kiel, Theresa Rothe oder das Duo Paetzug und Hertweck zeigen Arbeiten, die Material, Körper und Bewegung zusammendenken

Medieninstallation mit technischen Komponenten und Licht in einem Ausstellungsraum der Motorenhalle Dresden
Johannes Kiel untersucht in seiner Installation die Schnittstellen zwischen Körper, Technik und Wahrnehmung.

Wenn Ausstellung zum Erfahrungsraum wird

Spannend ist vor allem die Erweiterung über den klassischen Ausstellungsraum hinaus. „berühren[d]“ endet nicht an der Wand, sondern setzt sich fort in Gesprächen, Workshops und Seminaren. Geplant sind unter anderem künstlerische Formate zur taktilen Wahrnehmung, philosophische Seminare etwa zu Donna Haraway sowie Salongespräche zu Themen wie Digitalisierung Sprache oder gesellschaftliche Rollenbilder. Auch Tanz und körperbezogene Praxis spielen eine zentrale Rolle. Die Ausstellung wird so zum offenen Erfahrungsraum, und das ist durchaus politisch gemeint

Termine und Besuch

Vernissage und Termine

  • Vernissage: Freitag, 17. April 2026, 20 Uhr
  • Ausstellung: 18. April – 12. Juli 2026
  • Ort: Motorenhalle Dresden (Zugang über Wachsbleichstraße oder Kulturhof)
  • Öffnungszeiten:
    • Do–Fr: 16–19 Uhr
    • Sa–So: 14–17 Uhr
  • Eintritt: 5 €/3,50 € (freitags frei)
Kinetische Kunstinstallation mit bedruckten Stoffbahnen und mechanischen Elementen in der Motorenhalle Dresden
Die kinetische Installation „Welt Wald“ von Paetzug und Hertweck verbindet Textil und Technik zu einem bewegten Raum

„berühren[d]“ ist keine Ausstellung für den schnellen Rundgang. Wer hier reingeht, wird Teil des Geschehens mit Händen, Körper und Haltung. Diese Kunst bleibt nicht auf Distanz, sie fordert Nähe und gibt sie zurück

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