Die Kleingartenanlage Menageriegärten blickt nicht nur auf 110 Jahre Geschichte zurück, sie liegt auch einem Grundstück mit einer reichen und geschichtsträchtigen Vergangenheit.
Kurfürst August
Bereits in frühen Zeiten wurden hier Obst und Gemüse angebaut, zunächst um den täglichen Bedarf des Dorfes Ostra zu decken und die königliche Familie zu versorgen. Später spielte das Gebiet eine wichtige Rolle bei der Überwindung von Hungerkrisen während der beiden Weltkriege sowie bei der Versorgung der Familien mit frischen Lebensmitteln.
Das Grundstück gehört ursprünglich zu einem sorbischen Dorf namens Oztrowe, später bekannt als Ostra, welches älter als Dresden selbst ist.
Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1206 zurück. Unter Kurfürst August, der sich dem Ziel verschrieb, das Kurfürstentum Sachsen wirtschaftlich und politisch zu stärken, wurde das Dorf 1568 aufgelöst und an seiner Stelle das Vorwerk Ostra zur besseren Versorgung des kurfürstlichen Hofes gegründet.

Dieser Ausbau sollte Ostra zu einem sogenannten Mustergut machen. Das Vorwerk wurde mit verschiedenen Gebäuden ausgestattet, von denen einige, wie der historische Kuhstall und die Scheune, noch heute als denkmalgeschützte Bauwerke erhalten sind.
Damals florierten vor allem der Hopfenanbau, ein umfangreicher Obstgarten sowie ein Geflügelhof. Die Milchwirtschaft und die Imkerei trugen bedeutend zur Lebensmittelversorgung des Hofes bei.
Auch Kurfürstin Anna war stark in die Verwaltung des Kammergutes involviert und förderte darüber hinaus die Biberzucht. Das Biberfett wurde für medizinische Zwecke verwendet, was Annas Ruf als versierte Heilkundige weiter festigte.
Kurfürst August selbst widmete sich eingehend der Landwirtschaft, insbesondere der Optimierung der Fruchtfolge auf den Feldern.

Er führte für die Ostraer Fluren eine Achtfelderwirtschaft ein, die jedoch später nicht dauerhaft umgesetzt wurde. Darüber hinaus setzte er sich für die Förderung des Obst- und Gartenbaus ein. Mit seinem Buch „Künstliches Obst- und Gartenbüchlein“ initiierte er Maßnahmen wie das verpflichtende Pflanzen von zwei Obstbäumen durch jedes frisch verheiratete Paar mit eigenem Landbesitz – in manchen Quellen ist sogar von acht Bäumen die Rede.
Nach dem Tod Kurfürst Augusts blieb das Vorwerk in seinem bisherigen Umfang bestehen und wurde weiterhin bewirtschaftet, überwiegend durch Fronarbeiter, Zwangsarbeiter und Tagelöhner.
August der Starken
Besonders in der Regentschaft von August dem Starken spielte Ostra weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Versorgung des Dresdner Hofes, auch wenn seine wirtschaftliche Rentabilität im 17. Jahrhundert allmählich abnahm.

