Japanischer Bilderschatz im Dresdner Residenzschloss

Mehr als 10.000 japanische Kunstwerke lagern im Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Viele davon waren bisher kaum öffentlich zu sehen. Nun öffnet das Museum diesen Schatz und zeigt ab dem 26. Juni 2026 im Residenzschloss die Ausstellung „Japan auf Papier in Dresden“.

Japan-Ausstellung im Residenzschloss zeigt Hokusai und Hiroshige
Japan-Ausstellung im Residenzschloss zeigt Hokusai und Hiroshige

Im Mittelpunkt stehen japanische Farbholzschnitte von berühmten Künstlern wie Katsushika Hokusai, Kitagawa Utamaro und Utagawa Hiroshige. Insgesamt präsentiert das Kupferstich-Kabinett rund 160 Exponate aus einem Bestand, der vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht.

Die Dresdner Sammlung gehört nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen zu den ältesten und umfangreichsten ihrer Art in Europa. Trotzdem ist sie selbst vielen Menschen in der Stadt bisher kaum bekannt.

Hokusai ist mehr als die große Welle

Hokusais berühmte Darstellung einer riesigen Welle vor der japanischen Küste gehört heute zu den bekanntesten Bildern der Kunstgeschichte. Die Dresdner Ausstellung zeigt allerdings, dass japanische Druckgrafik weit mehr umfasst als dieses eine Motiv.

Ansicht der Ausstellung „Glimpse and Resonance: Oriental Lifestyles in 19th-Century Ningbo Export Paintings“

Die ausgestellten Arbeiten erzählen von Alltag und Mythologie, von Natur, Theater, Schönheit, Humor und Geistergeschichten. Utamaro widmete sich vor allem fein gezeichneten Frauendarstellungen. Hokusai beobachtete Menschen, Landschaften und alltägliche Situationen mit großer Genauigkeit. Hiroshige wurde durch seine ungewöhnlichen Landschaftskompositionen und Perspektiven bekannt.

Auch Werke von Suzuki Harunobu und weitere bislang kaum gezeigte Blätter gehören zur Ausstellung.

Wie japanische Holzschnitte entstanden

Zu Beginn der Schau erklärt das Museum, wie ein japanischer Farbholzschnitt hergestellt wurde. Anders als bei einer Zeichnung oder einem Gemälde war daran nicht nur ein Künstler beteiligt.

Der Künstler entwarf das Motiv, ein Schnitzer übertrug die Zeichnung auf Holzplatten, ein Drucker brachte die Farben auf das Papier und ein Verleger kümmerte sich um Produktion und Verkauf. Für jede Farbe konnte eine eigene Druckplatte nötig sein.

Die Ausstellung „Japan auf Papier“ zeigt ab 26. Juni 2026 Hokusai, Utamaro und Hiroshige im Dresdner Residenzschloss.

Die Holzschnitte waren nicht ausschließlich teure Sammlerstücke. Viele Motive wurden in größeren Auflagen hergestellt und waren für ein breiteres Publikum erschwinglich. Sie gehörten damit zur Unterhaltungskultur der Städte und erfüllten teilweise eine ähnliche Funktion wie später Zeitschriften, Theaterplakate oder Sammelbilder.

Schauspieler, Geister und schöne Frauen

Die Ausstellung ist in mehrere Themenbereiche gegliedert. Ein Kapitel widmet sich den Darstellungen schöner Frauen. Ein weiteres zeigt Schauspieler und Szenen aus dem japanischen Kabuki-Theater.

Hinzu kommen Illustrationen zu historischen Romanen, Heldensagen und Geistergeschichten. Auch religiöse Legenden und Landschaftsdarstellungen spielen eine wichtige Rolle.

Gerade für Menschen, die sich heute für Manga, Anime oder japanisches Design interessieren, kann der Blick auf die historischen Drucke spannend sein. Manche Bildausschnitte, Bewegungen und Gesichtsausdrücke wirken überraschend modern.

