Was passiert, wenn man die eigene Haustür für völlig Fremde öffnet, gemeinsam isst, quatscht und dabei über den eigenen Tellerrand schaut? Bei Nicky ist genau das Programm. Er organisiert das „Running Dinner“ in Dresden. Das Prinzip klingt verlockend, einmal kochen, dreimal essen.
Ich habe Nicky getroffen und wollte wissen, was hinter der Idee steckt und warum ausgerechnet ein Abendessen dabei helfen kann, seine Nachbarn kennenzulernen.

Einmal kochen, dreimal essen
Beim Running Dinner ziehen die Gäste in Zweierteams durch Dresden. Jedes Kochteam übernimmt einen Gang, Vorspeise, Hauptgericht oder Dessert. Dafür kauft es ein, deckt den Tisch und empfängt zwei weitere Teams. Sechs Menschen sitzen schließlich zusammen am Tisch.
Nach anderthalb Stunden wird gewechselt. Eine halbe Stunde bleibt für den Weg zur nächsten Wohnung. Das eigene Kochteam bleibt zusammen, die Menschen am Tisch wechseln.
„Man muss einmal Aufwand betreiben und kann sich zweimal gemütlich zurücklehnen“, fasst Nicky die Idee schmunzelnd zusammen.
Und was ist, wenn am heimischen Esstisch keine sechs Menschen Platz finden? Dann wird improvisiert. Ein paar Hocker an der Stirnseite funktionieren genauso wie ein Picknick auf dem Teppich.
Du kannst allein kommen
Für das Running Dinner braucht es nicht einmal einen Kochpartner. Nach Nickys Einschätzung meldet sich die Mehrheit der Teilnehmenden allein an. Er bringt die Einzelanmeldungen zu Kochteams zusammen.
Damit beginnt das Kennenlernen schon vor dem eigentlichen Dinner. Was kochen wir? Wer kauft ein? Und in welcher Wohnung empfangen wir unsere Gäste?
Selbst mangelnde Erfahrung am Herd ist kein Hinderungsgrund. Nicky versucht dann, Kochneulinge mit Menschen zusammenzubringen, die etwas mehr Erfahrung haben. Einer kocht, der andere schneidet Gemüse, besorgt die Zutaten oder kümmert sich um den Tisch.
„Es gibt für alles eine Lösung“, sagt Nicky.
Aufwendige Menüs erwartet ebenfalls niemand. Nicky erinnert sich an überbackene Süßkartoffelscheiben mit Ziegenkäse und Walnüssen. Ein Gericht, das zeigt, dass ein guter Abend nicht zwingend stundenlange Küchenarbeit verlangt.

Raus aus der eigenen Blase
Running Dinner organisiert Nicky nicht erst seit gestern. In den 90er-Jahren hantierte er noch mit Excel-Tabellen, Adresslisten und Angaben zu Allergenen. Heute übernimmt eine datensparsame Plattform einen Teil dieser Arbeit. Dort können die Teilnehmenden auch Unverträglichkeiten und Ernährungswünsche von vegan bis glutenfrei angeben. Eine Woche vor dem Dinner landet der persönliche Routenplan im E-Mail-Postfach.
Was Nicky an dem Format besonders gefällt, ist die Mischung der Menschen. Studentinnen Anfang 20 treffen auf Ingenieure, Yogalehrerinnen oder Menschen in den 60ern.
„Essen ist etwas Verbindendes“, sagt Nicky. „Man kommt mit Leuten ins Gespräch, die man sonst vielleicht nur flüchtig in der Straßenbahn sieht, aber nie ansprechen würde.“
Und ganz nebenbei öffnet das Running Dinner Türen, die im Alltag verschlossen bleiben. Wie wohnen eigentlich andere Menschen und wie sind sie eingerichtet und wie lebt es sich ein paar Straßen weiter oder in einem anderen Dresdner Stadtteil?
Manchmal bleibt es nicht bei einem gemeinsamen Essen. Nicky erzählt von zwei Frauen, die sich bei einem früheren Dinner kennenlernten, gut verstanden und anschließend anfreundeten. Genau solche Begegnungen möchte er ermöglichen.
Am Ende treffen sich alle wieder
Nach dem Dessert ist noch nicht Schluss. Nicky plant ein gemeinsames Abschlusstreffen, bei dem sich die verschiedenen Tischrunden wiedersehen und ihre Geschichten vom Abend austauschen können.
Bei einem früheren Dinner brachten die Teilnehmenden sogar ihre übrig gebliebenen Speisen mit. So konnten alle probieren, was an den anderen Tischen serviert worden war.
Für das nächste Dinner schlägt Nicky Zutaten vor, die zum Herbst und Winter passen, etwa Kürbis, Maronen oder Rotkohl. Was daraus auf den Tellern wird, entscheiden die Kochteams selbst. Für ihre Gäste bleibt es bis zum Klingeln an der Wohnungstür eine Überraschung.

Wer kocht am 21. November mit?
Als nächsten Termin nennt Nicky den 21. November, Anmeldeschluss ist der 13. November. Mitmachen kannst du allein oder gemeinsam mit einer Kochbegleitung.
Interessant ist das Running Dinner besonders für Menschen, die neu in Dresden sind, gerade ihr Studium begonnen haben, in einen anderen Stadtteil gezogen sind oder schlicht Menschen kennenlernen möchten, denen sie sonst vielleicht nur in der Straßenbahn begegnen würden.
Vielleicht beginnt die nächste Freundschaft also nicht beim großen Ausgehen, sondern beim Gemüseschneiden in einer fremden Küche.
Anmeldung: https://runyourdinner.eu/running-dinner-events/e6tck2OTF1
