Die Bilder vom Februar sind noch nicht ganz verschwunden. Am Bahnhof Mitte liefen Rechtsextreme auf, begleitet von Gegendemonstrationen, Polizeiketten und der Frage, wie präsent solche Aufmärsche inzwischen wieder sind. Das friese-Journal berichtete. Zwei Monate später kommt ein Projekt in die Stadt, das auf diese Entwicklung eine andere Antwort gibt. Leiser, aber nicht unpolitisch.

Fotoprojekt sucht Haltung
„Gesichter gegen Rechts“ macht am 13. April Station in Dresden. Die Idee dahinter ist schnell erklärt: Menschen lassen sich fotografieren und positionieren sich damit öffentlich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Kein großes Event, kein Bühnenprogramm, ein Porträt reicht.
Worum es geht
Entstanden ist daraus inzwischen eine wachsende Sammlung. Mehr als 2200 Menschen haben sich bereits fotografieren lassen. Die Bilder werden online veröffentlicht und in Ausstellungen gezeigt, als sichtbares Gegenbild zu den Entwicklungen, die viele zuletzt beschäftigt haben.
Das Shooting in Dresden findet in der Neustadt statt, bei CROMATICS auf der Werner-Hartmann-Straße. Für Menschen aus der Friedrichstadt ist das kein weiter Weg, eher ein kurzer Perspektivwechsel über die Elbe. Der Ablauf ist bewusst unkompliziert gehalten. Einfach kommen, fotografieren lassen, fertig. Anmeldung ist möglich, aber nicht zwingend.
Warum das die Friedrichstadt betrifft
Interessant wird das Projekt vor allem vor dem Hintergrund der letzten Monate. Die Aufmärsche im Februar waren für viele kein abstraktes politisches Thema mehr, sondern etwas, das plötzlich im eigenen Alltag auftauchte. Zwischen Arbeitsweg, Einkauf und Straßenbahn.

Die Reaktion darauf fällt unterschiedlich aus. Manche gehen auf die Straße, andere diskutieren im Freundeskreis, viele bleiben still. Oft nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil die passende Form fehlt, sich zu äußern.
Die Frage nach der Haltung stellt sich im ganzen Stadtgebiet.
Genau dort setzt das Projekt an. Es verlangt keine Rede, keine Organisation, keine Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Es reduziert politische Position auf etwas sehr Konkretes: sichtbar sein.

Das ist weder spektakulär noch eine schnelle Lösung. Ein Foto verändert keine politischen Verhältnisse. Aber es verschiebt etwas im Kleinen. Es macht sichtbar, wer da ist und wofür.
Für die Friedrichstadt ist das vielleicht der eigentliche Punkt. Nach den Ereignissen am Bahnhof Mitte stellt sich weniger die Frage, ob man eine Haltung hat. Sondern eher, ob man sie zeigt.
Am 13. April gibt es dafür eine Gelegenheit. Gesichter gegen Rechts.
