Wachsbleichstraße

Wer heute durch die Wachsbleichstraße läuft, sieht vor allem Blech. Stoßstange an Stoßstange reihen sich die Fahrzeuge bis zur Weißeritzstraße. Ein Blick in das Jahr 1965 zeigt ein völlig anderes Bild. Auf dem Kopfsteinpflaster steht ein einsamer Trabant 500 fast verloren vor der Kulisse der Hausnummer 8.

Der Ursprung in der Heigiusgasse

Die Geschichte dieses Ortes beginnt im 18. Jahrhundert. Damals baute der Appellationsrat Dr. Heigius hier das erste Haus. Lange Zeit hieß der Weg deshalb schlicht Heigiusgasse. Erst später, als der Baron von Blumenthal in der Nähe eine Wachsbleicherei anlegen ließ, änderte sich der Name, zuerst in Wachsbleichgasse, ab 1894 schließlich in Wachsbleichstraße. Heute greifen Stadtplaner diese Historie wieder auf. Bei der geplanten Aufwertung der „Schluppe“ im Juni 2026 (Wegeverbindungen zwischen Wachsbleichstraße und Seminarstraße) sollen Motive der Wachsbleiche und der Insektenschutz das gestalterische Thema bilden.

Auf dem Kopfsteinpflaster steht ein einsamerTrabant 500 fast verloren vor der Kulisse der Hausnummer 8

Die Schule als architektonischer Anker

Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Friedrichstadt kräftig. Betrachtet man die rechte Seite der historischen Aufnahmen, sticht die mächtige Fassade der Wachsbleichstraße 6 hervor. Das Gebäude wurde 1881 bis 1882 vom Architekten Theodor Friedrich als 17. Bezirksschule errichtet. Es ist einer der wenigen Fixpunkte, die die Zeit überdauert haben. Während viele umliegende Gebäude in den Bombennächten des Februars 1945 oder bei den späteren Angriffen auf die Bahnanlagen im April zerstört wurden, blieb der Schulbau erhalten. Die Beschädigungen wurden repariert. Heute beherbergt er das Berufsschulzentrum für Gastgewerbe „Ernst Lößnitzer“. Wo früher Volksschüler lernten, werden nun Köche und Hotelfachleute ausgebildet.

Berufsschulzentrum für Gastgewerbe „Ernst Lößnitzer“
Berufsschulzentrum für Gastgewerbe „Ernst Lößnitzer“

Vom Trümmergrundstück zum Kulturstandort

Die Hausnummer 8 selbst erzählt die Geschichte der Kriegslücken besonders eindringlich. Die Nachbarhäuser Nr. 10 und 12 überstanden den Bombenhagel nicht. Auf dem Foto von 1965 blicken wir auf eine kahle Brandwand und eine ungenutzte Freifläche. Eine direkte Folge der Zerstörung. Das Wohnhaus mit der Giebelwand erscheint 1899 erstmalig auf den historischen Stadtplänen. Die Friedrichstädter bezeichnen es als „Heigiushaus“.

Das Haus E Ost trägt heute ein großformatiges Werk der Gruppe Zonenkinder, das im Rahmen des Projekts „CityBilder“ entstand.

In der DDR-Zeit waren viele Gründerzeitbauten für den Abriss vorgesehen, da die Mittel für eine Sanierung fehlten. Nach der Wende begannen zahlreiche Sanierungen am Krankenhaus Friedrichstadt. 1999 entstand auf der Brache das Haus E Ost. Es dient der Energieversorgung. Das Wohnhaus Wachsbleichstraße 8 war allerdings so marode, dass es 2005 abgerissen wurde. Die so gewonnene Fläche wurde dem Krankenhausgelände zugeordnet und wird derzeit als Parkplatz genutzt.

Statt öder Fassaden trägt heute ein großformatiges Werk der Gruppe Zonenkinder, das im Rahmen des Projekts „CityBilder“ entstand, zur Aufwertung der Straße bei.

Familie auf der Wachsbleichstraße vor dem Berufsschulzentrum für Gastgewerbe
Die Zeit des einsamen Trabant 500 ist vorbei, aber die Dominanz der parkenden Autos könnte bald zugunsten neuer öffentlicher Plätze weichen. Die Anwohner freuen sich über diese Umgestaltung.

Die Straße im Jahr 2026

Die aktuelle Situation zeigt die Grenzen der heutigen Nutzung. War 1965 das Auto eine Besonderheit, fährt heute fast jede Familie mindestens eins. Die Straße dient nur noch als Abstellplatz und der Raum ist enger geworden, obwohl die Gebäude dieselben sind. Die massive Parkdichte nervt die Anwohner:innen und sie wünschen sich mehr Grün und eine höhere Aufenthaltsqualität auf der Wachsbleichstraße.

Das Amt für Stadtplanung hat für das Jahr 2026 eine umfassende Umgestaltung des angrenzenden Fuß- und Radwegs angekündigt. Gemeinsam mit Schülern und Anwohnern wurden Pläne für Sitzgelegenheiten, Trinkbrunnen und eine Bücherzelle entwickelt. Das Ziel ist es, den Straßenraum wieder stärker für die Menschen zu öffnen, die hier leben und lernen. Die Zeit des einsamen P70 ist vorbei, aber die Dominanz der parkenden Autos könnte bald zugunsten neuer öffentlicher Plätze weichen.

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