Im Beitrag Grenzstreitigkeiten erwähnten wir eine Urkunde vom 31. März 1206. Was sieht diese aus und was steht da eigentlich drin?
Hier der Text

aber Achtung er ist in Latein.
In nomine sanctae et individuae trinitatis. Tidericus dei gratia Misnensis marchio omnibus Christi fidelibus, ad quos praesens pagina pervenerit, certa tenere et incerta dimittere. Cum omnium habere memoriam et in his quae gesta sunt in nullo deviare divinum sit potius quam humanum, idcirco ne praesentium posteritas dubitare valeat in futurum, quae inter ecclesiam Misnensem et Henricum burcgravium de Donin arbitrati fuimus, hoc sigilli nostri munimine roborato duximus referendum. Notum sit itaque tam praesentibus quam futuris, quod cum causa, quae inter dominum Tidericum Misnensem episcopum et capitulum suum ex una parte, et Henricum dictum ex altera vertebatur super quodam castello quod Thorun vocabatur, quod quidem castellum praefati episcopus et canonici Misnenses asserebant memoratum Henricum in bonis Misnensis ecclesiae de novo contra iustitiam posuisse, et per hoc bona ipsius ecclesiae destruxisse, homines afflixisse et novas et indebitas exactiones et onera rusticis ecclesiae indixisse, diutius ventilata finem debitum non fuisset sortita: placuit partibus memoratis ipsam causam nobis committere arbitrio decidendam, hinc inde in manu nostra fide data promittentibus, quod quicquid de causa ipsa arbitraremur, firmum tenerent et ratum et nulla umquam fraude vel astutia violarent. Nos igitur deum habentes prae oculis et utriusque partis iustitiam integram conservare volentes, de conscientia, consensu et voluntate ambarum partium hos viros bonae opinionis et famae de ipso confinio Berchtoldum et Tidericum de Potshapel, Henricum de Lutiz, Fridericum et Bertoldum Karaz fratres, Reinoldum de Grimme et Hugonem fratrem eius, Wolfangum Sholc, Arnoldum de Dolen, Buchardum de Kiz, Ottonem Riman, Timonem, Henricum Hildan, Tidericum de Komeram, Jordanum, Herbordum de Oztrov, Hermannum de Worganewiz, Hildebrandum de Gonpitz et alios quam plures, Johannem de Plawen, Brunzlaum et Petrum fratres ad praesentiam nostram venire fecimus et iurare, quod amore, timore, odio, pretio et precibus praetermissis bona fide et absque omni fraude distinguerent bona ecclesiae Misnensis et marchiae Misnensis sita in illo confinio. Hoc autem ideo fieri praecepimus, quia dictus burcgravius constanter asserebat, quod praefatum castellum in bonis marchiae et non ecclesiae fundaverat, unde ad nos et non ad ipsam ecclesiam dictum castellum pertinere dicebat, nominando nos auctorem et warandum suum, ubicumque et quandocumque conveniebatur de castello saepius memorato. Quos quidem viros iuratos cum nostris nuntiis nobilibus viris Erkenberto burcgravio de Dewin et Erkenboldo de Grizlav ad locum misimus, de quo quaestio vertebatur. Praenominati igitur viri bona ecclesiae et marchiae coram ipsis nuntiis limitantes, sub religione sacramenti hoc veraciter affirmabant, quod omnia a capite rivuli Zuchewidre usque ad finem descensus ipsius in flumen Bistrice et inde usque ad finem descensus ipsius Bistrice in Albiam contenta Misnensi ecclesiae attinerent. Reversi ergo cum nuntiis nostris distinctionem quam fecerant in nostra sunt praesentia protestati. Nos autem habito consilio plurimorum ibidem fuimus arbitrati, quod dictum castellum cum aliis contentis intra limites memoratos Misnensis essent ecclesiae. Castellum etiam destrui iussimus, et ne ] quisquam hominum illud de cetero ausu temerario reaedificare praesumeret, dominus episcopus sub poena excommunicationis, nos vero sub periculo rerum et personarum curavimus inhibere.
