190 Jahre und immer noch Dampf

Die alten Dampfer auf der Elbe werden 190 Jahre alt und tuckern immer noch durch unseren Alltag.

Zum Jubiläum plant die Sächsische Dampfschifffahrt 2026 mehrere Sonderaktionen. Einzelne Dampfer feiern eigene Geburtstage. Der Personendampfer „Dresden“ wird 100 Jahre alt. Dazu gibt es im Juli ein Geburtstagswochenende mit Sonderfahrten, Biergarten, Entdeckungstouren an Bord und einem Abend des offenen Schiffes.

Dampferanlegestelle 1900 Dresden Altstadt

Unsere alten Elbtiere

Seit 1836 fahren Dampfschiffe auf der Elbe. Die heutige Sächsische Dampfschifffahrt nennt ihre Flotte die älteste und größte Raddampferflotte der Welt. Neun historische Raddampfer und zwei Salonschiffe gehören dazu.

Das ist schon bemerkenswert, denn während anderswo Technik nach zehn Jahren als veraltet gilt, tuckern diese Schiffe immer noch durch Dresden und zeigen, dass Entschleunigung keine Lifestyle-Idee sein muss, sondern auch ein Betriebszustand sein kann.

PD Leipzig (1929): Das jüngste und zugleich größte Schiff der historischen Raddampferflotte
PD Leipzig (1929): Das jüngste und zugleich größte Schiff der historischen Raddampferflotte

Für viele Gäste gehören die Dampfer zur Dresden-Kulisse wie die Frauenkirche oder ein Foto vom Blauen Wunder. Für uns in der Friedrichstadt gehören sie auch zum Klang der Nachbarschaft. Sie fahren nicht direkt durch die Seminarstraße, aber sie melden sich regelmäßig von der Elbe. Wenn der Wind richtig steht, hörst du sie bis in den Stadtteil.

Der erste Dampfer auf der Elbe

Der erste Dampfer auf der sächsischen Elbe war kein staatliches Prestigeprojekt, sondern die pragmatische Idee eines Zuckerraffinateurs, der billigeren Transport für seinen Rohrzucker brauchte.

Die Schifffahrt mit Dampfern auf der Oberelbe begann im Jahr 1835, als ein Heckraddampfboot von Heinrich Wilhelm Calberla, Besitzer der Calberlaschen Zuckersiederei, am 7. Mai 1835 von Hamburg kommend mit zwei Kähnen im Schlepp in Dresden eintraf. Er brauchte billigeren Transport für seinen Rohrzucker. Die Fabrik stand direkt am Packhof neben der Marienbrücke. Dem Vorgänger des heutigen Alberthafen.

Calberla war kein Schiffer, sondern Industriepionier. 1817 investierte er in eine Zuckersiederei und baute sie zu einem der ersten Industriebetriebe in Dresden auf. Um den logistischen Anforderungen gerecht zu werden, ließ er 1834 noch vor der „Königin Maria“ in Krippen ein Frachtdampfschiff für den Verkehr auf der Oberelbe bauen. Es ließ sich nicht wirtschaftlich betreiben. Es war der erste Dampfer auf der Oberelbe überhaupt. Dann stellte er aufgrund der Konkurrenzsituation den Betrieb ein und beteiligte sich als Aktionär an der Elbdampfschiffahrts-Gesellschaft.

Beginn der Dampfschifffahrt in Dresden

Wer heute von Friedrichstadt aus auf die Elbe schaut, schaut direkt auf die Stelle, wo 1836 die Wiege der gesamten Raddampferflotte stand. Das Schloss Übigau war zuvor noch das Lust- und Jagdschloss von August dem Starken. Er startete von dort seine aufwendigen Elb-Wasserfeste. Und exakt dort begann knapp 100 Jahre später das industrielle Zeitalter des Elbverkehrs. Südlich des Schlosses Übigau wurde 1836 unter dem Hochschulprofessor Johann Andreas Schubert eine Maschinenbauanstalt angesiedelt. Hier entstanden 1837 das erste Oberelbe-Dampfschiff „Königin Maria“ sowie 1838 die erste sächsische Dampflokomotive „Saxonia“.

