Bevor die Brücke in Beton geht

Vier Entwürfe für den Neubau der Carolabrücke liegen vor. Am 26. Mai stellte die Stadt sie dem Begleitgremium vor, vom 13. Juni bis 19. Juli 2026 können Bürgerinnen und Bürger die Vorschläge bewerten.

Entwurf Carolabrücke  FHECOR Deutschland GmbH und TSSB Planungsgesellschaft
Der Entwurf versteht sich als „Carolabrücke 3.0“ und greift laut Planern die Bögen der historischen Carolabrücke auf. FHECOR Deutschland GmbH und TSSB Planungsgesellschaft

Bürgerbeteiligung ist kein Schmuck am Bauzaun

Vom 13. Juni bis 19. Juli 2026 läuft die Bürgerbeteiligung. Die Stadt will die Entwürfe öffentlich zeigen, unter anderem im Stadtforum und online über carolaVOTE. Wer sich dort beteiligt, entscheidet die Brücke nicht allein. Am Ende stimmt der Stadtrat ab. Aber die Beteiligung zeigt, was Dresdnerinnen und Dresdner wichtig finden.

Ansehen kannst du die Entwürfe online auf der städtischen Webseite: dresden.de. Die Stadt schrieb, dass die Visualisierungen ab 26. Mai 2026 dort einsehbar sind.

Vor Ort ansehen kannst du sie im Stadtforum, in der AGORA, Waisenhausstraße 14. Die Ausstellung startet am 13. Juni 2026 und läuft bis 17. Juli 2026, regulär montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr. Am Mittwoch, 17. Juni 2026, stellen sich die Planungsbüros in einem Bürgerdialog den Fragen der Dresdnerinnen und Dresdner.

Der Entwurf Carolabrücke von Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG und Knight Architects
Dieser Entwurf knüpft an die historische Königin-Carolabrücke an und sieht unter anderem einen Promenadenweg zur Altstadtseite vor. Entwurf von Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG und Knight Architects

Nutze deine Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung. Denn nach dem Beschluss kommt irgendwann Beton. Dann lassen sich Linien nicht mehr so leicht verschieben und aus einer Idee wird eine Fahrspur, aus einem Kompromiss eine Ampel, aus einer unklaren Führung ein täglicher Ärger.

Die Carolabrücke verbindet zentrale Teile der Stadt, sie prägt den Verkehr über die Elbe, und sie wird jahrzehntelang benutzt. Wer heute mitredet, spricht über den künftigen Alltag in Dresden.

Entwurf Carolabrück Quelle: Ingenieurbüro GRASSL GmbH
Der Entwurf enthält „offene Brückenaugen“ und Verweilplätze auf der Brücke. Quelle: Ingenieurbüro GRASSL GmbH

Wohin mit den Radfahrern?

Passend dazu lädt das Verkehrsmuseum am 18. Juni 2026 zur Unterhausdebatte „Wohin mit den Radfahrern?“ ein. Um 19 Uhr diskutiert Baubürgermeister Stephan Kühn mit Fachleuten und Publikum über Platz, Konflikte und Gerechtigkeit im Stadtverkehr. Konrad Krause vom ADFC Sachsen ist ebenfalls dabei.

Der Titel klingt zugespitzt. Die Frage trifft aber einen wunden Punkt. Dresden ringt seit Jahren darum, wie viel Raum Autos, Bahnen, Fahrräder und Fußverkehr bekommen. An der Carolabrücke zeigt sich dieser Konflikt besonders klar.

Entwurf Carolabrücke Quelle: Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH und DKFS
Dieser Entwurf wird als flach und zurückhaltend beschrieben, mit Carola-Promenade und Elbbalkon. Quelle: Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH und DKFS

Eine gute Brücke endet nicht am Geländer. Sie beginnt schon am Weg dorthin und hört erst dort auf, wo Menschen sicher und ohne Umwege weiterkommen.

Die Bürgerbeteiligung zur Carolabrücke ist deshalb kein Termin für Planungsnerds. Sie ist eine Einladung, rechtzeitig hinzuschauen. Bevor die Stadt sich festlegt.

Die Bürgerbeteiligung ersetzt nicht die Entscheidung des Stadtrats. Die Stadt sammelt Meinungen, am Ende entscheidet der Stadtrat über den Siegerentwurf.

Die eingestürzte Carolabrücke bei Abendstimmung mit Blich auf den Fernsehturm.
Wer es vergessen, so sah die alte Carolabrücke von 1969 im Jahr 2024 aus.
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