Eine direkte Entwicklung vom historischen Holzschnitt zum modernen Manga lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Die Ausstellung macht vielmehr sichtbar, wie lange bestimmte grafische Traditionen in Japan bereits bestehen und wie stark sie sich über Jahrhunderte verändert haben.

Dresden sammelt seit fast 300 Jahren japanische Kunst

Das Kupferstich-Kabinett sammelt nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen seit fast 300 Jahren japanische Kunst auf Papier. In den vergangenen Jahren wurde der Bestand gemeinsam mit Fachleuten aus Japan und der Schweiz untersucht, restauriert und digitalisiert.

An der wissenschaftlichen Bearbeitung war unter anderem Hans Bjarne Thomsen von der Universität Zürich beteiligt. Er gehört zu den international bekannten Experten für japanische Kunst und ist Co-Kurator der Ausstellung.

Für die empfindlichen Papierarbeiten spielten auch Restauratorinnen und Restauratoren eine zentrale Rolle. Japanische Drucke reagieren besonders empfindlich auf Licht, Luftfeuchtigkeit und falsche Lagerung.

Japanische Kunst veränderte die europäische Moderne

Der zweite Teil der Ausstellung richtet den Blick nach Europa. Japanische Farbholzschnitte beeinflussten im 19. und frühen 20. Jahrhundert zahlreiche Künstlerinnen und Künstler.

In Dresden werden die japanischen Arbeiten deshalb Werken von James McNeill Whistler, Henri de Toulouse-Lautrec, Edvard Munch, Emil Orlik und Mary Cassatt gegenübergestellt.

Sie ließen sich von ungewöhnlichen Perspektiven, angeschnittenen Motiven, reduzierten Formen und großen Farbflächen inspirieren. Diese Einflüsse prägten Druckgrafik, Malerei und Design der europäischen Moderne.

Auch für die Kunst- und Designausbildung in Dresden waren japanische Arbeiten um 1900 von Bedeutung. Die Sammlung diente damit nicht nur der Bewahrung von Kunst, sondern wurde selbst zum Ideengeber.

Japanische Atmosphäre im Residenzschloss

Die Gestaltung der Ausstellung stammt von der Künstlerin Ines Beyer. Sie greift Elemente japanischer Architektur und Theaterkultur auf.

Traditionelle Theatervorhänge, in Pfosten eingelassene Bilder und der Eindruck einer offenen Terrasse sollen Besucherinnen und Besucher in die Bildwelt der Farbholzschnitte hineinführen.

Dabei geht es nicht um eine möglichst realistische Nachbildung japanischer Räume. Die Gestaltung soll vielmehr eine ruhige Umgebung schaffen, in der die oftmals kleinen und detailreichen Arbeiten betrachtet werden können.

Tanabata und Obon im Residenzschloss

Zur Ausstellung gehört ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Workshops, Fachvorträgen und Gesprächen mit den Kuratoren.

Im Studiensaal können weitere Originale aus der Japan-Sammlung gezeigt werden. Außerdem sollen Besucherinnen und Besucher jeweils am Donnerstagvormittag japanische Spiele kennenlernen können.

Zwei größere Veranstaltungen sind ebenfalls geplant. Am 4. Juli 2026 wird im Residenzschloss das japanische Sternenfest Tanabata gefeiert. Am 15. August folgt das Obon-Fest, das dem Gedenken an die Ahnen gewidmet ist und von Tanz und Musik begleitet werden soll.

Tanabata, das Fest der Wünsche und der getrennten Liebenden

Am 4. Juli 2026 wird im Dresdner Residenzschloss das japanische Sternenfest Tanabata gefeiert. Seinen Ursprung hat das Fest in einer alten Legende über die Weberin Orihime und den Hirten Hikoboshi, die mit den Sternen Wega und Altair verbunden werden. Weil die beiden Liebenden durch die Milchstraße voneinander getrennt sind, dürfen sie sich der Überlieferung zufolge nur einmal im Jahr begegnen.

