Dresden hat viele Veranstaltungen, bei denen Besucherinnen und Besucher am Ende wissen, welcher Wein gut war, welche Band laut spielte und welcher Foodtruck zu teuer war. Beim Dear-Future-Festival geht es um etwas Unbequemeres, nämlich um die Frage, wie fair diese Welt eigentlich ist, wer dafür bezahlt und warum Nachhaltigkeit nicht beim Bambusbecher endet.

Vom 4. bis 6. Juni 2026 lädt das Dear Future – Dresdner Nachhaltigkeitsfestival zur Konferenz in die Alte Gärtnerei in Dresden-Pieschen ein. Das ist nicht 01067, aber nah genug, um sich nicht mit der Ausrede „anderer Stadtteil“ davonzuschleichen.
Das Jahresthema lautet „Connected – Für ein faires, globales Miteinander“. Es geht um globale Gerechtigkeit, Klimagerechtigkeit, Dekolonialisierung und gesellschaftliche Verantwortung. Also um all das, was schnell riesengroß klingt, bis der Zusammenhang mit unserem Alltag sichtbar wird: Konsum, Energie, Ressourcen, Stadtentwicklung, Essen, Reisen und die Frage, wer eigentlich die Folgen unseres Wohlstands trägt.
Mehr als grüne Wohlfühlfolie
Das Dear Future Festival tritt in die Fußstapfen des früheren Umundu-Festivals und beschäftigt sich seit 2021 mit Nachhaltigkeit in Dresden und Umgebung. Das Festival will informieren, zum Nachdenken anregen, lokale Akteurinnen und Akteure vernetzen und Menschen ins Handeln bringen.
Nachhaltigkeit wird gern hübsch gemacht. Stoffbeutel, regionale Limo, ein paar freundliche Schlagworte. Beim Dear-Future-Festival wird es politischer. Dekolonialisierung bedeutet hier nicht nur ein historisches Thema aus dem Lehrbuch, sondern die Frage, welche Machtverhältnisse bis heute in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Umwelt fortwirken. Wer Rohstoffe nutzt, wer daran verdient, wer die Schäden trägt und wessen Wissen überhaupt gehört wird.
Das ist kein leichter Stoff für nebenbei. Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Wer immer nur Veranstaltungen besucht, bei denen niemand etwas dazulernen muss, geht am Ende sehr entspannt und ziemlich unverändert nach Hause.

Poetry Slam, Banda Comunale und Fachtag
Der Auftakt am Donnerstag, 4. Juni, beginnt am Abend in der Alten Gärtnerei. Auf dem Programm stehen unter anderem ein Poetry Slam und ein Konzert der Banda Comunale. Das ist ein guter Einstieg für alle, die sich dem Thema nicht sofort mit Notizblock und ernster Stirn nähern wollen.
Am Freitag, 5. Juni, folgt der Fachtag. Er bietet einen vertiefenden Einstieg in Nachhaltigkeit und Dekolonialisierung, mit Keynote, Workshops, Gesprächsformaten, Ausstellung, Gartenführung und einem Theaterworkshop in Kooperation mit dem Staatsschauspiel Dresden. Dieser Tag kann auch als Weiterbildung genutzt werden, eine Anmeldung wird erbeten.
Am Samstag, 6. Juni, geht es mit Workshops weiter, unter anderem mit Bildungsformaten und einem Theaterworkshop. Das Festival richtet sich nicht nur an Fachleute, sondern ausdrücklich an interessierte Menschen. Niemand braucht also ein laminiertes Nachhaltigkeitszertifikat, bevor er oder sie hingeht.
Warum lohnt sich der Besuch? Weil Dresden solche Orte braucht. Orte, an denen nicht nur die Frage steht, wie die Stadt schöner, grüner oder touristisch attraktiver wird, sondern auch gerechter. Orte, an denen globale Fragen nicht in der Ferne bleiben, sondern vor der eigenen Haustür stehen.
Und weil Zukunft nicht entsteht, während alle darauf warten, dass andere sie schon irgendwie organisieren.
Das Dear Future Festival findet vom 4. bis 6. Juni 2026 in der Alten Gärtnerei Dresden, gegenüber Heidestraße 21, 01127 Dresden, statt. Die Festivalwochen folgen vom 14. bis 26. September 2026 im Stadt- und Umlandgebiet Dresden.
