Eisenbahngeschichte

In der Dresdner Friedrichstadt lebte ein besonders wichtiger Mensch der deutschen Eisenbahngeschichte.

Quelle: Dresdner Geschichtsblätter

Johann Andreas Schubert wurde am 19. März 1808 in Wernesgrün im Vogtland als Sohn eines Tagelöhners geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wuchs er bei Pflegeeltern in Leipzig auf.

Sein Pflegevater, der Leipziger Polizeipräsident Ludwig Ehrenfried von Rackel, ermöglichte es ihm, eine fundierte Schulausbildung an der renommierten Thomasschule zu beginnen.

Nach dem Tod seines Pflegevaters setzte Schubert seine Bildung an der Garnisonschule auf der Festung Königstein und später am Freimaurerinstitut in Dresden-Friedrichstadt fort.

Ab 1824 widmete er sich dem Studium des Bauwesens an der Bauschule der Dresdner Kunstakademie. Während dieser Zeit vertiefte er gleichzeitig als Volontär in der Werkstatt von Rudolf Sigismund Blochmann sein Wissen über den Maschinenbau. Bereits im Alter von 20 Jahren, im Jahr 1828, wurde Schubert an der neu gegründeten königlich-sächsischen Technischen Bildungsanstalt in Dresden Lehrer für Buchhaltung und Mathematik. Vier Jahre später stieg er zum Professor auf und erweiterte sein Lehrgebiet um Maschinenbau und Eisenbahnbau.

Eine Studienreise nach Großbritannien im Jahr 1834 trug wesentlich zur Erweiterung seines Wissens in diesen Bereichen bei.

Im Jahr 1836 gründete Schubert die Maschinenbauanstalt Übigau und übernahm die Funktion des technischen Direktors sowie des Vorsitzenden des Direktoriums.

Im selben Jahr beteiligte er sich an der Gründung der Sächsischen Elbe-Dampfschifffahrts-Gesellschaft und konstruierte die ersten Dampfschiffe auf der Oberelbe. 1837 wurde der Dampfer *Königin Maria* fertiggestellt, gefolgt vom *Prinz Albert* ein Jahr später.

„Königin Maria“ auf Fahrt, zeitgenössische Lithografie; im Hintergrund wohl Schloss Übigau

Zwischen 1837 und 1839 entwickelte Schubert zudem die erste funktionstüchtige Dampflokomotive, die in Deutschland gebaut wurde – die „Saxonia“. Sie begleitete den offiziellen Zug bei der Eröffnung der ersten deutschen Fern-Eisenbahnstrecke zwischen Leipzig und Dresden am 8. April 1839.

Nachbau der Saxonia am 18. Mai 2003 bei einer Ausstellung im Bw Dresden-Altstad (Steffen M. wikipedia.de)

Trotz dieser Errungenschaften blieb ein wirtschaftlicher Erfolg aus, was ihn dazu veranlasste, seine Beschäftigung in der Industrie aufzugeben und in den akademischen Bereich zurückzukehren. Doch auch hier hatte Schubert mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

Gedenktafel an der Friedrichstraße

1842 zog Schubert in die Dresdner Friedrichstadt und bewohnte bis 1870 das Haus Friedrichstraße 46 (jetzt Kinderhaus des Klinikums)

Friedrichstraße 46

Als 1843 ein neuer Direktor für die Technische Bildungsanstalt gewählt wurde, ging der Posten an den Berliner Wissenschaftler August Seebeck. Nach Seebecks Tod übernahm Schubert zwar vorübergehend die Leitung, wurde jedoch 1850 von Julius Ambrosius Hülße abgelöst.

Ab diesem Zeitpunkt erfolgte ein Wechsel seines Lehrgebiets hin zum Bauingenieurwesen mit Fokus auf Straßen-, Eisenbahn- und Brückenbau.

Ab 1851 leitete er die Bauingenieurabteilung der Schule. Schuberts bedeutendste Leistungen waren seine Beiträge zum Bau der Elstertalbrücke und der Göltzschtalbrücke.

Für letztere war er Leiter der dafür ausgeschriebenen Wettbewerbskommission, wobei kein eingereichter Vorschlag statisch überzeugen konnte. Daraufhin entwickelte Schubert basierend auf seinen mathematisch fundierten Kenntnissen zur Stützlinientheorie selbst einen Entwurf, indem er Elemente aus den eingereichten Vorschlägen integrierte.

Die Göltzschtalbrücke wurde somit zur weltweit ersten statisch berechneten Brücke und gilt bis heute als die größte Ziegelmauerwerk-Brücke der Welt, erbaut aus über 26 Millionen Steinen. Bei ihrer Fertigstellung war die Göltzschtalbrücke die höchste Eisenbahnbrücke der Welt.

Baustellenbetrieb kurz vor Vollendung der Brücke: Lithografie von Friedrich Wilhelm Baessler

Für seine Verdienste wurde Schubert 1859 mit dem Ritterkreuz des Sächsischen Verdienstordens ausgezeichnet. Nachdem er 1869 aus dem Hochschuldienst ausschied, wurde er zum Regierungsrat ernannt.

In seinem Privatleben war Schubert zweimal verheiratet: Seine erste Ehe mit Laura Florentine Dennhardt brachte ihm zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Aus seiner zweiten Ehe mit Sophie Eben gingen vier Töchter hervor.

Johann Andreas Schubert verstarb am 6. Oktober 1870 in Dresden. Sein Grab befindet sich auf dem Inneren Matthäusfriedhof an der Friedrichstraße.

Familiengrab Schubert auf dem Inneren Matthäusfriedhof Dresden Friedrichstadt

Die „Nachfahren“ der Schubertschen Entwicklungen lassen sich heute noch auf der Elbe, auf den Schienen und beim Dampfloktreffen betaunen.

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