Wie Max Rehwald Bewegung und Gemeinschaft verbindet
Der Winter war lang, zu lang. Irgendwann im Februar kam der Moment der Ehrlichkeit. Die Sommerkleider im Schrank passten nicht mehr so selbstverständlich wie im letzten Jahr. Also musste etwas passieren. Ich meldete mich beim Fitcamp im Sportpark Ostra an.

Der erste Abend
Dienstagabend, 17.30 Uhr, im Sportpark Ostra. Zwischen Calisthenics-Anlage, Fußballplätzen und offenen Wiesen trifft sich eine kleine Sportgruppe unter freiem Himmel. Hier leitet Max Rehwald sein Fitcamp. Ein Sportangebot, das Bewegung, frische Luft und Gemeinschaft zusammenbringt.
Schon beim Ankommen wird mir klar: Hier ist ganz schön viel los. Menschen laufen, trainieren, spielen Fußball, Kinder sind unterwegs. Der Ostrapark wirkt wie ein eigener kleiner Kosmos in der Friedrichstadt.
Die kleine Gruppe schaut sich noch etwas verhalten an, doch einige kennen sich schon, und Max, der Trainer, freut sich, wieder bekannte Gesichter dabei zu haben.
Der Wind streift kühl über die Wiese, doch das ändert sich schnell. Kaum beginnt das Training, wird es mir warm.
Vom Fußballplatz ins Fitcamp
Max Rehwald (27 Jahre) ist kein klassischer Quereinsteiger. Sport begleitet ihn seit seiner Kindheit, lange Zeit auch im Leistungsbereich. „Ich habe mein Leben lang Fußball gespielt“, erzählt er. Eine Knieverletzung zwang ihn jedoch zum Umdenken. Statt aufzuhören, nutzte er die Pause, um sich weiterzubilden und Trainerlizenzen zu erwerben. Der Weg zum Fitcamp entstand eher zufällig, wie er selbst sagt, über eine Anzeige, auf die er aufmerksam wurde.

Heute ist Max hauptberuflich im Sport tätig und betreut alle Altersklassen. Das Fitcamp ist für ihn mehr als ein Nebenprojekt. Es ist ein Ort, an dem sich seine Erfahrung und seine Freude an Bewegung verbinden.
Zwischen Lachen und Muskelkater
Nach der Erwärmung glühe ich schon wie ein Feuermelder. Jetzt erklärt Max das heutige Training. Er hat einen Zirkel mit verschiedenen Stationen auf der Wiese aufgebaut. Die Übungen sind abwechslungsreich und reichen vom Unterarmstütz (Plank) und Hockstrecksprünge (Burpees) bis zum Herunterwerfen eines Medizinballs (Medicine Ball Slam).
Meine erste Station, das Seilschwingen (Battle Rope) sieht einfach aus. Eine Minute soll ich mit meiner Sportpartnerin das Seil auf- und abschwingen. Durch die intensiven Wellenbewegungen wird meine Herzfrequenz maximiert, was Kraftaufbau mit Cardio und Fettverbrennung verbindet. Innerlich denke ich: Wie lang ist so eine Minute?
Fitcamp ist eine Mischung aus Kraft und Kondition, auf Yogamatten, mit Medizinball oder Dehnungsbändern. Ein Zirkel, der alle Muskelgruppen anspricht. Viele Übungen kennt man aus dem Sportunterricht in der Schule. Aber es geht nicht um Höchstleistung, sondern um Entwicklung. Es beruhigt mich, dass auch andere in der Runde ihre Morgenroutine nicht mit Liegestützen beginnen.

