Das „Kühlhaus“ an der Weißeritzstraße in Dresden-Friedrichstadt existiert nicht mehr; es wurde 2005 abgerissen.
Nachdem die Weißeritz 1893 nach Cotta verlegt worden war, wurde im alten Flussbett Bauland frei, auf dem unter anderem die Großmarkthalle, die Zigarettenfabrik Yenidze, der Wettiner Bahnhof (heute Bahnhof Mitte) und das Kühlhaus entstanden.

Das Gebäude wurde 1908 bis 1911 an der Einmündung von Weißeritzstraße und Magdeburger Straße (bzw. Maxstraße) für die Dresdner Kristalleisfabrik und Kühlhalle errichtet, hinter der die Linde AG stand. Es diente vor allem der Lagerung von Lebensmitteln, in der Vorkriegszeit wurde dort auch Stangeneis hergestellt und gelagert. Man hatte bis dahin nur Natureis genutzt und erwartete weiteres Bevölkerungswachstum.


Die einzelnen Gebäudeteile entstanden zu unterschiedlichen Zeiten: Das Gebäude mit dem späteren Wandrelief und das nördlich angrenzende Verwaltungsgebäude (das schon früher abgerissen wurde) gehörten zu den ältesten Teilen, während der südliche Komplex an der Friedrichstraße vermutlich in den späten 1920er oder frühen 1930er Jahren entstand. Die Erweiterung mit Eisfabrik und Kühlhaus wurde 1928 bis 1932 (nach anderer Angabe 1929/30) von Lossow & Söhne bzw. nach einem Entwurf von Hans Max Kühne vom Architekturbüro Lossow & Kühne gebaut.

Bei den Bombenangriffen auf Dresden 1945 brannten die Gebäude aus bzw. wurden teilweise zerstört; sie wurden bis 1951 beziehungsweise 1954 wiederaufgebaut. Daran erinnerte ein monumentales Relief mit dem Logo des Fünfjahrplans der DDR, das von der Errichtung „im ersten Jahr des Fünfjahrplans“ (1951) kündete. Die Architektur des Gebäudes mit dem Relief entsprach der für den Wiederaufbau typischen Auffassung der „nationalen Tradition“ mit repräsentativer, schmuckreicher Gestaltung, die sich vor allem beim Klassizismus bediente. Obwohl es ein reiner Zweckbau war, wurde die fensterlose Fassade durch teils gequaderte Lisenen, eine vorkragende Dachplatte mit angedeutetem Kranzgesims und das Relief stark symmetrisch gegliedert; die über zwei Etagen reichende Rundbogengestaltung des Sockels nahm dem achtstöckigen Gebäude einen Teil seiner Wuchtigkeit. Der südliche, über die gesamte Grundstücksbreite reichende Baukörper hatte seine ursprüngliche Fassade wohl weitgehend bewahrt, mit paarweise angeordneten, an der Ecke unterbrochenen Simsen und einem attikaähnlichen, geometrischen oberen Abschluss, der expressionistisch-kubistischen Strömungen der späten 1920er Jahre entsprochen haben könnte. Der schmucklose Verbindungsbau dazwischen wurde vermutlich später angebaut oder zumindest aufgestockt, wie Beschriftungen an älteren Bauteilen in den Innenräumen zeigten. Alle Gebäude waren in Stahlbetonskelettbauweise mit Ziegelausmauerung ausgeführt.

Zuletzt nutzte der VEB Kühlbetrieb Dresden die Anlage. Der Kühlbetrieb wurde jedoch bereits 1978 wegen des schlechten Bauzustands und verschlissener Technik eingestellt, da, wie typisch für die spätere DDR, Mittel und Kapazitäten zur Modernisierung fehlten, obwohl man die Lagerkapazitäten durchaus brauchte. Ende der 1980er Jahre begannen Planungen zur Rekonstruktion mit dem Fertigstellungstermin 30. Juni 1989, die sich aber nur auf das Haus A/B (das Gebäude mit dem Relief) mit rund 6.900 Quadratmetern Gefrierlagervolumen bezogen, da der Aufwand für die anderen Trakte, insbesondere die Bauleistungen, die Möglichkeiten weit überstieg. Aus Kostengründen wurde das Projekt weder termingerecht noch vor dem Ende der DDR abgeschlossen, obwohl bereits neue Kältemaschinen installiert waren. Ob der Betrieb vor der Abwicklung des VEB Kühlbetrieb Dresden wieder aufgenommen wurde, ist unbekannt. Nach der Wende konnte das Kühlhaus laut dem Bericht eines Zeitzeugen, eines Kältetechnikers, nicht gehalten werden; 1993 wurde es von der Treuhand privatisiert und in der Folge ruiniert.

Der Abriss begann im Sommer 2005, als in den Kühlräumen bereits Installationen, Türen und Isoliermaterial größtenteils fehlten und Teile der Dachkonstruktion, die oberen Aufbauten des Südgebäudes sowie Teile des zweigeschossigen Bürogebäudes im Hof entfernt waren. Nach einigen Monaten Pause wurden die Gebäude im Oktober/November 2005 vollständig abgebrochen .
Das denkmalgeschützte Fassadenrelief (5 Jahrplan), das eigentlich erhalten werden sollte, wurde beschädigt und eingelagert. Zu sehen war das Gebäude zuvor vom Bahnsteig Dresden-Mitte an der Bahnstrecke zwischen Hauptbahnhof und Neustadt.
Auf dem Gelände wurde jedoch ein Parkhaus errichtet, das 2006 gebaut wurde, also direkt nach dem Abriss.
Bilder aus der Zeit des Abrisses findet ihr hier.
