Margarita Tcherniak: Tanzen ist ihr Leben

Wer das Tanzzentrum Dresden an der Schweriner Straße betritt und Margarita Tcherniak im Tanzsaal erlebt, versteht sofort, warum manche Menschen seit über 20 Jahren jeden Sonntag zu ihr kommen. Sie lacht viel, wirbelt energiegeladen durch den Raum und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Vor allem aber liebt sie Menschen. Ein Besuch bei einer Frau, die die Friedrichstadt zum Tanzen bringt.

„Ich bin einfach ein sehr optimistischer Mensch. Ich liebe Menschen, meinen Beruf und das Leben!“, sagt Margarita strahlend. Und das spürt man ab der ersten Sekunde.

Seit 45 Jahren dreht sich in ihrem Leben alles um die Musik und die Bewegung. Margarita stammt ursprünglich aus Tscheljabinsk im Südural. 1978 begann sie dort ihre Ausbildung, studierte später Tanz und Regie an einer Kunst- und Kulturakademie und leitete erfolgreich einen Tanzsportclub. Doch als sie 1998 nach Deutschland kam, änderte sich ihr Blick auf das Parkett: Weg von Pokalen und Leistungssport, hin zu Menschen, die einfach Freude am Tanzen suchen.

Heute reichen ihre Kurse von Teenagern unter 20 bis hin zu Senioren mit fast 90 Jahren. Was für sie einen guten Tanzunterricht ausmacht? Margarita braucht dafür keine lange Theorie: „Wenn die Leute glücklich zu mir kommen und noch glücklicher nach Hause gehen.“

Mit zwei Koffern und ohne Deutschkenntnisse

Der Weg an die Schweriner Straße war jedoch kein Spaziergang. 1998 verließ Margarita ihre Heimat Russland. Zusammen mit ihrer Familie landete sie in Deutschland. Margarita brachte zwei Koffer mit und ihre damals sechsjährige Tochter.

Der Neuanfang in Dresden verlangte ihr einiges ab. Sie sprach kein Deutsch und besuchte zunächst sechs Monate lang einen Intensivsprachkurs. Sie kämpfte sich Schritt für Schritt durch. Nur wenige Monate später arbeitete sie bereits wieder als Tanzlehrerin, erst an einer Kreativschule, dann in Schulprojekten.

Margarita Tcherniak Tanzlehrerin bei Tanzzentrum Friedrichstadt
Seit 2002 gehört Margarita zum Tanzzentrum

Wenn Margarita heute darüber spricht, beschönigt sie diese Zeit nicht. „Es war eine harte Schule“, sagt sie. Die Sprache zu lernen und sich in Deutschland zu integrieren, bezeichnet sie rückblickend als ihre größte Herausforderung.

Doch das Tanzen hielt die Familie zusammen. Heute leitet ihre Nichte das Tanzzentrum Dresden. Auch Margaritas Tochter machte das Tanzen schließlich zum Beruf. Nach einem Chemie-Studium hat sie das Hobby zum Beruf gemacht. Seit 2018 arbeitet sie hauptberuflich als freischaffende Tanzlehrerin und tanzt unter anderem an der Oper.

Die Friedrichstadt wurde das zweite Zuhause

Seit 2002 gehört Margarita zum Tanzzentrum. Damals befand es sich noch am Wettiner Platz. Nach dem Hochwasser folgten Zwischenstationen im Ammonhof und im damaligen Arcotel, bis sie schließlich an der Schweriner Straße ankamen. 2006 übernahm Margaritas Nichte das Tanzzentrum. Margarita zog gewissermaßen mit. Lachend bezeichnet sie sich selbst als Teil des Inventars.

„Ich liebe diesen Stadtteil, weil ich hier arbeite. Die Friedrichstadt ist wie mein zweites Zuhause.“ Dabei kommen ihre Tanzschüler längst aus ganz Dresden. Manche wohnen in Löbtau, andere fahren aus der Neustadt oder Prohlis zu ihr.

Margarita hat dazu ohnehin ihre ganz eigene Theorie parat: „Alle guten Menschen, die kommen zu mir. Die schlechten gehen in die anderen Tanzschulen.“ Sie winkt lachend ab. Natürlich ist das nur ein Scherz. Aber genau dieses Temperament und ihr schalkhafter Humor machen ihren Unterricht aus.

