Flusswasserwerk Übigau

Wer vom Ostragehege Richtung Übigau schaut, sieht bald neben der Washingtonstraße ein neues Flusswasserwerk. Es soll ab 2030 die Chipindustrie im Dresdner Norden mit Brauchwasser versorgen.

Für alle, die an der Elbe spazieren und Richtung Übigau schauen, bedeutet das, es wird sich der Ausblick verändern. Wollen wir hoffen, dass es nicht gar zu hässlich wird.

So soll die Wasserversorgung im Dresdner Norden vom Flusswasserwerk sein.
Wasserversorgung im Dresdner Norden vom Flusswasserwerk zu den Chipwerken

Silicon Saxony trinkt Elbwasser

SachsenEnergie hat das Unternehmen Hochtief als Generalübernehmer für Planung, Genehmigung und Bau des neuen Wasserwerks im Stadtteil Übigau beauftragt. Die Investition liegt nach Angaben von MDR Sachsen und SachsenEnergie bei mehr als 300 Millionen Euro. Der Freistaat Sachsen beteiligt sich mit 100 Millionen Euro, die Stadt Dresden mit 50 Millionen Euro.

Das Werk soll ab Ende 2030 über zwei unterirdische Leitungen die Chiphersteller im Dresdner Norden versorgen. Die Dresdner Heide wird schon seit einiger Zeit im Dresdner Norden umgegraben.

In Spitzenzeiten kann die Anlage täglich bis zu 67 000 Kubikmeter Wasser bereitstellen. SachsenEnergie will damit die Trinkwasserversorgung stärker von der Versorgung mit Industriewasser trennen. Für die Stadt heißt das: Trinkwasser soll nicht mehr in gleichem Maß für industrielle Prozesse genutzt werden, während die Halbleiterindustrie weiter wächst.

Der Hintergrund ist bekannt. Dresden baut seinen Ruf als Mikroelektronikstandort weiter aus. Infineon erweitert, das Chipwerk von ESMC, also TSMC gemeinsam mit Bosch, Infineon und NXP, entsteht im Norden der Stadt. Diese Industrie braucht viel Wasser für Produktion, Kühlung und technische Prozesse.

Aus der Elbe, zurück in die Elbe

Nach Angaben des Versorgers sollen rund 80 bis 90 Prozent des genutzten Wassers über die Stadtentwässerung gereinigt wieder in die Elbe zurückfließen. Selbst bei Niedrigwasser soll nur ein sehr geringer Anteil des Elbwassers entnommen werden. Die dpa-Meldung nennt weniger als 0,23 Prozent der Wassermenge, die täglich pro Sekunde durch Dresden fließt.

Das klingt beruhigend. Trotzdem darf die Stadt genau hinschauen. Denn jedes neue Großprojekt an der Elbe verändert nicht nur technische Versorgung, sondern auch Landschaft, Wege, Sichtachsen und das Gefühl eines Ortes. Gerade zwischen Ostragehege, Übigau, Alberthafen und Elbbogen liegt kein leerer Hinterhof der Stadt. Dort treffen Industriegeschichte, Naturraum, Sport, Messe, Radwege und Flusslandschaft aufeinander.

Wer dort baut, baut nicht irgendwo.

Das Flusswasserwerk soll direkt neben der Washingtonstraße an der Flügelwegbrücke entstehen.
Das Flusswasserwerk soll direkt neben der Washingtonstraße an der Flügelwegbrücke entstehen.

Das Flusswasserwerk soll die Chipindustrie möglich machen, ohne die Trinkwasserpreise zu erhöhen. Wenn Dresden Silicon Saxony weiter ausbauen will, braucht die Stadt eine Infrastruktur.

Bitte kein Technikklotz an der Elbe

Die Baugrunduntersuchungen für das neue Flusswasserwerk sind inzwischen weitgehend abgeschlossen. Als Nächstes ertüchtigt die Landestalsperrenverwaltung den Hochwasserschutzdeich in Übigau. Sobald Genehmigungen und Detailplanungen vorliegen, kann der eigentliche Bau beginnen. Noch liegen keine öffentlich breit diskutierten Gestaltungsdetails vor. Die nächste Sitzung der Gestaltungskommission ist am 12. Juni. Deshalb lässt sich nicht seriös sagen, wie das neue Flusswasserwerk am Ende aussehen wird. Aber genau jetzt sollte Dresden darauf achten, dass aus der notwendigen Infrastruktur kein liebloser Zweckbau direkt am Fluss wird.

Die Elbe ist in Dresden nicht irgendeine Leitungstrasse mit Aussicht. Sie ist Landschaft, Stadtbild, Frischluftschneise, Radweg, Spazierort und Erinnerung. Wer vom Ostragehege auf die andere Seite blickt,

Sachsen-Energie-Vorstandschef Frank Brinkmann (2.v.r.) hat symbolisch den Spaten an den Dresdner Hochtief-Standortleiter Hagen Schroth (mitte) übergeben für den Bau des Flusswasserwerks. Hochtief ist Generalübernehmer für das gesamte Projekt, das 300 Millionen Euro kostet. Auf dem Steg: (v.l.n.r.) Heinrich Hünting (Abteilungsleiter Wirtschaft, Innovation und Mittelstand im Sächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz), Frank Bösenberg (Geschäftsführer Silicon Saxony), Hagen Schroth (Niederlassungsleiter Berlin-Brandenburg HOCHTIEF Infrastructure), Dr. Frank Brinkmann (Vorstandvorsitzender Sachsen-Energie), Dirk Hilbert (Oberbürgermeister der Stadt Dresden)
v.r.n.l. OB Dirk Hilbert, Sachsen-Energie-Vorstandschef Frank Brinkmann, Hagen Schroth (HochTief Standortleiter), Frank Bösenberg (Silicon Saxony), Heinrich Hünting (Wirtschaftsministerium)
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