Mit der Kamera durch die Friedrichstadt

Rita Korn stellt Nachbar Jann Ole Makberger vor

Man erkennt ihn schnell im Viertel: Weste, Krawatte, Kamera in der Hand. Jann Ole Makberger fällt auf. Und nicht nur wegen seines Stils, sondern auch wegen seines Blicks für Details. Seit rund acht Monaten lebt der 27-Jährige in der Friedrichstadt. Mit seiner Kamera erkundet er Straßen, Fassaden und kleine Momente im Alltag des Viertels.

Fotograf Jann Ole Makberger an der Adlergasse
Der Weg in die Friedrichstadt war nicht lange geplant.

Angekommen im Altbau

Der Weg in die Friedrichstadt war nicht lange geplant. Eine Wohnung wurde frei und Jann Ole griff zu. Ganz zufällig war die Entscheidung aber nicht.

Er wollte unbedingt in einem Altbau wohnen, mit Hinterhof, Stuck und Geschichte. In Dresden ist das gar nicht so selbstverständlich, denn viele Viertel wurden im Krieg stark zerstört und der Rest ist teilweise unerschwinglich. Die Friedrichstadt gehört zu den Stadtteilen, in denen trotz sieben Bombardierungen und 40 Jahren DDR noch alte Häuser erhalten sind.

„Ich wollte immer einmal in so einem typischen Altbau leben“, erzählt er.

Die Adlergasse bei Sonnenuntergang  Foto: Jann Ole Makberger
Die Adlergasse bei Sonnenuntergang Foto: Jann Ole Makberger

Der erste Blick durchs Objektiv

An sein erstes Fotomotiv im Viertel erinnert er sich noch genau. Es entstand bei einem Spaziergang über die Friedrichstraße. Bürgerhäuser, das alte Fachwerkhaus und der Blick auf das Krankenhaus Friedrichstadt haben ihn sofort fasziniert.

„Ich hatte das Gefühl, hier das schönste Krankenhaus gefunden zu haben, das eine Stadt haben kann“, sagt er.

Friedrichstraße Fachwerkhaus Dresden Foto: Jann Ole Makberger
Die Friedrichstraße von der schönsten Seite Foto: Jann Ole Makberger

Dresden als Auslöser für ein Hobby

Fotograf ist Jann Ole übrigens nicht von Beruf. Der ausgebildete Bibliothekar begann erst nach seinem Umzug nach Dresden intensiver zu fotografieren.

Die Stadt habe ihm dieses Hobby gewissermaßen geschenkt, sagt er. Anfangs hielt er seine Eindrücke nur mit dem Handy fest. Später kaufte er sich eine Kamera und begann, Architektur und Stadtbilder gezielter festzuhalten.

Besonders interessieren ihn Altbauten und historische Fassaden. Menschen fotografiert er dagegen nur selten.

„Street-Photography bedeutet oft auch, in die Privatsphäre anderer Menschen einzudringen. Damit tue ich mich etwas schwer.“

Ein Viertel im Wandel

Wer mit Jann Ole über die Friedrichstadt spricht, merkt schnell: Er beobachtet das Viertel aufmerksam.

Besonders beeindruckt ihn das Gemeinschaftsgefühl. Viele Initiativen, neue Ideen und engagierte Nachbarinnen und Nachbarn prägen für ihn das Bild des Stadtteils.

„Hier gibt es viel Pioniergeist“, sagt er. „Man merkt, dass viele Menschen etwas aufbauen wollen.“

Orte, die man leicht übersieht

Mit seiner Kamera entdeckt Jann Ole immer wieder Details, an denen andere achtlos vorbeigehen.

Ein Beispiel ist der Turm der Hafenmühle, der für ihn wie ein stilles Wahrzeichen über der Friedrichstadt steht.

Seminarstraße Foto Jann Ole Makberger
Seminarstraße – drei Häuser aus der Kaiserzeit dicht nebeneinander – jedes mit eigener architektonischer Handschrift. Foto: Jann Ole Makberger

Besonders gern fotografiert er auch in der Seminarstraße. Dort stehen drei Häuser aus der Kaiserzeit dicht nebeneinander – jedes mit eigener architektonischer Handschrift.

Ein weiterer Lieblingsort ist die Adlergasse. Die kleine Straße zeigt für ihn beispielhaft die Entwicklung des Viertels: alte Häuser, Baulücken und neue Gebäude nebeneinander. Im Winter bietet sie sogar ein kleines Naturschauspiel.

„Wenn die Sonne gegen halb fünf untergeht, taucht sie die Häuser in ein intensives Orange. Das ist ein unglaublicher Anblick.“

Fotos für die Nachbarschaft

Viele seiner Bilder veröffentlicht Jann Ole auf Instagram. Dort tauscht er sich mit anderen Fotografie-Begeisterten aus und bekommt Rückmeldungen aus der Nachbarschaft. Als das Friese-Journal nach Fotos fragte, sagte er sofort zu.

„Ich finde es wichtig, dass es so ein Stadtteilmagazin gibt“, sagt er. „Es wird ehrenamtlich gemacht und bringt Menschen zusammen.“

Wünsche für die Zukunft

Wenn Jann Ole an die Zukunft der Friedrichstadt denkt, hat er zwei Wünsche. Der realistische betrifft den Bahnhof Mitte. Er hofft, dass der Standort künftig attraktiver gestaltet wird, mit mehr Geschäften und Aufenthaltsqualität. Der zweite Wunsch ist größer. Er wünscht sich mehr Leben und Begegnungsorte rund um die Schäferstraße.

„Das Potenzial ist auf jeden Fall da.“

Fotograf Jann Ole Makberger an der Menageriestraße
Die meisten Menschen lernen Jann Ole Makberger so kennen, mit der Kamera in der Hand, an einer Straßenecke im Stadtviertel.

Ein Platz zum Abschalten

Wenn die Kamera einmal in der Tasche bleibt, zieht es Jan Ole oft auf den Trümmerberg. Von dort lässt sich der Sonnenuntergang besonders gut beobachten. Auch der Park rund um das Krankenhaus Friedrichstadt gehört zu seinen Lieblingsorten, es ist ein ruhiger Platz mitten im Viertel.

Drei Worte für die Friedrichstadt

Zum Schluss bittet Rita Korn ihren Gesprächspartner um drei Begriffe, die sein Gefühl für die Friedrichstadt beschreiben.

Jann Ole überlegt kurz.

Dann sagt er:
„Originell. Aufbruch. Potenzial.“

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