Fragt mich doch gestern ein Kind: „Wieso müssen wir die Uhr umstellen und wohin?“
Ja die Antwort ist war nicht so einfach.
Ich mußte also erklären, dass wir nicht die Uhr wo anders hinstellen, was ja bei einer hängenden Wanduhr auch gar nicht so einfach ist, sondern dass wir die Uhrzeit umstellen müssen.
„Aber wieso?“ fragte das Kind wieder, „Wer bestimmt denn so etwas?“ und: „Wie oft müssen wir das tun?“
Ja da war es wieder das Problem: Wie erklärt man es dem Kind?
Fangen wir mal an:
Nach der Öl-Krise im Jahr 1973 führte Frankreich die Sommerzeit ein. Das war im Jahr 1976. Das Ziel von Frankreich war es, Energie zu sparen.
Die anderen Länder in Europa hatten einen anderen Grund. Sie wollten, dass der Handel und der Verkehr zwischen den Ländern besser funktionieren. Wenn alle Länder dieselbe Uhrzeit haben, sind auch die Fahrpläne von Zügen und Flugzeugen viel einfacher.
Deutschland wartete zuerst ab. Die Politiker hatten eine Sorge: West-Deutschland und Ost-Deutschland sollten nicht auch noch durch verschiedene Uhrzeiten getrennt werden. Im Jahr 1979 kündigte Ost-Deutschland (die DDR) aber plötzlich an, die Sommerzeit einzuführen. Deshalb machten ab dem Jahr 1980 beide Teile Deutschlands mit. Viele Nachbarländer folgten. Die Schweiz führte die Sommerzeit als letztes Land in Mitteleuropa im Jahr 1981 ein.
Seit dem Jahr 1996 gibt es in der Europäischen Union (EU) eine feste Regel für alle:
Die Sommerzeit beginnt immer am letzten Sonntag im März. Dann wird die Uhr von 2:00 Uhr auf 3:00 Uhr vorgestellt.
Die Sommerzeit endet immer am letzten Sonntag im Oktober. Dann wird die Uhr von 3:00 Uhr auf 2:00 Uhr zurückgestellt.
Diese Regel gilt aber nicht für Gebiete von EU-Ländern, die weit außerhalb von Europa liegen. Ein Beispiel dafür sind die französischen Inseln in Übersee.

Sinnhaftigkeit
Ob die Zeitumstellung überhaupt einen Sinn ergibt und wieviel Energie gespart wird, darüber streieten sich viele.
Schon 2005 bestätigte die Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion kaum einen Effekt der Einsparung. Man wolle aber an der Umstellung festhalten, solange die Mitgliedstaaten der EU nicht gemeinsam die Absicht hätten, die Sommerzeit abzuschaffen.
Immer wieder erscheinen auch Artikel über den Sinn und Unsinn dieser Regelung.
Was aber sicher ist, schon 2019 hat das Europaparlament bereits für eine Abschaffung gestimmt, nachdem die Europäische Kommission einen entsprechenden Vorschlag gemacht hatte. Zuvor hatten sich in einer repräsentativen Online-Abstimmung in den EU-Staaten 84 Prozent für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Umsetzen müssen das allerdings die Mitgliedsstaaten. Und die können sich bisher nicht einigen.
Die Mitgliedsstaaten sind eigentlich für die Abschaffung der Zeitumstellung. Allerdings streiten sie sich, ob künftig die Sommer- oder die Winterzeit, die eigentlich die Normalzeit ist, gelten soll. Das hat ganz praktische Gründe: Würden sich die EU-Staaten auf eine dauerhafte Winterzeit einigen, ginge am längsten Tag im Sommer im Osten Polens die Sonne bereits um 3.30 Uhr auf. Im Westen Spaniens wäre es das umgekehrte Bild: Hier bliebe es bei einer dauerhaften Sommerzeit an kurzen Wintertagen morgens bis 9.30 Uhr dunkel.
Die Länder im Osten der EU sind also eher für eine dauerhafte Sommer-, die im Westen jedoch für eine dauerhafte Winterzeit. Eine Einigung wird es also so schnell nicht geben.
Also nicht vergessen heute Nacht die Zeit, nicht die Uhr umstellen!
