Sonderausstellung: Auf Ex!

Wenn draußen die Sonne brennt, zeigt das Grüne Gewölbe, wie der Dresdner Hof seinen Durst löschte. Zimperlich ging es dabei nicht zu.

Die Sonderausstellung „Auf Ex! Willkommpokale im Grünen Gewölbe“ läuft bereits seit dem 16. Juli 2026 im Dresdner Residenzschloss. Sie zeigt 23 außergewöhnliche Trinkgefäße aus der Renaissance und dem Barock.

17 Stücke stammen aus dem Bestand des Grünen Gewölbes. Weitere Museen und Sammlungen ergänzen die Auswahl mit Gefäßen aus Glas, Porzellan, Stein und Silber.

Stell dir vor, du lernst deine Schwiegereltern neu kennen und sie reichen dir diesen Pokal als Willkommen.

Erst trinken, dann willkommen sein

Am Dresdner Hof begrüßte man wichtige Gäste nicht einfach mit einem freundlichen Händedruck. Man reichte ihnen einen Willkommpokal. Den mussten sie vollständig leeren.

Das allein dürfte bereits eine Herausforderung gewesen sein. Die Goldschmiede machten die Sache jedoch absichtlich komplizierter.

Sie formten die Gefäße wie Schiffe, Fässer, Windmühlen oder Tiere. Pferde, Bären und Hirsche verbargen den Wein in ihren silbernen Körpern. Wer den richtigen Griff nicht kannte, verschüttete den Inhalt oder bekam das Gefäß nicht leer.

Dann schenkte der Gastgeber einfach noch einmal nach. Gastfreundschaft konnte am Dresdner Hof ziemlich anstrengend werden.

Trinkpokal in Form von Residenzschloss Dresden
Der Name Haustrunk bekommt gleich eine neue Bedeutung.

Aus einem Hirsch trank man nicht überall

Viele Pokale passten zu dem Ort, an dem die Gäste sie benutzten. In Jagdschlössern trank man aus Gefäßen in Hirschgestalt. Im kurfürstlichen Weingut Hoflößnitz kam ein Winzerpaar zum Einsatz.

Zu den eindrucksvollsten Stücken gehört der 65,5 Zentimeter hohe Schlösschenpokal des Dresdner Goldschmieds Georg Mond. Er zeigt das Lusthaus auf der Festung Sonnenstein in Pirna.

Das Gebäude wurde bereits im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Der Pokal bewahrt heute die einzige bekannte Darstellung seines damaligen Aussehens. Manchmal überlebt Architektur eben nicht aus Stein, sondern als Trinkgefäß.

Trinken aus einem Willkommpokal. Residenzschloss Dresden
Und wehe du kleckerst bei Trinken!

Eine Jungfrau für das Hochzeitspaar

Besonders raffiniert funktioniert der Jungfrauenbecher. Die Goldschmiede gestalteten ihn als festlich gekleidete Frau.

Ihr glockenförmiger Rock bildete den großen Becher. In den erhobenen Händen hielt die Figur einen zweiten, beweglichen Becher. Bei Hochzeiten mussten Braut und Bräutigam beide Gefäße austrinken, ohne den Wein zu verschütten.

Ein Film in der Ausstellung zeigt, wie das funktionierte. Wer das nach dem Museumsbesuch zu Hause ausprobieren möchte, sollte vorher zumindest die gute Tischdecke wegräumen.

Ich frage mich, wie wohl so ein Willkommpokal für die Friedrichstadt heute aussehen würde?

Trinksprüche aus der Zeit Augusts des Starken

Die Ausstellung zeigt nicht nur kostbare Gefäße. An einer Medienstation kannst du in historischen Trinkbüchern blättern.

Darin hinterließen die Gäste ihre Namen und teilweise ziemlich launige Sprüche. Die Staatlichen Kunstsammlungen ließen die Bücher vor der Ausstellung vollständig digitalisieren und übertragen.

Eines dieser Bücher liegt erstmals neben dem dazugehörigen monumentalen Glaspokal. Ein weiteres dokumentiert vier Gelage, die nach Jagden in der Dresdner Umgebung in den Jahren 1710, 1714, 1715 und 1728 stattfanden.

Für wen lohnt sich die Ausstellung?

„Auf Ex!“ passt zu dir, wenn du dich für Dresdner Geschichte interessierst, aber keine Lust auf eine lange Reihe ähnlicher Vitrinenstücke hast. Jedes Gefäß erzählt eine eigene Story über Macht, Geschicklichkeit und höfische Selbstdarstellung.

Auch Menschen mit einer Schwäche für skurrile Objekte, altes Handwerk oder historische Trinkgewohnheiten dürften hier auf ihre Kosten kommen.

Die Ausstellung lässt sich außerdem gut mit einem Besuch im Neuen Grünen Gewölbe verbinden. Sie läuft noch bis zum 3. Januar 2027. Du musst dich also nicht durch den heißesten Nachmittag des Jahres zum Residenzschloss beeilen. Ein sommerlicher Museumsbesuch bietet sich trotzdem an, die Räume sind klimatisiert.

Erst Führung, dann Wein

An drei Terminen verbinden die Staatlichen Kunstsammlungen die Ausstellung mit einer Weinprobe auf dem Weingut Hoflößnitz in Radebeul.

Die Kombiführungen finden am 8. August sowie am 19. und 20. September 2026 statt. Nach dem Rundgang erfahren die Gäste in der Hoflößnitz mehr über die Geschichte des sächsischen Weinbaus und probieren Wein.

Du kannst die Kombiführung per E-Mail an besucherservice@skd.museum oder telefonisch unter 0351 4914 2000 buchen.

Das musst du wissen

Ausstellung: Auf Ex! Willkommpokale im Grünen Gewölbe
Ort: Sponsel Raum im Neuen Grünen Gewölbe, Residenzschloss Dresden
Laufzeit: 16. Juli 2026 bis 3. Januar 2027
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 17 Uhr, dienstags geschlossen, freitags bis 19 Uhr
Eintritt: 18 Euro, ermäßigt 13,50 Euro
Schülerinnen und Schüler unter 20 Jahren: 2 Euro
Kinder bis zum Schuleintritt: frei
Gruppen ab zehn Personen: 16 Euro pro Person

Ein 48 Seiten starkes Begleitheft liegt kostenlos in der Ausstellung aus.

Lasst euch benachrichtigen oder benachrichtigt andere!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie Consent mit Real Cookie Banner