Tanabata wird in vielen Teilen Japans am 7. Juli gefeiert, regional kann der Termin jedoch auch im August liegen. Zu den bekanntesten Bräuchen gehört es, persönliche Wünsche auf schmale, farbige Papierstreifen zu schreiben. Diese sogenannten Tanzaku werden anschließend gemeinsam mit Papierdekorationen an Bambuszweige gehängt. Die Wünsche können sich auf Liebe, Gesundheit, schulischen Erfolg, berufliche Ziele oder persönliche Hoffnungen beziehen.

Das Fest passt besonders gut zur Ausstellung „Japan auf Papier“, denn Papier ist nicht nur das Material der ausgestellten Farbholzschnitte. Auch beim Tanabata-Fest spielt es eine zentrale Rolle. Die farbigen Wunschzettel und kunstvollen Dekorationen verwandeln Bambuszweige in weithin sichtbare Zeichen der Hoffnung.

Obon erinnert an die verstorbenen Familienmitglieder

Ein völlig anderer Gedanke steht hinter dem Obon-Fest, das am 15. August 2026 im Dresdner Residenzschloss begangen wird. Obon gehört zu den bedeutendsten traditionellen Festzeiten Japans und ist vom buddhistischen Gedenken an die Vorfahren geprägt.

Nach traditioneller Vorstellung kehren die Seelen verstorbener Familienmitglieder während der Obon-Zeit vorübergehend zu ihren Angehörigen zurück. Viele Menschen reisen deshalb in ihre Heimatorte, besuchen Familiengräber, reinigen diese und stellen Speisen oder Blumen als Gaben bereit. In zahlreichen Regionen werden außerdem Laternen entzündet. Sie sollen den Seelen symbolisch den Weg weisen.

Zum Obon gehören auch gemeinschaftliche Tänze, die als Bon Odori bezeichnet werden. Menschen tanzen dabei häufig in einem Kreis zu traditioneller Musik. Was ursprünglich eng mit dem religiösen Gedenken verbunden war, entwickelte sich vielerorts zugleich zu einem offenen Sommerfest, bei dem Nachbarschaften und Familien zusammenkommen.

Die Termine und Bräuche unterscheiden sich innerhalb Japans. In einigen Regionen wird Obon im Juli gefeiert, in vielen anderen liegt die wichtigste Festzeit zwischen dem 13. und 16. August. Das Dresdner Fest am 15. August fällt damit in den in Japan weitverbreiteten Zeitraum.

Tanabata und Obon zeigen zwei unterschiedliche Seiten japanischer Festkultur. Während Tanabata von Liebe, Wünschen und Hoffnung erzählt, verbindet Obon das Erinnern an Verstorbene mit Familie, Tanz und gemeinschaftlichem Feiern.

Katalog erscheint erst Ende Juli

Der Ausstellungskatalog soll Ende Juli 2026 im Hirmer Verlag erscheinen. Das Buch umfasst nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen 320 Seiten.

Im Museum soll der Katalog 29,90 Euro kosten, im Buchhandel liegt der angekündigte Preis bei 40 Euro.

Öffnungszeiten und Eintritt

Die Ausstellung „Japan auf Papier in Dresden. Utamaro, Hokusai, Hiroshige und die Grafik der Moderne“ läuft vom 26. Juni bis zum 20. September 2026 im Kupferstich-Kabinett des Dresdner Residenzschlosses.

Geöffnet ist täglich von 10 bis 17 Uhr. Dienstags bleibt das Museum geschlossen.

Für den Besuch gilt das Hausticket des Residenzschlosses. In der Pressemitteilung werden 18 Euro für den regulären Eintritt und 13,50 Euro für den ermäßigten Eintritt genannt. Schülerinnen und Schüler bis zum Alter von 20 Jahren zahlen demnach 2 Euro. Kinder bis zum Schuleintritt erhalten freien Eintritt.

Da sich Eintrittspreise und Ticketmodelle ändern können, sollten Besucherinnen und Besucher die aktuellen Angaben vor dem Museumsbesuch noch einmal direkt bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden prüfen.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Botschaft von Japan.

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