Ut igitur haec rata et inconvulsa permaneant, praesentem cartulam sigilli nostri inpressione munitam conscribi fecimus cum testibus infra notatis, quorum haec sunt nomina: Tidericus episcopus Misnensis, Bruno praepositus Misnensis, Guncelinus decanus, Tidericus custos, Tidericus praepositus Wrzinensis, Lutherus, Bertramus, Luprandus, Wipertus, Albertus canonici Misnenses, Burchardus praepositus de Lutmariz, Henricus canonicus Wrzinensis, Henricus de Werenboldisdorf, Henricus de Warin, Bernardus de Vesta, Bernhardus de Trebzin, Cunradus de Mutsin, Petrus de Chulme, Ulricus antiquus de Donin, Henricus de Becelnewiz, Hartlip de Gurbewiz, Henricus et Albertus fratres de Sterenberc, Henricus Shotte, Henricus de Chorun, Heldolfus, Albertus Polonus, Curadus pincerna, Cunradus de Brezeniz, Hildebrandus capellanus, Rabenoldus et Ulricus scriptores marchionis, Otto filius burcgravii de Donin, Henricus de Frankenberc, Cunradus Spanseil, Hugo de Ysenberc, Cunradus Silstranc, Burkardus Nichist, Timo de Lome, Wernherus Rinc, Fridericus de Cemin, Wernherus de Ertmaresdorf, Mecelin, Knapatz officiati curiae, Bernhardus de Sessov, Cunradus de Yla, Wolframus et Petrus fratres de Shellenberc, Heidenricus et Vlricus capellarii, Vlricus canonicus Misnensis, Henricus marscalcus. Acta sunt haec Dresdene anno ab incarnatione domini Mo CCVIo, indictione IXa, II, Kalendas Aprilis, anno domini Phylippi regis augusti regni VIIIo, feliciter amen.
Hier die Übersetzung:
Im Namen der heiligen und einen Trinität.
Thierry, von Gottes Gnaden Markgraf von Meissen, an alle Gläubigen Christi, zu denen diese Seite gelangt ist, um das Gewisse festzuhalten und das Ungewisse fallen zu lassen. Da wir alle die Erinnerung daran haben, und da bei dem, was geschehen ist, das Göttliche in keiner Weise vom Menschlichen abweicht, haben wir es für angebracht gehalten, das, was wir zwischen der Kirche von Meissen und Heinrich, dem Burggrafen von Donin, entschieden haben, durch das Siegel unseres Amtes zu bestätigen, damit die Nachwelt der Anwesenden in Zukunft nicht zweifeln möge. Es sei daher sowohl den Anwesenden als auch den Zukünftigen bekannt, dass in der Rechtssache, die zwischen Herrn Thiderich, dem Bischof von Meissen, und seinem Kapitel auf der einen Seite und dem sogenannten Heinrich auf der anderen Seite über eine bestimmte Burg namens Thorun geführt wurde, wobei der vorgenannte Bischof und die Kanoniker von Meissen tatsächlich behaupteten, der besagte Heinrich habe die Burg erneut gegen das Recht in das Gut der Kirche von Meissen eingebracht, und habe dadurch das Gut derselben Kirche zerstört, die Menschen bedrängt und neue und ungerechtfertigte Forderungen und Belastungen für die Bauern der Kirche auferlegt, nach längerer Erörterung kein gebührendes Ergebnis erzielt worden sei: Es gefiel den genannten Parteien, die Rechtssache selbst uns anzuvertrauen, damit wir nach unserem Ermessen darüber entscheiden. Von da an haben sie in gutem Glauben in unsere Hand gegeben und versprochen, dass sie, was auch immer wir in der Rechtssache selbst entscheiden mögen, festhalten und bestätigen und niemals durch Betrug oder List verletzen würden. Wir also, die wir Gott vor Augen haben und die volle Gerechtigkeit für beide Seiten wahren wollen, haben nach dem Gewissen, dem Einvernehmen und dem Willen beider Seiten diese Männer von gutem Ruf und Ansehen aus eben diesem Grenzgebiet, Berchtold und Tiderich von Potshapel, Heinrich von Lutiz, die Brüder Friedrich und Bertold Karaz, Reinold von Grimme und seinen Bruder Hugo, Wolfgang Sholc, Arnold von Dolen, Buchard von Kiz, Otto