Selbst während der schwierigen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges war die Residenz in Dresden aufgrund dieser Versorgungsquelle weitgehend gut ausgestattet, auch als andernorts Nahrungsengpässe herrschten und wenig Vieh geschlachtet werden konnte.
Während des Krieges wurde die Versorgungslage in Dresden zunehmend prekär, wodurch die Leistungen des Kammergutes für den Hof eine zentrale Bedeutung erhielten.
Doch selbst dieses Gut war am Ende der langen kriegerischen Auseinandersetzungen stark geschwächt und benötigte Jahre, um sich langsam zu erholen.
Bereits im 17. Jahrhundert befand sich auf dem Ostraer Vorwerk ein turmartiges Fasanenhaus, das von Küchengärten, Ställen und Tiergehegen umgeben war. Diese waren mit einer Vielzahl von Vögeln und exotischen Tieren wie Kamelen und Büffeln besiedelt, die zur Unterhaltung des Hofes gehalten wurden.
Im Jahr 1696 wurde mit großem finanziellem Aufwand auf der Flur von Ostra ein neuer Tiergarten sowie ein weiteres Fasanengehege errichtet. Hier wurden unter anderem 22 weiße Hirsche mit Milch gefüttert. Zusätzlich diente das Areal als Ort für Gehegejagden, welche zu den beliebten höfischen Vergnügungen gehörten.
Zum Schutz des Tiergartens und seiner Anlagen erließ der Landesherr ein öffentliches Patent, das schwere Strafen für Verstöße wie das Beschädigen von Zäunen oder Toren sowie für Wilderei oder Diebstahl androhte.
Historischen Quellen zufolge erstreckte sich das Gelände der königlichen Menagerie einst vom Kammergut bis zu einer Liegenschaft auf dem heutigen Friedrichstraßen-Areal (Nr. 52).
Daniel Pöppelmann
In den Jahren 1730 bis 1735 baute Matthäus Daniel Pöppelmann, der berühmte Hofarchitekt Augusts des Starken, dort ein Landgut für seinen Sohn Johann Adolph Pöppelmann, den Hofmaler. Pöppelmann erwarb 1732 außerdem den sogenannten „Hirschgarten“.

Nahe dem Hirschgarten und angrenzend an die Menagerie befand sich zu jener Zeit eine Bildhauerwerkstatt. Dort arbeitete der Bildhauer Ludwig Wiedemann an dem später berühmten Reiterdenkmal von Kurfürst und König August dem Starken, welches aus Kupfer geformt und vergoldet wurde—heute bekannt als der „Goldene Reiter“, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Dresdens.
Allerdings führte der Betrieb der Bildhauerwerkstatt zu Spannungen; Pöppelmann, der andere Pläne für das Grundstück hatte, sah die Werkstatt als störend an. Bereits kurz nach dem Erwerb des Hirschgartens reichte er eine Beschwerdeschrift gegen Wiedemann ein, in welcher er den Rauch und Ruß bemängelte, den der Betrieb der Werkstatt verursachte. Diese Belastung sei besonders schädlich gewesen, weil der Wind in Richtung der Wohnbereiche zog. Nach Fertigstellung des „Goldenen Reiters“ im Jahr 1733 wurde das Werk in Pöppelmanns Garten ausgestellt und vom König persönlich begutachtet. Nach der Schließung der Bildhauerwerkstatt übernahm Pöppelmann das Gebäude und wandelte es in eine Gastwirtschaft um.
Das prächtig ausgestattete Anwesen zog viele Dresdner an, die dort sowohl an Sonn- als auch an Werktagen verweilten. Die ausgezeichnete Bewirtung und die gepflegten Gartenanlagen machten den „Pöppelmann“ zu einem beliebten Ausflugsziel. Die Menagerie, ein Zentrum höfischer Tierhaltung, war durch drei Eingänge zugänglich.
Die Standorte dieser Zugänge sind noch heute durch steinerne Torpfosten markiert. Eine Schutzmauer umgab die Menagerie vollständig und diente vor allem als Brandschutz. Das ursprüngliche Pflaster dieser Anlage ist bis heute unter einer etwa 0,50 Meter dicken Erdschicht erhalten. Im historischen Areal der Menagerie gab es zahlreiche Einrichtungen im Zusammenhang mit der Tierzucht und Gartennutzung des angrenzenden Königlichen Kammergutes.

