Gute Architektur beginnt nicht erst bei der schönen Fassade. Sie beginnt bei der Frage, wie ein Gebäude funktioniert, wie viel Technik es braucht und ob es auch dann noch sinnvoll bleibt, wenn der nächste Hitzesommer kommt, die Energiepreise steigen oder niemand mehr Lust hat, eine Haustechnik zu warten, die komplizierter wirkt als ein Raumschiff.

Genau darum geht es in der Ausstellung zum Sächsischen Staatspreis Baukultur 2026 im Zentrum für Baukultur Sachsen im Kulturpalast. Vom 24. Juni bis 30. Juli 2026 zeigt das ZfBK die ausgezeichneten Projekte unter dem Motto „Bauen im Spannungsfeld von Hightech und Lowtech“.
Baukultur im Praxistest
In den vergangenen Jahren setzten viele Bauprojekte auf technische Lösungen, um Energie zu sparen. Sensoren, Lüftungsanlagen, Steuerungen, Dämmkonzepte, digitale Systeme. Das kann sinnvoll sein. Es kann aber auch dazu führen, dass ein Gebäude nur noch funktioniert, wenn alles perfekt geregelt, gewartet und programmiert wird.
Lowtech setzt früher an. Nicht erst bei der Anlage im Keller oder beim Display an der Wand, sondern beim Entwurf selbst. Ein gutes Haus kann Schatten spenden, bevor jemand die Klimaanlage hochdreht. Es nutzt Wind, Licht, Material und Lage, statt jede Aufgabe an Technik auszulagern. Manchmal reicht ein klug gesetztes Fenster oder ein Dachüberstand, Material, das Wärme speichert oder Hitze draußen hält.
Lowtech heißt also nicht rückständig. Es heißt, ein Gebäude so zu planen, dass es möglichst viel selbst kann und seine Nutzerinnen und Nutzer nicht mit Technik überfordert, die erst einmal erklärt, gewartet und bezahlt werden muss.
Die Ausstellung zeigt Projekte, die genau diese Fragen ernst nehmen. Nicht Hightech gegen Lowtech, nicht Zukunft gegen Einfachheit, sondern die Suche nach dem richtigen Maß. Wann hilft Technik wirklich? Macht sie ein Gebäude abhängig, teuer oder vielleicht unnötig kompliziert? Und wann beweist gerade eine einfache Lösung mehr Intelligenz als das nächste digitale Bedienfeld?
Spannend, weil es Dresden betrifft
In der Friedrichstadt wird sehr viel gebaut und teuer vermietet. Die Ausstellung betrifft alle, die in Städten leben, Wohnungen suchen, in Schulen, Kliniken, Büros, Kulturhäusern oder öffentlichen Gebäuden unterwegs sind. Baukultur entscheidet mit darüber, ob Räume im Sommer erträglich bleiben, ob Gebäude Ressourcen verschwenden, ob Sanierungen gelingen und ob neue Architektur mehr kann als hübsch auszusehen.

Besonders spannend sind die ausgezeichneten Projekte, weil sie aus Sachsen kommen und damit keine fernen Idealbilder aus Hochglanzmagazinen zeigen. Ob da auch ein Haus aus der Friedrichstadt dabei ist? Es geht um Lösungen, die hier im Freistaat entstanden sind, bei realen Bauaufgaben, realen Budgets, realem Klima und echten Nutzungskonflikten.
Zu sehen sind Bauprojekte, die einen herausragenden Beitrag zur Baukultur leisten. Dazu gehören nach den Teilnahmebedingungen Neubauten, Sanierungen, Erweiterungen, Freiraumplanungen sowie ingenieurtechnische Projekte, die in den vergangenen zehn Jahren in Sachsen fertiggestellt wurden. Die Ausstellung macht also sichtbar, wie breit Baukultur sein kann. Sie steckt nicht nur im spektakulären Neubau, sondern auch in Umbau, Weiterbauen, Technik, Material, Stadtraum und Landschaft.
Häuser, die mitdenken
Der Reiz dieser Ausstellung liegt darin, dass sie die großen Fragen der Gegenwart in gebaute Beispiele übersetzt. Klimaanpassung, Energie, Ressourcen, soziale Nachhaltigkeit und technische Innovation bleiben hier nicht abstrakt. Sie hängen als Pläne, Fotos, Modelle und Projektdokumentationen im Raum und können verglichen werden.
Die Ausstellung zum Sächsischen Staatspreis Baukultur 2026 zeigt, dass Zukunft nicht automatisch mehr Technik bedeutet.
Termin: 24. Juni bis 30. Juli 2026
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 13 bis 18 Uhr
Ort: Zentrum für Baukultur Sachsen im Kulturpalast Dresden, Schloßstraße 2, 01067 Dresden
Eingang: über die Galeriestraße
Eintritt: frei
Thema: Bauen im Spannungsfeld von Hightech und Lowtech