Riman, Timon, Heinrich Hildan, Tiderich von Komeram, Jordan, Herbord von Oztrov, Hermann von Worganewiz, Hildebrand von Gonpitz und noch viele andere, Johann von Plawen, die Brüder Brunzlaum und Peter, vor uns erscheinen lassen und sie schwören lassen, dass sie in gutem Glauben und ohne jeglichen Betrug, unter Ausschluss von Liebe, Furcht, Hass, Geld und Bitten, das Gut der Kirche von Meissen und der Mark von Meissen, die in diesem Grenzgebiet liegen, auseinanderhalten würden. Wir haben dies jedoch anordnen lassen, weil der besagte Burggraf beharrlich behauptete, dass er die besagte Burg auf dem Gut der Mark und nicht der Kirche gegründet habe, weshalb er sagte, dass die besagte Burg zu uns und nicht zur Kirche selbst gehöre, und uns als seinen Bevollmächtigten und Garanten nannte, wo und wann immer es um die besagte Burg ging. Diese vereidigten Männer sandten wir zusammen mit unseren Gesandten, den edlen Herren Erkenbert, dem Burggrafen von Dewin, und Erkenbold von Grizlav, an den Ort, um den es in der Angelegenheit ging. Die vorgenannten Männer, die das Gut der Kirche und der Mark vor den Gesandten selbst abgrenzten, bekräftigten daher unter dem Schutz des Sakraments wahrheitsgemäß, dass alles, was von der Quelle des Baches Zuchewidre bis zum Ende seines Abflusses in den Fluss Bistritz und von dort bis zum Ende des Abflusses dieses Bistritz in die Elbe liegt, zum Gut der Kirche von Meissen gehöre. Als sie also mit unseren Gesandten zurückkehrten, bekräftigten sie in unserer Gegenwart die Abgrenzung, die sie vorgenommen hatten. Wir aber haben nach Beratung mit den Meisten dort entschieden, dass die genannte Burg mit den anderen innerhalb der genannten Grenzen von Meissen Liegenschaften der Kirche sei. Wir ließen auch die Burg zerstören, und damit sich künftig niemand mehr anmaße, sie in rücksichtsloser Weise wieder aufzubauen, sorgten der Herr Bischof unter Androhung der Exkommunikation und wir selbst unter Androhung der Gefährdung von Sachen und Personen dafür, dass dies unterbunden werde.
Damit diese Dinge also bestätigt und unerschütterlich bleiben, haben wir die vorliegende Urkunde, die mit dem Abdruck unseres Siegels versehen ist, mit den unten genannten Zeugen verfasst, deren Namen wie folgt lauten: Thiderich, Bischof von Meissen, Bruno, Propst von Meissen, Guncelin, Dekan, Thiderich, Kustos, Thiderich, Propst von Wrzin, Luther, Bertram, Luprand, Wipert, Albert, Kanoniker von Meissen, Burchard, Propst von Lutmariz, Heinrich, Kanoniker von Wrzin, Heinrich von Werenboldisdorf, Heinrich von Warin, Bernhard von Vesta, Bernhard von Trebzin, Konrad von Mutsin, Peter von Chulme, Ulrich der Ältere von Donin, Heinrich von Becelnewiz, Hartlip von Gurbewiz, Heinrich und Albert, Brüder von Sterenberg, Heinrich Shotte, Heinrich von Chorun, Heldolf, Albert Polonus, Curadus, Pincerna, Konrad von Brezeniz, Hildebrand, Kaplan, Rabenold und Ulrich, Schreiber des Markgrafen, Otto, Sohn des Burggrafen von Donin, Heinrich von Frankenberg, Konrad Spanseil, Hugo von Ysenberg, Konrad Silstranc, Burkard Nichist, Timo von Lome, Wernher Rinc, Friedrich von Cemin, Wernher von Ertmaresdorf, Mecelin, Knapatz, Beamte des Hofes, Bernhard von Sessov, Konrad von Yla, Wolfram und Peter, Brüder von Schellenberg, Heidenrich und Ulrich, Kapläne, Ulrich, Kanoniker von Meissen, Heinrich, Marschall. Diese Urkunde wurde in Dresden im Jahr der Menschwerdung des Herrn1162, in der 9. Indiktion, am 2. April, im 8. Regierungsjahr des erhabenen Königs Philipp, glückselig Amen, verfasst.
Quelle: Gedenkblatt zum 31. März 1206 in Dresdner Geschichtsblätter, XV. Jg, Nr. 2, 1906, S.81