„Wir sind zusammen alt geworden“

Einige ihrer Tanzschüler begleiten sie schon seit 2002. Fünf bis sechs Paare bilden den festen Kern ihres Hobbyclubs und treffen sich fast jeden Sonntagabend. Margarita beschreibt diese lange Beziehung auf ihre Art. „Die halten mich aus und ich halte sie aus. Und wir sind zusammen alt geworden.“,schmunzelt Margarita.

Wer bereits Tanzerfahrung besitzt, kann sich dem Hobbyclub anschließen. Margarita empfiehlt mindestens einen Grund- und Aufbaukurs oder entsprechende Vorkenntnisse. Interessierte können zunächst eine kostenlose Probestunde besuchen. Dabei geht es ihr nicht um die perfekte Choreografie. Beim Paartanz geht es um Respekt, Führung und das Miteinander. „Letztendlich zählt nur die Harmonie.“ Wer führt und wer folgt, ist dabei völlig egal.

Vormittags für Senioren, freitags „Ladies Dance Night“

Besonders am Herzen liegen Margarita ihre Seniorenkurse mittwochs und freitags am Vormittag. Hier muss niemand mehr athletisch über das Parkett fegen. Margarita unterrichtet unter anderem „Tanzen im Sitzen“. Mit Fächern, Stöcken, Rhythmus und Klatschen wird das Gedächtnis und der Körper schwungvoll auf Trab gehalten.

„Jeder Mensch kann tanzen. Die Frage nach dem Wie ist überhaupt nicht relevant“, betont sie. Hauptsache, die Leute kommen raus, treffen andere und haben zwei schöne Stunden. Für diese Vormittagskurse wünscht sie sich noch mehr Verstärkung aus der Nachbarschaft.

Und wer keinen Tanzpartner hat? Für die Frauen gibt es freitags die „Ladies Dance Night“. Von Cha-Cha-Cha bis zu modernen Chores tanzt hier jede für sich in der Gruppe. „Die jüngeren Damen geben Gas und die reiferen halten locker mit“, lacht Margarita.

„Mein Leben blüht jetzt richtig in voller Pracht“

Wenn Margarita nicht im Tanzsaal steht, packt sie seit zwei Jahren die Reiselust. Als „Single aus Überzeugung“ erkundet sie alleine die Welt und tankt Energie für ihre Kurse. Welcher Erfolg macht sie abseits vom Tanzen am meisten stolz? Margarita zögert keine Sekunde: „Meine Tochter. Das ist das beste Kunststück, das ich je geschafft habe.“

Die Friedrichstadt tanzt Jive

Zum Abschluss schicken wir Margarita noch durch eine schnelle Fragerunde:

Walzer oder Tango? Walzer.

Cha-Cha-Cha oder Rumba? Cha-Cha-Cha.

Frühaufsteherin oder Nachteule? „Nachteule, definitiv.“

Kaffee oder Tee? Tee.

Sommer oder Winter? Sommer.

Musik laut oder leise? „Laut. Richtig laut.“

Bühne oder Tanzsaal? Tanzsaal.

Selbst tanzen oder unterrichten? „Geben, geben, geben, geben.“

Und welches Wort beschreibt Margarita Tcherniak am besten? „Ein bisschen verrückt.“

Und wenn die Friedrichstadt ein Tanz wäre? Margarita überlegt kurz und strahlt: „Der Jive!“ Quirlig, dynamisch und voller Leben – genau wie der Koreanische Platz an einem lauen Abend.

Ein Tanz, der perfekt zum Viertel passt. Und ganz sicher auch zu Margarita Tcherniak.

Infobox: Tanzen im Tanzzentrum Dresden

Margarita Tcherniak unterrichtet Standard, Latein und Discofox. Neben Seniorenkursen am Vormittag und der „Ladies Dance Night“ (freitags) bietet sie auch Hobbyclubs sowie Privatstunden für Hochzeitspaare an.

Anmeldung & Info: direkt über das Tanzzentrum Dresden

Wo: Tanzzentrum Dresden, Schweriner Straße

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