Berichten zufolge beherbergte das Gebiet unter anderem einen Vieh- und Geflügelhof, einen Taubengarten, eine Maulbeerplantage für die Seidenraupenproduktion, einen Wassergraben zur Haltung von Weinbergschnecken sowie Obst-, Gemüse- und Bienengärten. Im Jahr 1718 wurden Wachsbleichanlagen errichtet, die sich bis zur heute noch vorhandenen Mauer an den angrenzenden Parkplatz erstreckten.
Der ursprüngliche Eingang zur Menagerie befand sich am großen Tor neben dem Friedhof (ehemals Bramsch-Einfahrt). Von hier führte ein breiter Weg in Richtung Norden, der rechts durch die Friedhofsmauer und links durch eine kleinere Mauer begrenzt wurde. Am Ende dieses Weges, zwischen der Wachsbleiche und dem Friedhof, erreichte man die Menagerie.
Zu beiden Seiten des Zugangswegs standen symmetrisch angeordnete Gebäude, die als Wohnstätten für Pförtner, Gärtner und Geflügelmeister dienten. In direkter Nähe dieser Häuser lagen vier Geflügelhöfe. Östlich davon befand sich ein grasbewachsener Garten mit einem großen Taubenhaus in seiner Mitte, genau dort, wo heute der nördliche Teil des katholischen Friedhofs samt Kapelle liegt. Westlich der Geflügelhöfe war ein Gemüsegarten angelegt. Nördlich der Menagerie erstreckten sich ein breiter Wassergraben und ein Obstgarten.
Von den zweiten und dritten Eingängen an der Brockenstraße (heute Friedrichstraße) konnte man zur Wachsbleiche und zur Imkerei gelangen. Beide Einrichtungen spielten eine bedeutende Rolle in der Kerzenproduktion für das Schloss.
In der Wachsbleiche selbst war eine Kerzenmanufaktur untergebracht. Die Menagerie wurde zusätzlich durch eine Weinbergschneckenzucht und ein Wasserbecken für Schildkröten erweitert, deren Fleisch möglicherweise bei königlichen Banketten serviert wurde.
Nördlich erstreckte sich das Ostragehege, ein Freigelände, das regelmäßig von Hochwasser überflutet wurde. Zwischen 1770 und 1781 entstanden dort zwei eingeschossige Häuser mit straßenseitigen Giebeln, die ursprünglich Wohnplätze für die Wachsbleicher und Imker sowie später für die Gärtner der Menagerie waren. Heute stehen diese Gebäude unter Denkmalschutz und befinden sich in privater Hand.
Bis zum 6. Juni 1815 war Dresden von preußischen Truppen besetzt, wodurch die Bevölkerung erheblich unter den Kriegsfolgen litt. Der mit Napoleon verbündete König Friedrich August war nach der Schlacht bei Leipzig von den Preußen gefangen genommen worden. Erst nach dem Frieden von Pressburg durfte er nach Dresden zurückkehren, nachdem er einen Teil seiner Erblande an Preußen abgetreten hatte. Am 7. Juni 1815 zog Friedrich August unter großer Prachtentfaltung wieder in Dresden ein. Der Abzug der preußischen Truppen sowie die Rückkehr des Königs leiteten einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Stadt ein. Interessanterweise wählte Napoleon während eines Waffenstillstands die gegenüberliegende Seite im Marcolini-Palais (heute Krankenhaus Friedrichstadt) als sein Hauptquartier (10. Juni bis 25. Juli und 4. bis 15. August 1813).

