18 Sekunden für Fußgänger. 120 Sekunden für Autos. So lang sind die durchschnittlichen Grünphasen für Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer in Deutschland. Diese Schieflage steht im Mittelpunkt der ersten Aktion der REINIGUNGSGESELLSCHAFT in ihrem Jubiläumsjahr.
An der Weißeritzstraße, einer der meistbefahrenen Verkehrsadern am Übergang von der Innenstadt in die umliegenden Stadtteile, wird die Künstlergruppe die Ampelphasen für alle Verkehrsteilnehmenden performativ vermessen und dokumentieren. Die gemessenen Zeiten werden vor Ort (Ampel in der Nähe des Bahnhof Dresden-Mitte) sichtbar gemacht und sollen Grundlage für eine öffentliche Diskussion sein, gemeinsam mit lokalen Akteuren und Initiativen. Ihre Vorschläge für verbesserte Verkehrskonzepte werden erfasst und später auch Teil der Ausstellung „Zusammen handeln – für ein aufgeräumtes Morgen“. Die Vernissage dazu wird am 4. September 2026 in der Motorenhalle sein.
Das Werkzeug der Aktion: Ampelfahnen. In den USA als „Crosswalk Flags“ bekannt, sind es signalfarben leuchtende Fahnen, die an Ampelmasten bereitliegen. Jede:r, der die Straße überqueren möchte, kann sich eine Fahne nehmen, damit die Straße überqueren und sie auf der anderen Seite wieder abstellen. Diese Fahnen werden an der Weißeritzstraße bereitgestellt. Auf den Fahnen sind die durchschnittlichen Ampelzeiten für Fußgänger und Autos aufgedruckt – wer sie bei der performativen Ampelphasenmessung mit über die Straße trägt, macht den Unterschied sichtbar und wird selbst Teil der Aktion.
Donnerstag 13. April 16:00 – 19:00 Uhr


30 Jahre REINIGUNGSGESELLSCHAFT
Im Jahr 2026 begeht die in Dresden gegründete Gruppe ihr 30-jähriges Bestehen mit einer Reihe von künstlerischen Interventionen im Dresdner Stadtteil Friedrichstadt sowie einer begleitenden Jubiläumsausstellung.
Die Künstlergruppe, bestehend aus Martin Keil und Henrik Mayer, wurde während ihres Studiums an der Hochschule für Bildende Künste Dresden ins Leben gerufen und hat sich seither von einem traditionellen, abgeschlossenen Kunstverständnis gelöst.
Ihr Schaffensprozess basiert auf dem Konzept der Aktionskunst, die sich als soziales Handeln versteht: Es handelt sich um gezielte Eingriffe in reale, soziale Situationen, bei denen kollektive Prozesse und partizipative Beteiligung eine zentrale Rolle spielen.
Ihr Werk bewegt sich somit an der Schnittstelle von Kunst, städtischer Entwicklung und bürgerschaftlichem Engagement.
Anlässlich ihres Jubiläums kehrt die Gruppe ab April nach Dresden zurück, um sich mit einem gesellschaftlich relevanten Thema von hoher Aktualität auseinanderzusetzen: dem urbanen Verkehr. In diesem Kontext werden performative Aktionen wie das Messen von Ampelphasen sowie die kollaborative Errichtung eines „Blitzers der Gerechtigkeit“ durchgeführt.
Diese Projekte, die zwischen April und September in regelmäßigen Abständen stattfinden sollen, thematisieren die Frage: Können wir die „Blechlawine“ noch stoppen?
In dialogischen Formaten sollen gemeinsam mit den Menschen des Viertels Nutzungskonflikte im öffentlichen Raum identifiziert und reflektiert werden.
Ziel ist es, neue Perspektiven auf die Mobilität und ein gerechteres Miteinander im städtischen Verkehr zu schaffen.
