Wer heute Mittag am Bahnhof Mitte ein Brötchen, einen Kaffee oder irgendetwas Schnelles suchte, stand (mal wieder) vor Metall. Erst im April 2026 öffnete am Bahnhof Mitte der avec-Store der Valora-Gruppe. „avec“ heißt auf Französisch „mit“. In Dresden könnte man inzwischen ergänzen: mit geschlossenem Rollladen.

Rollladen unten
Heute Mittag war der Rollladen unten, ein Schild mit Öffnungszeiten nicht mehr zu sehen. Für einen Bahnhofsladen ist das eine bemerkenswerte Geschäftsidee. Nach 21 Jahren vertreibt die Deutsche Bahn die ortsansässige Bäckerei Walther aus dem Standort, um einer internationalen Franchise-Kette den Vorrang zu geben. Seit das Geschäft geöffnet hatte, waren die Öffnungszeiten ohnehin sehr eingeschränkt, es hieß, wegen Personalmangels. Es ist betriebswirtschaftlich völlig absurd, ausgerechnet an einem hochfrequenten Ort wie einem Bahnhof zu eröffnen, dann aber zu schließen, wenn das größte Kundenpotenzial vorhanden ist, nämlich vor Beginn der Arbeit und nach Feierabend und am Wochenende. Ein Bahnhofsladen muss keine Welt retten. Er muss auch keinen Pariser Charme versprühen. Er müsste vor allem offen sein, wenn am Bahnhof Menschen unterwegs sind.

Vielleicht ist das nur eine Momentaufnahme. Vielleicht war es Pause, Personalnot, Umbau, Systemfehler oder ein sehr langes Frühstück.
Da drängt sich die Frage auf, ob die Deutsche Bahn an diesem Standort schon wieder ein Konzept auf die Schiene gesetzt hat, das im Fahrplan besser aussieht als im Alltag.
Avec am Bahnhof Mitte? Heute Mittag eher: Ah weg.
