Heute vor 100 Jahren brannte es an der Hafenmühle (Bienert-Mühle)in der Dresdner Friedrichstadt. Über dieses Ereignis schrieben die Zeitungen damals sehr ausführlich und Fotografien davon wurden als Postkarten gehandelt.
So berichtete die Weißeritz-Zeitung am Mittwoch, dem 28.Juli 1926 über das Feuer.
Dresden
Ein gewaltiges Schadenfeuer, wie es die Dresdner Berufsfeuerwehr seit vielen Jahren In einem derartigen Ausmaße nicht zu bekämpfen hatte, wütete am Dienstag von 6 Uhrnachmittags ab in der Friedrichstadt.

Kurz vor 6 Uhr brachte die Zeitungsfrau, wie alltäglich zur gewohnten Nachmittagsstunde, die Abendblätter in die an der Bremer Straße gelegenen Grundstücke getragen. Als die Frau im Grundstücke Nr. 14 die Zeitung ablieferte, bemerkte sie zu der dort anwesenden Aufwärterin, daß es doch hinten brennen müsse, es rauche doch so stark aus dem Schuppen. Tatsächlich war in einem Schuppen der bekannten Glasfirma Langenstepen & Bäßel auf zunächst noch unermittelter Weise ein Brand entstanden, der rasch an Ausdehnung gewann und auf den angrenzenden Schuppen, bezw. an die Niederlage der Firma Beton- und Monierbau Akt.- Gesellschaft übersprang. Diese beiden zunächst In Brand geratenen Schuppen befinden sich im Hinteren Teile des betreffenden Grundstückes, sie grenzen wiederum an das Hafengelände an.

Obgleich die Hilfe der Feuerwehr schnell erbeten wurde, nahm das Feuer, durch leichten, stadtwärts wehenden Wind angefacht, alsbald einen riesigen Umfang an. Unaufhaltsam breiteten sich die Flammen über weitere Schuppen, Niederlagen und sonstigen Baulichkeiten der Firma Langenstepen & Bäßel und über die Lagerräume der Beton- und Monierbau-Akt.-Gesellschaft aus, um schließlich auch die großen und ausgedehnten Lagerräume der Holzgroßhandlung Julius Jakob Hirsch zu ergreifen. Obgleich nun eine Abteilung der Dresdner Berufsfeuerwehr nach der anderen anrückte und in Tätigkeittrat, nahm der Brand immer größere Ausdehnung und Heftigkeit an. Gegen 7 Uhr stieg eine ungeheure Rauchsäule zum Himmel empor, die sich in großer Höhe und breiter Ausdehnung über die Stadt hin wälzte. Etwa um ½ 8 Uhr gewann es den Anschein, als habe das Schadenfeuer seinen Höhepunkt erreicht, zu gleicher Zeitwurde noch das an der Bremer Straße stehende Kontor- und Wohngebäude der Firma Hirsch von den Flammen ergriffen. Um 8 Uhr stand der ganze weitausgedehnte Holzlagerplatz mit seinen vielen riesigen Bretterstapeln in hellen Flammen.

Sämtliche Feuerhähne der Wasserleitung waren in Benutzung genommen, die sich in der dortigen Gegend befanden. Drei Automobilspritzenwaren im König-Albert-Hasen aufgefahren, um von dort aus Wasser herauszupumpen und zahlreiche anderweite Schlauchleitungen zu speisen. Von der Hafenseite aus wurde der Brand mit bekämpft und zugleich die dort befindlichen großen Speicherdurch die vorgenannten Automobilspritzen vor weiterem Übergreifen des Riesenfeuers mit geschützt. Gegen 9 Uhr bildete die umfangreiche Brandstätte ein riesiges Glutmeer, dessen Schein sich unheilverkündend weithin am Himmel wieder spiegelte. Von allen Seiten rückte die gesamte Dresdner Berufsfeuerwehr dem gefräßigen Element zu Leibe. Was nun das Feuer selbst anbetrifft, so glaubte die Bevölkerung der Stadt nichts anderes, als stehe die große Bienertsche Hafenmühle in Flammen. Von den sämtlichen Dresdner Brücken und den Loschwitz-Pillnitzer Höhenzügen aus gesehen war dieser Mühlenbau in ein einziges Rauch- und Flammenmeer gehüllt. Den gleichen Eindruck gewann man von den westlichen Dresdner Höhenzügen und von den Lößnitzortschaften aus. Von diesen Gegenden aus betrachtet lag die riesige Brandstelle vor der Hafenmühle.