Schloss Übigau im Sommer
Schloss Übigau – Geburtsort der Dampfschifffahrt

Auf Anregung der Dresdner Kaufleute Benjamin Schwenke und Friedrich Lange wurde am 16. März 1836 an die sächsische Regierung ein Antrag zum Betreiben der Dampfschifffahrt auf der Elbe eingereicht. Bis zum 5. Mai 1836 wurden 1500 Aktien zum Nennwert von je 100 Talern gezeichnet. Am 8. Juli 1836 erteilte König Friedrich August II. von Sachsen der Gesellschaft das Privileg zur Dampfschifffahrt. Das Aktienmodell war für die Zeit revolutionär.

Fast das Ende

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Bestand der einst stolzen Flotte drastisch auf nur noch acht Dampfer geschrumpft. In der DDR-Zeit wurden die verbliebenen Schiffe wieder in Betrieb genommen unter dem Namen „Weiße Flotte“ . Die Flotte diente als wichtiges Ausflugs- und Transportmittel für die Bevölkerung auf der Elbe. Nach der Wende und der Wiedervereinigung 1990 drohte der Stillstand. Zahlreiche Schiffe lagen zeitweise still und drohten auf der Werft Laubegast zu verfallen. Die Flotte wurde durch einen Investor aus Westdeutschland gerettet, der die historischen „Rostkähne“ aufkaufte und neues Kapital auftrieb. Die Schiffe wurden anschließend aufwendig restauriert und fuhren als Sächsische Dampfschifffahrt die Elbe rauf und runter.

Das Jahr 2020 brachte für die Sächsische Dampfschifffahrt die tiefste Zäsur der jüngeren Geschichte. Am 3. Juni 2020 meldete das Unternehmen Planinsolvenz in Eigenverwaltung an. Betreiber bis zur Insolvenz war die Sächsische Dampfschifffahrt-GmbH & Co. Conti Elbschifffahrts KG. Die im Frühjahr 2020 verhängten Lockdowns und die massiven Einschränkungen für den Tourismus und die Gastronomie brachten das Geschäft vollständig zum Erliegen. Trotz des Insolvenzverfahrens wurde der Fahrbetrieb im Sommer 2020 unter der Aufsicht des Insolvenzverwalters fortgeführt. Die in Basel ansässige United Rivers AG übernahm die Flotte. Das Unternehmen wurde unter dem traditionsreichen Namen Weiße Flotte Sachsen GmbH neu aufgestellt.

Jubiläumsparade

Im Jubiläumsjahr 2026 rücken drei Schiffe der Flotte mit runden Geburtstagen in den Fokus. Der Dampfer „Dresden“ wird 100, die Dampfer „Kurort Rathen“ und „Pillnitz“ 130 und 140. Die Dampfmaschine des PD „Diesbar“, die 2026 ihr 185. Betriebsjahr erreicht, ist zudem die älteste, noch regulär eingesetzte Dampfmaschine der Welt.

Ein großer Termin ist die Jubiläumsparade am 3. Oktober 2026. Dann fahren historische Raddampfer und Salonschiffe in Formation. Die Route führt vom Terrassenufer zuerst Richtung Blaues Wunder, dann stromab Richtung Übigau und zurück. Gerade dieser Abschnitt lohnt sich, weil du nicht nur die klassische Altstadtseite siehst, sondern auch Richtung Ostra, Alberthafen und Industriegeschichte blickst. Tickets gibt es direkt auf der Webseite.

Schutz des Kulturgutes Dampfschifffahrt Dresden

Um ein Auseinanderreißen der historischen Flotte in der Zukunft unmöglich zu machen, wurde im August 2020 eine wegweisende Struktur geschaffen. Die neun unter Denkmalschutz stehenden historischen Raddampfer wurden in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert, die Kulturerbe Dampfschiffe Dresden GmbH. Damit wurde rechtlich gesichert, dass die Schiffe dauerhaft als geschlossenes Ensemble und historisches Kulturgut in Dresden verbleiben, unabhängig von wirtschaftlichen Schwankungen des Betreibers.

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