Wer wiederholt unter Tatverdacht gerät, soll bei der Dresdner Polizei künftig schneller mit seinen verschiedenen Verfahren zusammengeführt werden. Seit dem 1. Oktober 2026 bündelt das neue Kommissariat 27 Ermittlungen gegen ausgewählte Mehrfach- und Intensivtatverdächtige. Gleichzeitig übernimmt die Präsenzgruppe Innenstadt Streifen, Kontrollen und Einsätze im öffentlichen Raum. Das teilte die Polizeidirektion am 2. November mit.
Die beiden Einheiten übernehmen Aufgaben der bisherigen Präsenz- und Ermittlungsgruppe Innenstadt, kurz PEGI. Die Polizei will damit einen Ansatz aus dem Umfeld des Wiener Platzes auf ihren gesamten Zuständigkeitsbereich ausweiten.
Mehrere Verfahren, eine Person
Hinter der Neuordnung steckt eine einfache Idee. Wenn jemand wiederholt durch Straftaten auffällt, sollen Ermittler die einzelnen Verfahren und Erkenntnisse gemeinsam betrachten. Welche Vorwürfe liegen vor? Welche Zusammenhänge erkennen sie? Wo müssen sie besonders dringend handeln?
Das K 27 führt dafür Informationen zusammen, übernimmt ausgewählte Ermittlungen selbst und koordiniert weitere Verfahren mit anderen Kommissariaten und Polizeirevieren. Die Ermittler stimmen ihr Vorgehen frühzeitig mit der Staatsanwaltschaft ab. Vorrang haben grundsätzlich Gewaltdelikte. Die Polizei prüft dabei Häufigkeit und Schwere der bekannt gewordenen Taten, bevor sie eine Person für die besondere Bearbeitung auswählt.
Polizeipräsident Lutz Rodig beschreibt den Ansatz so, „Wir schauen nicht zuerst auf den Tatort, sondern auf den Täter!“ In den Verfahrenszahlen geht es allerdings um Tatverdächtige, nicht um nachgewiesene Verurteilungen.
Bereits seit April hatte eine Koordinierungsstelle die neue Arbeit vorbereitet. Nach Polizeiangaben nahm sie 43 Tatverdächtige in ihre Beobachtung auf, die innerhalb der vorausgegangenen zwölf Monate mit insgesamt 971 Straftaten aufgefallen waren. Zum Start übernahm das K 27 weitere 15 Tatverdächtige mit 55 offenen Verfahren.
Die Streifen bleiben auf der Straße
Während das Kommissariat Zusammenhänge ermittelt, soll die Präsenzgruppe Innenstadt auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Sie kontrolliert, geht auf Streife und liefert Erkenntnisse für die Ermittlungen. Umgekehrt sollen Informationen aus den Verfahren helfen, Einsätze gezielter zu planen.
Die Vorgängereinheit PEGI bearbeitete zwischen September 2023 und Ende September 2026 insgesamt 1.879 Ermittlungsverfahren. Zu ihrer Bilanz gehören außerdem 159 erwirkte Haftbefehle und 108 Durchsuchungen.
Ob die neue Aufteilung Ermittlungen tatsächlich beschleunigt, lässt sich aus der Mitteilung bislang nicht ablesen. Polizei und Staatsanwaltschaft beschreiben ihr Ziel, kriminelle Entwicklungen früher zu unterbrechen. Vergleichszahlen zu Ermittlungszeiten nennen sie nicht.

Was passiert bei uns im Viertel?
Für die Friedrichstadt zeigt der Kriminalitätsatlas 2025, dass Diebstähle die größte zusammengefasste Deliktgruppe bilden. Die Polizei registrierte 314 Fälle ohne und 374 Fälle unter erschwerenden Umständen, zusammen 688 Diebstähle. Insgesamt weist der Atlas 1.651 Fälle der Allgemeinkriminalität aus. Ausländerrechtliche Verstöße sind in dieser Darstellung ausgeschlossen.
Auch in benachbarten Innenstadtgebieten stehen Diebstähle zahlenmäßig vorn.
| Statistischer Stadtteil | Allgemeinkriminalität 2025 insgesamt | Davon Diebstähle |
|---|---|---|
| Friedrichstadt | 1.651 | 688 |
| Wilsdruffer Vorstadt/Seevorstadt-West | 1.377 | 615 |
| Innere Altstadt | 2.153 | 1.129 |
Die Diebstahlszahlen addieren jeweils die Fälle mit und ohne erschwerende Umstände. Die Tabelle beschreibt statistische Stadtteile, keine Auswertung für die Postleitzahl 01067. Welche einzelnen Delikte im gesamten Postleitzahlgebiet am häufigsten vorkommen, lässt sich daraus nicht zuverlässig bestimmen. Ebenso nennt diese Tabelle keine besonders belasteten Straßen innerhalb der Friedrichstadt.
Am Postplatz steigen die Fallzahlen
Für den Postplatz liegen aktuellere Angaben vor. Nach einem MDR-Bericht vom 18. September registrierte die Polizei dort im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 247 Straftaten. Im entsprechenden Zeitraum 2024 waren es 132. Die Rohheitsdelikte, etwa Körperverletzungen und Bedrohungen, stiegen von 19 auf 62.
Die meisten registrierten Straftaten entfielen laut diesem Bericht trotzdem auf Eigentumsdelikte, insbesondere Ladendiebstähle. Außerdem erklärte die Polizei, dass die Belastung am Postplatz noch nicht das Niveau der großen Schwerpunkte am Wiener Platz und an der Prager Straße erreiche.
Eine neue Ermittlungsstruktur kann künftig auch Fälle aus unserem Viertel erfassen. Welche Personen oder Verfahren aus der Friedrichstadt das K 27 bereits bearbeitet, nennt die Polizei in ihrer Mitteilung nicht.
