Correggio und die Lust

Ein Satyr hebt ein Tuch an und betrachtet eine schlafende Venus. Und wir schauen ihm dabei zu. Correggios Gemälde „Schlafende Venus und Amor mit Satyr“ macht die Betrachter zu heimlichen Mitguckern. Christian Ruf beschreibt diese Szene in seinem Bericht über die aktuelle Dresdner Ausstellung. Wer bei Alten Meistern vor allem an Heilige und gefaltete Hände denkt, entdeckt hier eine andere Seite der Renaissance.

Am Mittwoch, dem 4. November, um 18.30 Uhr widmet sich Ulrich Pfisterer diesen sinnlichen Bildwelten. In der Gemäldegalerie Alte Meister im Zwinger spricht er über „Kunst als erotischer Wettstreit, Correggios profane Liebesbilder“. Der Vortrag begleitet die Ausstellung „Correggio. Berührend menschlich“.

Heilige konnte er auch

Correggio hieß eigentlich Antonio Allegri und lebte ungefähr von 1489 bis 1534. Der italienische Renaissancemaler arbeitete in Parma, Modena und Umgebung. Mit Licht, Schatten und lebhaften Figuren verlieh er religiösen Szenen ebenso wie weltlichen Liebesbildern eine besondere Sinnlichkeit. Später beeinflusste er unter anderem Rubens.

In Dresden gehört seine „Heilige Nacht“ zu den bekannten Werken der Gemäldegalerie. Die aktuelle Ausstellung versammelt rund ein Drittel seines erhaltenen malerischen Werks. Neben den Dresdner Bildern zeigt sie internationale Leihgaben, darunter die „Danaë“ aus der Galleria Borghese in Rom.

Für seine erotischen Darstellungen griff Correggio auf antike Mythen zurück. Die lieferten Geschichten, in denen er nackte Körper, Begehren und neugierige Blicke ins Bild setzen konnte. Gerade die schlafende Venus wirft eine unbequeme Frage auf. Schauen wir nur ein Gemälde an, oder machen wir beim heimlichen Blick des Satyrs mit?

Bildausschnitt Coreggio Foto: SKD
Bildausschnitt Correggio Foto: SKD

Ein Fachmann für Kunst und Begehren

Mit Ulrich Pfisterer kommt ein Referent nach Dresden, der sich mit dem Verhältnis von Erotik und künstlerischer Schöpferkraft beschäftigt. Er leitet das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München und lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität. Zu seinen Forschungsthemen gehört die Kunst der frühen Neuzeit.

Was genau er unter dem „erotischen Wettstreit“ versteht, lässt die Ankündigung offen. Der Titel verspricht jedenfalls einen Blick auf Correggio jenseits seiner religiösen Motive. Wer die Ausstellung schon kennt, kann diesen Teil seines Werks vertiefen. Wer bisher an Correggio vorbeigegangen ist, hat einen guten Anlass, genauer hinzuschauen.

Der Vortrag beginnt am Mittwoch, dem 4. November 2026, um 18.30 Uhr in der Gemäldegalerie Alte Meister, Semperbau am Zwinger, 01067 Dresden. Die Anmeldung ist erforderlich. Wendet euch telefonisch an den SKD-Besucherservice unter 0351 4914 2000, wenn noch Fragen offen sind.

Correggio. Berührend menschlich

Neben Leonardo, Raffael und Michelangelo zählt Correggio zu den Schlüsselfiguren der italienischen Malerei des 16. Jahrhunderts. Heute ist er einem breiteren Publikum jedoch kaum bekannt. Die Dresdner Ausstellung „Correggio. Berührend menschlich“ läuft noch bis 10. Januar 2027 und möchte das ändern. In sieben Kapiteln bietet die Ausstellung ein umfassendes Panorama von Correggios Schaffen, welches die unterschiedlichen Facetten und Phasen seines Werks nachvollziehbar werden lässt. Insgesamt sind rund 130 hochkarätige Objekte, darunter allein 20 Gemälde und weitere 20 Zeichnungen von Correggio selbst zu sehen. Gemälde von Zeitgenossen und Künstlern, die sich von ihm inspirieren ließen, darunter Parmigianino, Peter Paul Rubens, Carlo Maratti und Anton Raphael Mengs, ergänzen die Präsentation und veranschaulichen die Strahlkraft seiner Kunst.

Als weiteres großes Highlight präsentiert die Ausstellung Correggios „Madonna des heiligen Sebastian“ (um 1524). Die Bildtafel konnte in den vergangenen Jahren im Schauatelier der Gemäldegalerie Alte Meister restauriert werden. Nachdem das Werk eingehend untersucht, stabilisiert, gekittet und retuschiert wurde, erstrahlt es nun wieder in seiner ursprünglichen farblichen Brillanz und rückt Correggio damit als Meister der Farbe und des Lichts in den Blick. Dem Prozess der Restaurierung und der maltechnischen Untersuchung widmet die Ausstellung ein eigenes Kapitel.

Laufzeit: bis 10. Januar 2027, Semperbau am Zwinger

Öffnungszeiten: täglich 10—17 Uhr, Montag geschlossen

Sonderöffnung im Advent (27. November bis 30. Dezember 2026): Freitag bis Sonntag 10—18 Uhr

Eintritt: Zeitticket für die Sonderausstellung: regulär 14 €, ermäßigt 10,50 €, Schülerinnen und Schüler (unter 20 Jahre) 2 €, Kinder bis Schuleintritt frei
Kombiticket (Zeitticket für die Sonderausstellung und alle anderen Ausstellungsbereiche der Gemäldegalerie Alte Meister): regulär 23 €, ermäßigt 17,50 €, Schülerinnen und Schüler (unter 20 Jahre) 4 €, Kinder bis Schuleintritt frei

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