Zu zehntausenden waren die Menschen nach der Friedrichstadt geeilt und wohl auch viele tausende von Radfahrern sowie ungezählte Autos suchten so nahe wie möglich an den Brandherd heran zu kommen, der eine enorme Hitze verbreitete, wodurch die Löscharbeiten der Feuerwehrmannschaften sehr erschwert wurden. In der Zeit von ½ 7 Uhr ab bis gegen 8 Uhr fiel in Richtung der riesigen Rauchwolken ein regelrechter Ascheregen hernieder. Verkohlte Pappstücken und Papierfetzen konnte man selbst auf der Albertbrücke niederfallensehen, während dies in der Friedrichstadt und auf der Marienbrücke ziemlich regenartig der Fall war. Von den zur Brandstelle geeilten Menschen beteiligten sich einige hundert Personen an Ausräumungs- und Bergungsarbeiten. Man schaffte Mobiliar und Kontorgegenstände heraus, transportierte Bretter weg oder suchte dem Feuer sonst auf andere Weise mit Einhalt zu gebieten aber scheinbar alles vergebens. Was einmal von den Flammen ergriffen wurde, brannte vollständig nieder.

Um 9 Uhr abends war die Gewalt des Feuers gewissermaßen gebrochen, zu dieser Stunde konnte man mindestens hunderttausend Menschen an der Bremer-, Walther- und Hamburger Straße zählen, die dem weiteren Verlaufe des Feuers mit sichtlichem Interesse folgten. Wie groß der entstandene Brandschaden Ist, auf welche Ursache die Entstehung zurückzuführen ist, darüber lassen sich einwandsfreie Angaben noch nicht machen. Sicher ist ein Millionenschaden verursacht worden, der In der Hauptsache durch Versicherung gedeckt sein dürfte.
11 Uhr abends. Im Verlaufe der Abendstunden wurden zur Verstärkung der Berufsfeuerwehr auch die in Dresden noch vorhandenen Fabrik- und Freiwilligen Feuerwehren alarmiert. So konnte man dann beispielsweise die Mannschaften der Fabrikfeuerwehr von Seidel & Naumann mit denen von Coschütz usw. vereint arbeiten sehen. Die gewaltige Ausdehnung des Brandplatzes erforderte auch die Heranziehung sämtlicher verfügbarer Polizeikräfte, außerdem waren alle gegenwärtig in Dresden anwesenden Reichswehrtruppenteile am Brandplatze eingetroffen, um die Feuerwehr und Polizei zu unterstützen.

Das Kontor- und Wohngebäude der Holzgroßhandlung von Hirsch, das um ½ 8 Ahr in Brand geriet, konnte gehalten werden, nur die dem Feuer zugekehrte Giebelfront und ein Teil des Daches sind beschädigt worden. Um 11 Uhr abends wurden von der Hafen Seite aus durch die dort aufgefahrenen Automobilspritzen, die das Wasser aus dem König-Albert-Hafen herauspumpten, noch 15 Rohrleitungen gespeist, auch die an der Friedrich-, Walther- und Bremer Straße befindlichen Feuerhähne waren noch sämtlich in Benutzung. Von dieser Seite der Brandstelleaus wurden gegen zwanzig Schlauchleitungen in Anwendung gebracht. Die Ablöschung der vielen in Brand geratenen Bretter- und sonstigen Holzstapel dürfte bis zum Mittwochmorgen die Feuerwehrmannschaften beschäftigen. Besondere Unfälle haben sich bis Mitternacht nicht dabei ereignet. Die Umgebung des Brandplatzes an der Bremer Straße wurde in der 11. Abendstunde in größerem Umfange abgesperrt. Langsam aber allmählig wurden die immer noch zahllosen Zuschauer nach den benachbarten Straßen zurückgedrängt. Seitens der Straßenbahn waren zwischen Postplatz und Friedrichstraße ununterbrochen Sonderwagen in Betrieb, die zeitweise die Menschen nicht bewältigen konnten.

Auf den Feldern an der Bremer Straße hockten um Mitternacht noch die aus den vom Feuer betroffenen Grundstücken und geflüchteten Bewohner bei Ihrer geborgenen Habe. Mancherlei Sachschaden war bei den Rettungsarbeiten entstanden, wurden doch Stühle und andere dergleichen Dinge der Schnelligkeit halber gleich zum Fenster herab geworfen. Aber auch die geschäftliche Seite wurde rasch ausgenützt. Mitten im größten Betriebe tauchten auch die üblichen Fruchteishändler auf. Krankenkraftwagen, die mehrfach hin- und herfuhren, gaben Anlaß zu Gerüchten über angebliche Unfälle, die Wagen beförderten in dessen lediglich Verpflegungsmaterialien für die Feuerwehrmannschaften. Um Mitternacht ließ der Feuerschein langsam nach, obgleich der ganze Brandplatz noch ein einziges Glutmeer bildete.
