Die Schrift, die bleibt

Dresden schreibt seine eigene Tora. Das geschieht normalerweise ganz im Verborgenen. Aber bei der Kuratorenführung mit der Schreiberin im Stadtmuseum Dresden kannst du live dabeisein. 35 Minuten reichen aus, um zu merken, dass hier nichts beiläufig ist. Die Tora ist kein Buch wie andere. Sie ist Handwerk, Ritual und Gedächtnis zugleich.

Worum es geht

Was ist eine Tora und warum wird sie seit über 2500 Jahren von Hand geschrieben? Diese Fragen stehen im Zentrum der Einführung in das Projekt „Die ewige Schrift – Eine Tora für Dresden“. Es geht um Ursprung, Überlieferung und Bedeutung einer Schrift, die bis heute nach festen Regeln entsteht.

In einer Zeit, in der religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Gewissheiten weltweit ins Wanken geraten, setzt die Jüdische Kultusgemeinde Dresden ein Zeichen. Am 21. August 2025 begann mit »Die ewige Schrift – Eine Tora für Dresden« ein Projekt, das europaweit bislang ohne Vorbild ist. Der vollständige Schreibprozess einer Sefer Tora. Der handgeschriebenen Rolle der fünf Bücher Mose wird öffentlich sichtbar gemacht.

Im Stadtmuseum Dresden entsteht in einem eigens konzipierten, gläsernen Schreibpavillon über 18 Monate hinweg ein Werk, das in jüdischer Tradition als heilig gilt. Ausgebildete Schreiber:innen (Sofer/Soferet) heiliger Texte schreiben auf koscherem Pergament nach den überlieferten Regeln der Halacha, Buchstabe für Buchstabe, in höchster Präzision und mit tiefer geistiger Konzentration. In der liberalen jüdischen Tradition können auch Frauen Tora-Schreiberinnen sein. Ein Akt, der sonst im Verborgenen geschieht.

Die Schreiberin Liora Mendez im Stadtmuseum Dresden
Die Schreiberin Liora Mendez im Stadtmuseum Dresden

Alte Technik, lebendig

Die Tora gilt als älteste kontinuierliche Kulturtechnik der Menschheit. Jede Rolle wird von Hand geschrieben, Buchstabe für Buchstabe, auf Pergament. Fehler sind nicht erlaubt. Tempo spielt keine Rolle. Genau das macht diese Schrift so besonders.

Wer spricht

Die Kuratorenführung übernimmt Jahna Dahms. Sie erklärt nicht nur das Projekt, sondern auch die Arbeit selbst. Als Schreiberin ist sie während der Veranstaltung anwesend. Theorie und Praxis liegen hier nah beieinander.

Fragen ausdrücklich erlaubt

Nach der Einführung ist Zeit für Fragen. Keine Frontalführung, sondern ein Gespräch auf Augenhöhe. Wer genauer wissen will, wie geschrieben wird, warum bestimmte Regeln gelten oder was eine Tora von anderen religiösen Texten unterscheidet, kann nachhaken.

Stadtmuseum Dresden Treppenhaus und Foyer
Stadtmuseum Dresden

Der Ort

Die Führung findet im Stadtmuseum Dresden im Landhaus statt. Diese Tora wird in einem eigens für dieses Projekt gebauten Pavillon auf dem Vorplatz des Museums geschrieben. Eine große Schaufensterverglasung erlaubt jederzeit Einblick in den Schreibprozess.

Was früher im Inneren der Synagoge stattfand, wird nun im Zentrum der Stadt sichtbar.

Warum sich der Besuch lohnt

Weil man einer Arbeit begegnet, die Geduld verlangt und Verantwortung trägt. Wer sich für Kultur, Geschichte und Handwerk interessiert, sollte sich diese Einführung nicht entgehen lassen.

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