Erinnerung

Wir kennen alle das Ambros-Ufer, aber wer war dieser Mann? Es ist Zeit für eine Erinnerung, denn am heutigen 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Emerich Ambros zum 130-ten mal.

Emerich Ambros wurde in Budapest als uneheliches Kind geboren. Über seine Mutter, die aus Dresden stammte, ist nichts bekannt.

Sein Vater war ein jüdischer Rechtsanwalt, der in Budapest lebte.

Beide Eltern verstarben früh, sodass Emerich Ambros bei seiner Großmutter in Dresden aufwuchs.

In Dresden besuchte er von 1902 bis 1910 die Volksschule und absolvierte anschließend zwischen 1910 und 1913 eine Lehre zum Klempner. Danach arbeitete er bei verschiedenen, meist kleineren Dresdner Firmen, bevor er am 11. Januar 1916 zum Militärdienst einberufen wurde. Dort diente er bis zum 20. Mai 1919, zuletzt als Sanitätsunteroffizier.

Im April desselben Jahres bewarb sich Emerich Ambros beim Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) am Weißeritzufer in Dresden um eine Anstellung als Klempner und wurde am 21. Mai 1919 eingestellt.

In den folgenden Jahren setzte er sich aktiv für die Belange der RAW-Arbeiter ein und arbeitete eng mit Personen wie Robert Wirth, Bruno Siegel und Max Barth zusammen.

Bereits 1919 wurde Emerich Ambros in den Betriebsrat gewählt und engagierte sich im Deutschen Eisenbahnerverband. Schließlich wurde er auch Mitglied des Bezirksbetriebsrats bei der Generaldirektion der Sächsischen Staatseisenbahn.

Trotz politischer Differenzen mit KPD-Gewerkschaftskollegen erlangte er als SPD-Mitglied aufgrund seines Engagements und beeindruckenden Rednertalents großen Respekt. Am 28. Juni 1925 verließ Emerich Ambros das RAW – entgegen späteren Behauptungen, dies sei erst 1927 geschehen – und begann im Sommer desselben Jahres eine Tätigkeit als Parteisekretär der SPD in Löbau.

Emeirch Ambros (historisches Foto)

Um das Jahr 1931 oder 1932 wechselte er als Geschäftsführer zum Konsumverein „Vorwärts“ in Löbau. Neben seiner beruflichen Tätigkeit war er auch Stadtverordneter und Fraktionsführer der Löbauer SPD.

Im September 1933 wurde Ambros von einer Angestellten des Konsumvereins der sexuellen Belästigung bezichtigt, worauf das Amtsgericht Löbau am 19. September seine Verhaftung anordnete.

Während eines Verhörs am 22. September konnte er jedoch alle Vorwürfe entkräften, sodass das Gericht die Aufrechterhaltung des Haftbefehls ablehnte.

Dennoch ignorierte der Löbauer Stadtrat auf Veranlassung des örtlichen NSDAP-Kreisleiters Hans Reiter diese Entscheidung und überstellte ihn am 25. September in das Schutzhaftlager Hohnstein.

Denkmal-Hohnstein von Wilhelm Landgraf

Bereits am darauffolgenden Nachmittag verstarb Emerich Ambros dort infolge schwerer Misshandlungen durch seine SA-Bewacher.

In einem Prozess von 1934 gegen den damaligen Lagerkommandanten Rudolf Jähnichen und weitere Wachleute erklärten die Angeklagten, Ambros habe während eines Verhörs sein vermeintliches Vergehen gestanden und sich anschließend in seiner Zelle an einem drei Zentimeter langen Nagel erhängt.

Zeugenberichte von Häftlingen, die im Rahmen der sogenannten Hohnstein-Prozesse 1949 aussagten, deuteten hingegen darauf hin, dass er mutwillig getötet worden war, vermutlich durch einen der Angeklagten.

Nach der Obduktion von des Leichnam in Pirna am 28. September 1933 wurde dieser nach Dresden überführt und am 30. September im Krematorium Tolkewitz eingeäschert.

Kurz darauf zog seine Witwe mit ihren beiden Kindern nach Dresden zurück und nahm sich am 11. November 1933 infolge einer Gasvergiftung gemeinsam mit ihren Kindern das Leben.

Nach dem Krieg wurde Sein Engagement insbesondere von den Beschäftigten des RAW gewürdigt.

Zum ersten Mal am „Tag der Opfer des Faschismus“ am 29. September 1945. Damals wurde ein Sarg mit angeblichen sterblichen Überresten von Hohnstein nach Dresden überführt und im neu eröffneten „Ehrenhain für die Opfer des Faschismus“ am Palaisplatz beigesetzt.

Das Weißeritzufer wurde noch im Jahr 1945 in „Emmerich-Ambroß-Ufer“, später korrekt in „Emerich-Ambros-Ufer“ (seit 1988), umbenannt.

Zudem erinnerte eine Gedenktafel an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Rabenauer Straße 7 in Dresden-Löbtau an ihn (sie existiert nicht mehr) . Im Jahr 1988 errichtete das RAW einen Gedenkstein mit einem Porträtrelief von A., als ihm zu Ehren der Ehrenname „Emerich Ambros“ verliehen wurde.

Der Bürgerrechtler Frank Richter sagte an seinem 90. Todestag 2023 an seinem Grab auf dem Äußeren Matthäusfriedhof (Bremer Straße) „Er war einer der ersten Demokraten und Widerstandskämpfer, die dem Terror der Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Nicht nur das Dresdner Emerich-Ambros-Ufer erinnert an ihn.Wer sich hierher begibt und innehält, begreift, dass wir es nicht zuletzt diesem mutigen und gewissenhaften Mann schulden, uns gegen den anwachsenden Rechtsextremismus entgegenzustellen

Grabstätte der Familie Ambros
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