Training für alle – nicht nur für Sportliche
Der Name „Fitcamp“ klingt nach Drill und Disziplin. Doch wer hier mittrainiert, erlebt etwas anderes. „Mein Ziel ist, dass wirklich jeder mitmachen kann“, sagt Max und lächelt verschmitzt in die Runde. „Anfänger und Fortgeschrittene trainieren gemeinsam. Die Übungen werden angepasst, sodass jeder auf seinem Niveau arbeiten kann.“ Ich denke, bei Max sehen alle Übungen aus, als wären sie mit Leichtigkeit zu meistern.
Max bringt auch spielerische Elemente ein. „Ich versuche immer, ein bisschen Spaß reinzubringen.“ Das simmt. Zu Ostern gibt es als Erwärmung Eierlaufen. Mit einem Ball und Löffel balancieren, hüpfen und springen wir über die Wiese. Hauptsächlich werden die Lachmuskeln trainiert.
Wer trainiert hier draußen?
Max erzählt: „Die Gruppe ist gemischt, sowohl altersmäßig als auch von den Hintergründen her. Der Standort im Ostrapark war nicht von Anfang an gesetzt. Die ersten Kurse fanden noch auf der Elbwiese statt, doch die Bedingungen dort waren schwierig. Der Umzug in den Sportpark erwies sich als Glücksfall, denn Bewegung an der frischen Luft bietet einen schönen Ausgleich. Gerade für Menschen, die viel im Büro arbeiten, ist das Training draußen eine willkommene Abwechslung.“ Sport im Freien bedeutet ja auch Training bei Wind und Wetter. Wie motivierst du dich und die Gruppe, wenn es mal regnet? „Na ja. Ich glaube, mittlerweile ist ja gar nicht mehr so viel Motivation nötig, also ich denke, für viele ist es inzwischen schon so ein festes Ritual, dass dienstags Sport ist. Für mich ist es genauso.

Mir fällt auf, dass neue Teilnehmende häufig jünger sind. Ob das mit dem Wandel der Friedrichstadt zusammenhängt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Klar ist jedoch, dass das Angebot Menschen aus unterschiedlichen Lebensphasen anspricht.“
Wieviele Leute trainieren hier?
„Die Teilnehmerzahl ist bewusst begrenzt. Maximal 16 Personen trainieren gleichzeitig. So bleibt Raum für individuelle Betreuung, obwohl es ein Gruppentraining ist. Dieses Konzept sorgt dafür, dass sich niemand verloren fühlt. Jeder wird gesehen, jeder kann sich entwickeln“
Zwischen den Trainingsdurchläufen trinken wir begierig Wasser und erholen uns. Da entdecke ich Ines, eine Arbeitskollegin von früher. Wir kommen ins Gespräch.
Wie kamst du zum Fitcamp, Ines? „Eigentlich habe ich mich nur aus Geigel angemeldet. Und jetzt bin ich schon 3 Jahre dabei. Ich habe hier schon einige alte Bekannte wiedergetroffen.“
Die Pause ist vorbei, die letzte Trainingsrunde überstanden. Jetzt wird ausgedehnt. Ich frage Ines: Wie fühlt sich der Moment an, wenn du nach dem Kurs erschöpft nach Hause fährst? „Super! Ich fühle mich sportlich und bin stolz, es geschafft zu haben. Ich finde, es lohnt sich, mitzumachen. Es bringt mir etwas.“ Beschreibe Fitcamp mal in drei Worten: „fordernd, lustig, knackiger Po“
Bewegung beginnt im Alltag
Am knackigen Po arbeite ich jetzt jeden Dienstag. Max frage ich: Was ist denn dein Ziel für das Fitcamp in diesem und in den folgenden Jahren? „Das Ziel ist, das Ganze weiter so laufen zu lassen, wie es jetzt läuft. Wir haben ja zwei Standorte, einmal hier im Ostrapark und einen im Dresdner Osten. Wir sind gut ausgelastet, aber neue Teilnehmer sind immer herzlich willkommen.“
Abschließend frage ich Max, was er den Friedrichstädtern rät, die fitter werden wollen. Er bleibt pragmatisch. „Gute Ernährung, also wirklich die Basics einfach beachten. Du musst keine verrückten Dinge ausprobieren, einfach ein wenig auf deinen Körper hören. Es geht nicht um komplizierte Programme, sondern um Grundlagen: ausreichend trinken, auf Ernährung achten und mehr Bewegung in den Alltag integrieren.“
Wo kann ich mich zum Fitcamp anmelden?
Die Kurse gibt es an zwei Tagen in der Woche. Wenn du neugierig geworden bist und dich anmelden möchtest, dann geht das am besten, auf der offiziellen Fitcamp-Webseite.
