Die Internationale Dresdner Sommerakademie bringt Malerei, Fotografie, Druckgrafik, Tanz und Skulptur in die Motorenhalle. Zum Auftakt dürfen auch alle kommen, die keinen Kurs gebucht haben.
Eröffnung Internationale Dresdner Sommerakademie
Wenn in der Motorenhalle Steine bearbeitet, Bilder von der Wand gelöst und Bewegungen zur Kunst erklärt werden, beginnt in der Friedrichstadt wieder die Internationale Dresdner Sommerakademie für Bildende Kunst. Vom 26. Juli bis zum 8. August 2026 findet sie bereits zum 29. Mal statt.
Den Auftakt bildet die Eröffnung am Sonntag, dem 26. Juli, um 18 Uhr. Gleichzeitig öffnet in der Motorenhalle an der Wachsbleichstraße 4a die Ausstellung der Dozentinnen und Dozenten. Der Abend ist nicht nur für Kunstschaffende und Kursteilnehmende gedacht, sondern auch für Nachbarinnen, Neugierige und Menschen, die erst einmal sehen möchten, was während der folgenden beiden Wochen im riesa efau entsteht.

Kunst soll nicht auf Abstand bleiben
Die Sommerakademie steht 2026 unter dem Motto „berühren[d]“. Dahinter steckt mehr als der Versuch, Kunst besonders gefühlvoll anzukündigen. Die angebotenen Kurse beschäftigen sich tatsächlich mit Berührung, Material, Körper, Bewegung und dem Verhältnis zwischen einem Kunstwerk und seiner Umgebung.
Elf Künstlerinnen und Künstler leiten Kurse in Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Installation, Performance, Druckgrafik und textiler Gestaltung. Einige Angebote laufen eine Woche, andere erstrecken sich über den gesamten Zeitraum. Nach Angaben der Veranstalter sind in einzelnen Kursen kurzfristig noch Plätze verfügbar.
Dabei richtet sich die Sommerakademie nicht ausschließlich an Menschen mit Kunststudium oder eigener Ausstellungserfahrung. Im Mittelpunkt steht das praktische Arbeiten mit professionellen Künstlerinnen und Künstlern. Wer teilnimmt, sollte Zeit, Neugier und die Bereitschaft mitbringen, sich intensiv auf ein Material oder eine künstlerische Fragestellung einzulassen.

Die Friedrichstadt wird zum Arbeitsmaterial
Besonders nah an der Nachbarschaft liegt der Zeichenkurs „Stadtraum [v]erzeichnen“ mit Luise Ritter. Die Teilnehmenden untersuchen das Gebäudeensemble des riesa efau und seine Umgebung mit den Mitteln der künstlerischen Kartierung. Dabei geht es nicht darum, eine Straße möglichst naturgetreu abzuzeichnen. Wege, Beobachtungen, Erinnerungen und räumliche Beziehungen können ebenso Teil einer solchen Karte werden.
Die Friedrichstadt liefert dafür genug Stoff, denn hier treffen Gründerzeithäuser, Gewerbehöfe, Neubauten und Brachen direkt aufeinander. Wer hier zeichnet, dokumentiert deshalb nicht nur Fassaden, sondern auch Veränderungen.
Der Veranstalter verweist zudem auf die kunsthistorische Verbindung des Viertels zu den Künstlern der expressionistischen Gruppe Brücke, die zeitweise in der Friedrichstadt arbeiteten.
Bilder dürfen den Rahmen verlassen
Auch in anderen Kursen bleibt das Kunstwerk nicht unbedingt dort, wo man es erwartet. Kathrin Sonntag untersucht in ihrer Fotowerkstatt „Out of Frame“, wie Fotografien einen Raum besetzen, verändern oder selbst zu räumlichen Objekten werden können.
Noemi Durighello stellt in ihrem Malkurs „Elephant in the Room“ die Frage, was geschieht, wenn ein Bild nicht mehr einfach an der Wand hängt. Malerei kann dabei zum Objekt, zum Raumkörper oder zum Bestandteil einer Installation werden.
Bei Valentin Hertweck stehen dagegen mechanische Gesten im Mittelpunkt. Bewegungen von Federn, Gelenken oder einfachen Maschinen dienen als Ausgangspunkt für Installationen, die auch etwas über Arbeit, Gesellschaft und wiederkehrende Abläufe erzählen können.
Holz, Stein und Stoff statt Bildschirm
Wer lieber unmittelbar mit einem Material arbeitet, findet ebenfalls mehrere Angebote. Marc Fromm leitet einen Kurs für Holzskulptur und Relief. Unter dem Titel „Das Gedächtnis des Holzes“ beschäftigt er sich mit den Spuren, Eigenschaften und Widerständen des Werkstoffes.
Karin Reichmuth begleitet einen zweiwöchigen Kurs zur Steinbildhauerei. Dabei sollen eigene Vorstellungen schrittweise in eine greifbare Form übertragen werden. Der Titel „Finitura“ bezeichnet die abschließende Bearbeitung einer Oberfläche, allerdings beginnt der Weg dorthin bereits bei der Frage, welches innere Bild überhaupt im Stein sichtbar werden soll.
Im Textilkurs von Theresa Rothe entstehen dagegen Wesen aus Fantasie und Gefühl. Das klingt zunächst verspielt, berührt jedoch eine ernsthafte Frage, nämlich wie sich Empfindungen darstellen lassen, die keine eindeutige Gestalt besitzen.