Der Überlieferung nach spazierte er hungrig zum Ostra-Vorwerk, um dort zu speisen, und soll anschließend einen Spaziergang in der Menagerie unternommen haben. Zwischen 1837 und 1843 wurde der katholische Friedhof erweitert, wodurch Teile der Menagerie weichen mussten.
Johann Ludwig Bramsch
Im Jahr 1844 kaufte Johann Ludwig Bramsch einen großen Abschnitt des Hirschgartens, um dort für seine Presshefe- und Konspritusfabrik ein Getreidelagerhaus zu errichten. Eine erhebliche Katastrophe ereignete sich 1845: Ein außergewöhnliches Hochwasser der Elbe setzte das Gelände der Menagerie unter Wasser, wobei die Fluten bis zu einem Meter Höhe erreichten.
Im Jahr 1849 wurden in Dresden die Rufe nach der Einführung der Frankfurter Reichsverfassung im Königreich Sachsen zunehmend lauter. Allerdings waren weder der sächsische König noch der preußische Monarch bereit, diese Forderung umzusetzen. In dieser angespannten politischen Phase fanden in aller Heimlichkeit geheime Treffen in den Menageriegärten statt.
Die Menagerie bot für solche Zusammenkünfte einen idealen Rückzugsort, da sie außerhalb der inneren Stadt lag, von hohen Mauern umgeben war und über Zugänge von vier Seiten verfügte.
Öffentlich war jedoch nichts von diesen Geheimtreffen bekannt. Gegenüber der Menagerie, im ehemaligen Marcolini Palais, lebte damals seit etwa zwei Jahren der königliche Kapellmeister Richard Wagner, bekannt für Werke wie *Die Walküre*, *Ring der Nibelungen*, *Tannhäuser* und *Der fliegende Holländer*. Wagner war in die Friedrichstadt gezogen, da seine finanziellen Verhältnisse ihn gezwungen hatten, eine bescheidenere Wohnung zu nehmen, die er im stark heruntergekommenen Marcolini Palais fand.
Wagner, Röckel und Bakunin
In diesem Viertel schloss Wagner Bekanntschaft mit seinem Kollegen August Röckel, der ebenfalls in der Friedrichstadt wohnte. Beide nahmen an den geheimen Zusammenkünften in der Menagerie teil, die unter der Leitung des russischen Revolutionärs Michail Bakunin abgehalten wurden.



Begeistert unterstützte Wagner die revolutionäre Bewegung, von der er sich sowohl für Deutschland als auch für seine künstlerische Vision umfassende Veränderungen erhoffte. Die Situation eskalierte, als das sächsische Ministerium eine Demonstration zur Unterstützung der Bürgerwehr und der Reichsverfassung untersagte.
In Dresden brachen daraufhin bewaffnete Aufstände aus; große Barrikaden wurden errichtet, und König Friedrich August II. samt seiner Familie flüchtete nach Königstein.
Schließlich trafen sächsische und preußische Truppen ein und zerschlugen den Aufstand. Bakunin, Röckel und viele andere wurden verhaftet, während Wagner die Flucht gelang. 1877 kam es zu Grundstücksverhandlungen zwischen der königlichen Menagerie und der benachbarten Spirituosenfabrik.
Gegen anfängliche Widerstände wurde ein Areal von 3.905 Quadratmetern an Johann Ludwig Bramsch verkauft, enthalten waren unter anderem eine breite Zufahrtsstraße sowie Flächen entlang der Mauer des katholischen Friedhofs.
Die westliche Begrenzung des Betriebsgeländes bildete nun die Mauer der sogenannten Wachsbleiche, die für rund 70 Jahre erhalten blieb.
Das alte Gartenhaus gegenüber dem Pförtnerhäuschen blieb bestehen und wurde teilweise für gärtnerische Zwecke verpachtet. Etwa um das Jahr 1902 wurde das Hauptportal der ehemaligen königlichen Menagerie mit seinem reich verzierten Vasendekor und den kleineren Nebeneingängen für Fußgänger zum Haupttor der Spirituosenfabrik umfunktioniert.
Zwei Jahre später, 1904, entstand ein neues Büro- und Wohngebäude an der Stelle des alten Pförtnerhäuschens, welches den Arbeiterinnen und Arbeitern der Fabrik als Unterkunft diente.
Die Nutzung des Geländes wandelte sich im Laufe des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts: Immer größere Teile des Vorwerkes wurden erschlossen und anders genutzt. Während des Ersten Weltkriegs war die Not groß, insbesondere bei der Versorgung mit Lebensmitteln.
Quellen: schwarz weiß Bilder und Informationen „Chronik der Menageriegärten“
