Ist euch aufgefallen, dass viele Menschen muslimischen Glaubens derzeit besonders festlich aussehen. Sie feiern ihr wichtigstes Fest, das Opferfest.
Das Opferfest, auch bekannt als ʿĪd al-Adhā (عيد الأضحى), gilt als das höchste Fest im Islam und findet etwa 70 Tage nach dem ʿĪd al-Fitr (Fest des Fastenbrechens) statt. Dieses Fest erinnert an die Geschichte des Propheten Abraham, der bereit war, seinen Sohn Ismael zu opfern, um seine bedingungslose Hingabe an Allah zu beweisen.
In Anlehnung an Abrahams Tat opfern Muslime an diesem Tag ein Tier, meist eine Kuh oder ein Schaf, um Gott für die Verschonung Ismaels zu danken. Das Fleisch des geopferten Tieres wird traditionell in drei gleich große Teile aufgeteilt: ein Teil bleibt beim Opfernden, der zweite wird an bedürftige Verwandte weitergegeben, und der dritte geht an Menschen in Not, unabhängig von deren Religion, Herkunft oder Nationalität.

Wie auch beim ʿĪd al-Fitr beginnen die Feierlichkeiten am Morgen des ersten Festtages mit einem gemeinsamen rituellen Gebet.
Das Opferfest dauert insgesamt vier Tage.
Im Jahr 2026 wird es vom Abend des Dienstag, 26. Mai, bis zum Samstag, 30. Mai, begangen.
Festgebet
Am ersten Morgen sowohl des Opferfests als auch des Fastenbrechenfests wird traditionell die Moschee oder – wo vorhanden – ein speziell dafür vorgesehener offener Platz, wie ein Musallā oder Eidgah, aufgesucht. Dort versammeln sich die Gläubigen, um das besondere gemeinschaftliche Gebet (Salat) dieses Festtages zu verrichten.

Dieses Gebet umfasst zwei Rak‘at und zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Die Ansprache (Chutba), die in der Regel vom Imam gehalten wird, folgt erst im Anschluss an das Gebet, anstatt wie beim Freitagsgebet davor zu erfolgen.
Für Sunniten ist die Teilnahme an diesem Gebet verpflichtend, wobei Ausnahmen für jene Gläubigen bestehen, die sich währenddessen auf der Pilgerfahrt (Haddsch) befinden.

Verwandtenbesuche
Oft folgt auf den Besuch der Moschee ein Abstecher zum Friedhof, um der verstorbenen Verwandten und Bekannten zu gedenken. Dabei werden Koranverse rezitiert und Bittgebete gesprochen – ein Brauch, der sich in vielen Ländern als Tradition in den Ablauf der Feier integriert hat, auch wenn er nicht zur Sunnah des Propheten gehört.
Der restliche Tag wird meist genutzt, um Verwandte und Bekannte zu besuchen. In geselliger Runde werden dabei häufig verschiedene Speisen und Getränke serviert. Man beschenkt sich gegenseitig und oft auch Bedürftige.
Sowohl Männer als auch Frauen legen an diesem Tag besondere oder neue Kleidung an, und auch das Haus wird festlich sauber und ordentlich hergerichtet.
Kinder
Es hat sich eingebürgert, dass während des Opferfestes die Kinder beschenkt werden. In größeren Städten finden auch kirmesartige Kinderbelustigungen mit Karussells, Freizeitaktivitäten, Süßigkeiten wie Zuckerwatte und ähnlichem statt.

Rechtlicher Status in Deutschland
Das Opferfest und das Fastenbrechenfest gelten in allen islamischen Rechtsschulen als die wichtigsten islamischen Feste. Muslimische Schüler können an diesen Tagen in den meisten Bundesländern vom Unterricht befreit werden. Dazu ist eine schriftliche Meldung der Eltern oder bei Volljährigen eine Eigenmeldung erforderlich. In Niedersachsen haben Schüler anderer Religionsgemeinschaften das Recht, auf Antrag an Feiertagen ihrer Religion an entsprechenden Veranstaltungen teilzunehmen. Ein Nachweis über den Feiertag kann im Zweifelsfall verlangt werden.
Antragsteller müssen mögliche Nachteile durch Unterrichtsversäumnisse tragen. In Rheinland-Pfalz dürfen Lehrer an beiden islamischen Festen keine Leistungsnachweise einfordern. Eine Verschiebung um einen Tag durch die Gemeinde wird toleriert, verbindlich freigehalten wird jedoch nur der Haupttag laut Amtsblatt.
Arbeitnehmer können für das Opferfest Urlaub nehmen oder unbezahlte Freistellung beantragen, ähnlich wie bei nicht gesetzlichen christlichen Feiertagen.
Schlachtungen von Opfertieren müssen beim zuständigen Amtstierarzt angemeldet werden. Schächten ohne Betäubung ist grundsätzlich verboten, kann jedoch aus religiösen Gründen genehmigt werden. Muslimische und türkische Verbände, wie die Türkische Gemeinde in Deutschland, fordern seit Langem die Einführung eines gesetzlichen muslimischen Feiertags, zum Beispiel des Opferfests.
Dies soll in Zukunft bei einer Islamkonferenz diskutiert werden.
Bilderquelle: Pixabay
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