Wenn der Körper selbst zum künstlerischen Mittel wird
Cindy Hammer verbindet in ihrem Kurs Performance und Tanz. Unter dem Titel „The Art of Touch“ dient Berührung als Ausgangspunkt für Bewegung. Die Teilnehmenden untersuchen, was sie in Bewegung bringt und wie Materialien, Räume und andere Menschen auf den eigenen Körper wirken.
Vorkenntnisse im klassischen Tanz stehen dabei offenbar nicht im Zentrum. Entscheidend ist vielmehr, den Körper als Wahrnehmungs- und Ausdrucksmittel zu betrachten. Damit eignet sich das Angebot auch für Menschen, die Performancekunst bisher eher aus dem Zuschauerraum kennen.
Ergänzend bietet die Sommerakademie an beiden Montagen eine kurze Yogaeinheit im Kulturhof an. Die halbstündige Mittagspause soll künstlerische Arbeit und körperliche Entspannung miteinander verbinden.
Siebdruck mit Durchblick
In der Siebdruckwerkstatt geht es bei Eric Beier um Schichten, Licht und unterschiedliche Materialien. Der Kurs trägt den Titel „Durchblick & Druckkick“ und wird in beiden Akademiewochen angeboten.
Siebdruck erlaubt sowohl genaue Planung als auch kontrollierte Zufälle. Farben werden nacheinander durch ein feinmaschiges Gewebe gedruckt, überlagern sich und erzeugen neue Flächen. Das Verfahren ist aus Plakatkunst, Grafik und Popkultur bekannt, kann jedoch ebenso experimentell und dreidimensional eingesetzt werden.
Hinzu kommen zwei unterschiedliche Malereikurse sowie ein fotografischer Kurs mit Gina Bolle, der sich kritisch mit dem Fotografieren auseinandersetzt. Dabei geht es unter anderem um die Frage, welche Machtverhältnisse zwischen der Person hinter der Kamera und dem fotografierten Gegenüber entstehen.
Künstlergespräche mit Aperitivo
Zur Sommerakademie gehört außerdem ein öffentliches Rahmenprogramm. Am Dienstag, dem 28. Juli, spricht Marc Fromm über seine Arbeit mit Holzskulpturen, Reliefs und räumlichen Installationen. Das Künstlergespräch beginnt um 17.30 Uhr in der Motorenhalle.
Eine Woche später, am 4. August, ist die Fotokünstlerin Kathrin Sonntag zu Gast. Auch dieses Gespräch beginnt um 17.30 Uhr. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Fotografie über das flache Bild hinausgehen und im wörtlichen Sinne greifbar werden kann. Beide Termine laufen unter dem Titel „Aperitivo – Artist Talk“.
Am Ende übernehmen die Teilnehmenden die Motorenhalle
Den Abschluss bildet am Samstag, dem 8. August, die Ausstellung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Von 18 bis 21 Uhr zeigt die Motorenhalle Arbeiten, die während der beiden Akademiewochen entstanden sind.
Gerade diese Ausstellung dürfte für die Nachbarschaft besonders spannend sein. Dann lässt sich prüfen, was aus den großen Kursfragen tatsächlich geworden ist. Welche Spuren hinterlässt die Friedrichstadt in einer Zeichnung, wie löst sich ein Gemälde von der Wand und welche Gefühle lassen sich aus Stoff, Holz oder Stein herausarbeiten?
Ein guter Termin für neugierige Nachbarinnen und Nachbarn
Wer keinen zweiwöchigen Steinbildhauerkurs buchen möchte, muss die Sommerakademie deshalb nicht auslassen. Die Eröffnung, die Künstlergespräche und die Abschlussausstellung bieten mehrere Gelegenheiten, in der Motorenhalle vorbeizuschauen.
Die Eröffnung am 26. Juli eignet sich besonders für Menschen, die zeitgenössische Kunst gern ohne Museumsroutine entdecken. Niemand muss vorher wissen, wie eine Installation zu interpretieren ist oder welche Technik hinter einem Werk steckt. Es genügt, sich anzusehen, was die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler mit dem diesjährigen Motto anfangen.
Vielleicht entsteht daraus sogar der Wunsch, beim nächsten Mal nicht nur vor einem Werk zu stehen, sondern selbst eines zu beginnen.
Die wichtigsten Termine
Die 29. Internationale Dresdner Sommerakademie für Bildende Kunst findet vom 26. Juli bis zum 8. August 2026 im riesa efau und an weiteren Kursorten in der Friedrichstadt statt.
Eine Dozentinnen- und Dozentenausstellung wird am Sonntag, dem 26. Juli, von 18 bis 21 Uhr in der Motorenhalle eröffnet.
Künstlergespräche mit Marc Fromm und Kathrin Sonntag finden am 28. Juli und am 4. August jeweils von 17.30 bis 19 Uhr statt.
Die Ausstellung der Kursteilnehmenden öffnet am Samstag, dem 8. August, von 18 bis 21 Uhr.
Veranstaltungsort der Ausstellungen und Gespräche ist die Motorenhalle, Wachsbleichstraße 4a, 01067 Dresden. Informationen zur Anmeldung und zu kurzfristig verfügbaren Kursplätzen veröffentlicht die Internationale Dresdner Sommerakademie auf ihrer Internetseite.
