Grüne fordern „Kiezlichter“ für den Postplatz

Am Postplatz sollen künftig Menschen Konflikte schlichten, bevor die Polizei eingreifen muss. Die Grünen möchten dort die „Kiezlichter“ einsetzen, die seit 2021 unter ihrem früheren Namen „Nacht(sch)lichter“ in der Neustadt vermitteln. Dazu fordert die Fraktion bessere Aufenthaltsmöglichkeiten und eine öffentliche Toilette. Ihren Antrag begründet sie mit steigenden Straftaten und einem schlechteren Sicherheitsgefühl.

„Sicherheit entsteht dadurch, dass Menschen ansprechbar sind, Präsenz zeigen und füreinander da sind“, erklärt Katharina Ringler, Co-Vorsitzende der Grünen-Stadtratsfraktion. Sie will die Erfahrungen aus der Neustadt auf den Postplatz übertragen.

Postplatz Zentralhaltestelle von oben, Bauarbeiten Gleisbau Straßenbahn

Was die Grünen konkret fordern

Nach dem Antrag A0216/26 sollen die Kiezlichter am 1. März 2027 am Postplatz und in seiner Umgebung starten. Dafür verlangt die Fraktion jährlich 30.000 Euro. Sie knüpft die Erweiterung ausdrücklich daran, dass Dresden das Projekt in der Neustadt fortsetzt und im Doppelhaushalt 2027/28 finanziert.

Außerdem soll die Verwaltung bis Ende März 2027 prüfen, welche zusätzlichen Sitzgelegenheiten, Aufenthaltsflächen und Bewegungsangebote sie am Platz verwirklichen kann und was diese kosten. Eine öffentliche Toilette soll spätestens am 31. August 2027 ihren Betrieb aufnehmen. Das sind Forderungen des Antrags, keine beschlossenen Umsetzungstermine.

Was Kiezlichter eigentlich machen

Die Kiezlichter suchen das Gespräch mit Feiernden, Anwohnern und Gewerbetreibenden. Sie sprechen Menschen auf laute Musik, Müll oder Wildpinkeln an, vermitteln bei Streit und helfen in Notsituationen. Wer Unterstützung braucht, kann sie ansprechen. Ihre Arbeit setzt möglichst früh an, bevor ein Konflikt eskaliert.

Mehr Straftaten und Ärger im Wohnumfeld

Die Probleme am Postplatz beschränken sich nicht auf ein ungutes Gefühl beim Warten auf die Bahn. Laut MDR registrierte die Polizei im ersten Halbjahr 2026 dort 247 Straftaten, im entsprechenden Zeitraum 2024 waren es 132. Die Zahl der Rohheitsdelikte, zu denen etwa Körperverletzungen und Bedrohungen zählen, stieg von 19 auf 62. Anwohner rund um Postplatz und Marienstraße beklagen zudem nächtlichen Lärm, Müll und öffentliches Urinieren.

Auch schwere Übergriffe dokumentieren Polizei und Staatsanwaltschaft. Im Oktober 2024 verletzte ein Angreifer einen 21-Jährigen am Postplatz mit einem Messer. Im Mai 2025 soll ein Mann einem 33-Jährigen unter Vorhalt eines Messers etwa 200 Euro geraubt haben.

Am 1. August 2026 eskalierte eine Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen. Laut Staatsanwaltschaft soll ein 20-Jähriger einem Beteiligten mit einem Messer in den Oberkörper gestochen haben. Der Verletzte musste notoperiert werden. Die Behörde teilte am 3. August mit, dass sie wegen des Verdachts des versuchten Totschlags ermittelt.

Jugendliche brauchen Platz

Wer über Lösungen spricht, muss auch über fehlende Treffpunkte reden. Bei einem Rundgang am 27. Oktober diskutierten Vertreter von Politik, Polizei, Verwaltung und Streetwork die Konflikte. Die SPD hob anschließend hervor, dass junge Menschen Orte brauchen, an denen sie sich ohne Konsumzwang treffen können. Gerade im Winter fehlen überdachte und möglichst warme Aufenthaltsmöglichkeiten.

Centrumsgalerie-Leiter Matthias Gollan warnte im MDR davor, jugendliches Zusammensein pauschal zum Problem zu erklären. Die neu gestaltete Marienstraße mit dem Promenadenring lade zum Verweilen ein, gleichzeitig fehlten Alternativen. Polizeidirektor André Marschke plädierte dafür, Probleme frühzeitig gemeinsam mit Sozialarbeit und anderen Partnern anzugehen. Das Ordnungsamt berichtete, dass Gruppen auf Ansprache reagierten und beispielsweise ihren Müll beseitigten.

Zustimmung gibt es, Geld fehlt

Mit ihrer Forderung stehen die Grünen nicht allein. Auch die SPD sowie die CDU-Ortsverbände Altstadt und Neustadt wollen die Kiezlichter erhalten und auf den Postplatz ausweiten. Allerdings fehlen im Haushaltsentwurf für 2027/28 bislang die Mittel für das bestehende Neustädter Projekt.

Die Erfahrungen aus der Neustadt sprechen für Vermittlung, allerdings nicht für ein Wundermittel. Eine Untersuchung von Laura Kaiser und Karsten König aus dem Jahr 2023 zeigt, dass die Teams Konflikte entschärfen können. Sie benennt zugleich Grenzen bei eskalierender Aggression, wenn die Teams die Polizei hinzuziehen müssen.

Auch die aktuelle Saisonbilanz fällt unterschiedlich aus. An der Schiefen Ecke gingen die Beschwerden über Ruhestörungen zurück, am Martin-Luther-Platz nahmen sie zu. Den Rückgang von Raubstraftaten führte Polizeirevierleiter Jürgen Kunath vor allem auf gezielte Polizeimaßnahmen zurück, berichtete Anton Launer am 30. Oktober im Neustadt-Geflüster. Für den Postplatz heißt das, Vermittler können helfen. Polizeiarbeit und geeignete Aufenthaltsorte braucht es trotzdem.

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