Am morgigen Tag wird Christi Himmelfahrt begangen, welcher zugleich als sogenannter Männer- oder Vatertag bekannt ist.
Obwohl es sich hierbei um einen gesetzlichen Feiertag handelt, dürfte nicht allen Menschen nach Feiern zumute sein.
Zu lebhaft sind die Erinnerungen an sexistische Bemerkungen von alkoholisierten Männergruppen in Parkanlagen oder vor spätabends geöffneten Geschäften, zu präsent der Ärger über durch Glasscherben beschädigte Fahrradreifen auf dem Elberadweg und zu laut hallen noch die Geräusche des lärmenden und grölenden Treibens nach.

Die Bedeutung und der Sinn des sogenannten Vatertags bleiben umstritten.
Während viele Männer diesen Tag mit Trinkgelagen und gemeinschaftlichem Streifen durch die Gegend assoziieren, verkennt diese populäre Praxis den Ursprung des Feiertags. Christi Himmelfahrt, tief im christlichen Glauben verwurzelt, erinnert an die Aufnahme und Erhöhung Jesu Christi als Sohn Gottes in den Himmel.
Der apostolische Glaubenssatz „Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters…“ verweist eindrücklich auf diese theologische Dimension.
In Deutschland wird der Vatertag traditionell am Feiertag Christi Himmelfahrt begangen.
Besonders im ostdeutschen Raum, der stärker säkular geprägt ist, haben jedoch volkstümliche Bräuche die religiöse Bedeutung des Tages weitgehend verdrängt.
Die in der breiten Öffentlichkeit bekannte „Herrentagspartie“ – gekennzeichnet durch gemeinsames Wandern und Alkoholkonsum – entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Berliner Raum.

In diesem Kontext vermuten Historiker wirtschaftliche Motive hinter der Etablierung solcher Feiern, insbesondere durch Brauereiunternehmer, die ihren Absatz steigern wollten.
Seit dem Jahr 1934 gilt Christi Himmelfahrt in Deutschland als gesetzlicher Feiertag.
Die Tradition der Herrentagspartien sieht sich dabei zunehmend auch kritischen Stimmen ausgesetzt. Im Zentrum stehen insbesondere zwei Hauptvorwürfe:
Zum einen weicht der deutsche Vatertag deutlich vom Charakter anderer väterbezogener Feiertage ab, wie sie in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern üblich sind. Während beispielsweise am Muttertag und in vielen anderen Ländern am Vatertag der Dank der Kinder für die erbrachte Lebensleistung der Eltern oder eines Elternteils im Mittelpunkt steht, liegt der Fokus hierzulande auf einer rein selbstbezogenen Feier männlicher Zugehörigkeit.
Zum anderen wird kritisiert, dass dieses ursprünglich volkstümliche Brauchtum ein überholtes Rollenverständnis von Männlichkeit mit Alkoholmissbrauch und exklusiven Männerbünden festschreibt – ein Narrativ, das Frauen und Kinder bewusst ausschließt.
Es verwundert daher kaum, dass es an Christi Himmelfahrt regelmäßig zu einer Häufung alkoholbedingter Verkehrsunfälle kommt.
Die damit verknüpfte gesellschaftliche Debatte verweist auf tieferliegende soziale Fragen über den Umgang mit traditionellen Geschlechterrollen und das öffentliche Verständnis von gemeinschaftlichem Feiern.
Ein interessanter sprachhistorischer Exkurs betrifft den Begriff „Bollerwagen“, der ein zentrales Element vieler Herrentagspartien darstellt.
Hierbei könnten sowohl niederländische als auch brandenburgische Wurzeln eine Rolle spielen. Im Niederländischen findet sich beispielsweise das Wort „Bolderkar“, was sich auf einen „polternden Karren“ bezieht – ein Bild, das durch wackelnde Wagenräder und unebene Straßen inspiriert sein könnte.

Im Brandenburgischen hingegen wurde das Wort „Bolle“ als Bezeichnung für Zwiebeln verwendet; denkbar ist also auch ein Ursprung in karrenförmigen Transportmitteln für Erntegüter wie Zwiebeln.
Abschließend bleibt für uns alle zu hoffen, dass der morgige Himmelfahrtstag sich zu einem respektvollen und friedlichen Ereignis entwickelt – frei von Diskriminierung, Übergriffen oder Unfällen. Möge dieser Feiertag Anlass zu nachdenklichem Gedenken und freudvoller Gemeinschaft bieten, statt Auswüchse fragwürdiger Verhaltensweisen zu fördern
Veranstaltungstipps für den Feiertag:
- „Gönn Dir Donnerstag“, 19:00 Uhr Gisela.Club, Löbtauer Straße 80, 01159 Dresden
- „Rössl Jam“, 19:00 Uhr, Rösslstube Dresden, Friedrichstraße 37, 01067 Dresden
- Messe Dresden, 20:00 Uhr LORD OF THE DANCE, HALLE 1, Messering 6, 01067 Dresden
