Ein beißender Geruch von Kohlerauch, das Klappern von Eisenbahnbrücken und das Dröhnen der Druckmaschinen: Die Wilsdruffer Vorstadt war einst der Maschinenraum Dresdens. Bei der Führung mit Jürgen Naumann spüren wir den Pioniereffekt dieses Viertels hautnah auf dem Pflaster.

Industriekultur in der Wilsdruffer Vorstadt
Wer heute am Postplatz gemütlich seinen Kaffee genießt, ahnt kaum, dass wenige Schritte weiter einst das industrielle Herz der Stadt schlug. Als das 19. Jahrhundert in die Zielgerade bog, roch es zwischen Elbe und Freiberger Straße nach Druckpapier, zischendem Dampf, Schokolade und öligem Schmierfett. Wer über das Pflaster schlendert, hört kaum noch das Rumpeln der Güterwagen, die einst über die massiven Eisenbahnviadukte rollten. Doch die Spuren der Pioniere stecken tief im Viertel.
Lokalhistoriker Jürgen Naumann legt diese verborgenen Geschichten frei. Warum wirkt der mächtige Erlweinspeicher trotz seiner gigantischen Betonmasse so erstaunlich elegant an der Elbe? Welches technische Geschick brauchte es, um die Schienenstränge mitten durch das dicht besiedelte Quartier zu legen?

Die Wilsdruffer Vorstadt war stets das Arbeits- und Umsteigeviertel direkt vor den Toren der Altstadt. Der Rundgang lenkt den Blick auf interessante Details. Wo früher Speicher, Werkstätten und Gütergleise das Bild prägten, wachsen heute glatte Bürokomplexe, Hotels und hochpreisige Appartements aus dem Boden. Naumann serviert Geschichte nicht als staubige Chronik, sondern verwebt Fakten mit jener Prise Humor, die den Alltag der damaligen Arbeiterinnen und Arbeiter wieder greifbar macht. Der historische Spaziergang ist deshalb mehr als nur ein Blick zurück: Er schärft den Blick dafür, was von der Identität unseres Viertels übrig bleibt, wenn historische Industriebauten zu Luxusobjekten umgebaut werden.
Lass uns gemeinsam auf Spurensuche gehen
Veranstaltung: Stadtteilführung „Von Eisenbahnbrücken, Speichern und (Presse-)Hochhäusern – Industriekultur in der Wilsdruffer Vorstadt“ (VHS-Kurs 26H1446)
Referent: Jürgen Naumann
Termin: Sonntag, 11. Oktober 2026, 14:00 – 16:15 Uhr
Treffpunkt: „Käseglocke“ am Postplatz, 01067 Dresden
Teilnahmegebühr: Gebührenfrei (Anmeldung über die Volkshochschule Dresden empfohlen)
Direktlink zur Anmeldung: VHS Dresden – Kurs 26H1446
