Stell dir vor, du willst einfach nur deinen Alltag leben. Bus fahren. Einkaufen. Arbeiten. Lernen. Wohnen. Nichts Besonderes. Und dann merkst du plötzlich: Irgendwas ist anders. Nicht deinetwegen. Sondern wegen der Art, wie andere dich behandeln.
„Du passt da einfach nicht rein.“

Es fängt klein an. Und hört selten klein auf
Die meisten denken bei Diskriminierung zuerst an die großen, offensichtlichen Fälle. An Rassismus. An offene Beleidigungen, Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Religion angegriffen oder ausgeschlossen werden. Schlagzeilen und Social-Media-Videos zeigen klare Täter und klare Opfer.
„Das machen wir hier sonst nicht, aber für dich schon.“
Woran die wenigsten sofort denken, sind die leisen Formen. An das Übersehenwerden oder den abwertenden Ton. Türen, die sich einfach nicht öffnen.

„Das ist nichts für dich, das ist zu kompliziert.“
Regeln, die für alle gelten sollen, aber nicht für alle funktionieren. An Situationen, in denen niemand laut wird, aber trotzdem jemand verliert.
„Ich habe die gleiche Qualifikation wie meine Kolleginnen und Kollegen, bekomme aber weniger Verantwortung.“
Du wirst übersehen, obwohl du da bist. Statt dich zu fragen, wird über deinen Kopf hinweg entschieden. Absagen klingen höflich und sauber, fühlen sich aber trotzdem falsch an. Irgendwann fragst du dich dann nicht mehr, was hier eigentlich schiefläuft, sondern ob es vielleicht an dir selbst liegt.
Das ist also Diskriminierung
Genau solche Momente meint Diskriminierung. Sie ist nicht immer laut. Sie trägt selten ein Schild.
„Bring mich nicht in Schwulitäten!“
Meist kommt sie verkleidet als Alltag, Regel oder Gewohnheit. Und genau deshalb bleibt sie oft unsichtbar. Schau dir die Zitate an, solche Sätze wirken beiläufig. Sie werden oft ohne böse Absicht gesagt. Aber sie grenzen aus, sprechen Fähigkeiten ab oder schieben Menschen in Schubladen.
„Das kannst du doch beim Vitschi kaufen.“
Diskriminierung wird oft als Ausnahme wahrgenommen. Als etwas, das nur andere betrifft. Dabei steckt sie häufig im Alltag. In Abläufen, Entscheidungen oder Strukturen. Und genau deshalb ist sie so schwer zu erkennen.
„Mit einem Kind alleine wird das hier schwierig, da brauchen wir jemanden, der immer verfügbar ist.“
Autsch. Und jetzt?
Es gibt gerade eine große Umfrage zu Diskriminierung. Sie sammelt genau diese Erfahrungen. So, wie sie wirklich in unserer Stadt passieren. Im Bus, in der Schule, bei der Arbeit, beim Arzt oder bei der Wohnungssuche. Mit sichtbarer oder unsichtbarer Behinderung. Und mit all den kleinen und großen Folgen, die das hat.
Teilzeitkräfte und erwerbslose Menschen werden oft so dargestellt, als ob sie anderen auf der Tasche liegen.
„Der lebt halt vom Staat, der hat es sich bequem gemacht.“

„Ach, du arbeitest ja nur halbtags, das ist ja eher Hobby als Job.“
Bei Frauen äußert sich Diskriminierung oft in scheinbar harmlosen Sätzen. Sie klingen nach Sorge, nach Spaß oder nach Alltag, sprechen Frauen aber Kompetenz, Glaubwürdigkeit oder Entscheidungsfähigkeit ab.
„Da reagierst du jetzt ein bisschen über.“
Beim Arzt fallen oft Sätze, die nicht offen böse gemeint sind, aber trotzdem abwerten, nicht ernst nehmen oder Verantwortung wegschieben.
„Das ist wahrscheinlich psychisch.“
Die Umfrage läuft noch bis zum 28.02. Und jede einzelne Antwort zählt. Wirklich jede. Auch deine. Gerade deine.
Vielleicht denkst du, das war doch nur eine Kleinigkeit. Andere haben es schlimmer, oder das bringt doch ohnehin nichts. Verständlich. Aber falsch. Denn erst wenn viele solche Erlebnisse zusammenkommen, entsteht ein Bild, das niemand mehr wegdiskutieren kann.
Kein Einzelfall
In Sachsen wollen das Zentrum für selbstbestimmtes Leben e.V. und die AG Selbstvertretung Sachsen dafür sorgen, dass noch mehr Menschen mitmachen. Deshalb gibt es am 13.02. um 16:30 Uhr ein Online-Treffen. Das Ziel ist, ohne Fachsprache, dafür gemeinsam schauen, überlegen und ins Tun kommen.
Warum ein Treffen? Ganz einfach, weil Umfragen sonst gerne versanden und aufschieben leicht ist. Und weil es hilft, wenn man merkt: Ich bin nicht alleine. Da sind andere mit ähnlichen Erfahrungen. Mit ähnlichen Fragen. Und mit derselben Hoffnung, dass sich etwas ändert.
Im Treffen wird auch geschaut, wie viele Menschen in Sachsen schon teilgenommen haben. Aus welchen Städten und Landkreisen sie ihre Erfahrungen teilen. Wo Stimmen fehlen. Und wie man sie erreichen kann.
Und wenn du schon bei der Umfrage mitgemacht hast, dann kommt dein Aha-Moment vielleicht hier. Du kannst andere mitziehen. Kolleg:innen, Freund:innen oder Bekannte, nach dem Motto: Ich habe das ausgefüllt, du schaffst das auch.
Die Umfrage ist anonym. Sie ist barrierearm. Und sie ist eine echte Chance, Diskriminierung sichtbar zu machen, ohne sich erklären oder rechtfertigen zu müssen.
Also. Wissen macht Ah! Mitmachen macht sichtbar.
Die Umfrage findest du unter
https://diskriminierung-umfrage.de/
Das Online-Treffen ist am 13.02.2026 um 16:30 Uhr.
Hier ist der Link
https://eu01web.zoom.us/j/65716095155
Diese Einladung darf gerne weitergegeben werden. Denn je mehr Aha Momente zusammenkommen, desto schwerer wird es, Diskriminierung zu übersehen.
