Die Fläche gegenüber der Grundschule war lange einfach da. Jetzt ist sie eingezäunt, aufgerissen und bald bebaut. Mit dem Baustart an der Seminarstraße 16 bis 18 verschwindet eine der letzten freien Flächen im Herzen der Friedrichstadt.
Die Bagger kommen, die Wiese geht
Auf dem Gelände der Seminarstraße 16 bis 18 haben in der vergangenen Woche die Bauarbeiten begonnen. Aktuell werden die Tiefgaragen für das neue Wohnquartier „Der Friedrich“ ausgehoben. Für viele Anwohnende ist damit klar: Eine weitere freie Fläche in der Friedrichstadt verschwindet. Und das mitten im Viertel, direkt gegenüber der Grundschule. Bis zuletzt hatten viele die Hoffnung, dass die Grünfläche erhalten bleibt.

Was hier entsteht
Auf dem Grundstück entsteht ein neues Wohnprojekt mit dem Namen „Der Friedrich“. Bauherr ist die VILA Immobilien GmbH & Co. KG aus Hamburg. Ein auf Wohnungsneubau spezialisiertes Unternehmen. Geplant sind mehrere Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 66 Eigentumswohnungen. Die Wohnungsgrößen reichen von kleinen Einheiten von 32 qm bis zu familiengeeigneten Grundrissen mit 107 qm. Wohnungen mit 1 bis 4 Zimmern, gebaut wird modern, energieeffizient, barrierefrei und mit Tiefgarage. Investiert werden 29,1 Mio. Euro. Soweit die nüchternen Fakten.




Gedacht ist das Projekt vor allem für Eigennutzerinnen und Eigennutzer, sowie für Kapitalanleger:innen. Es entstehen keine kommunalen Wohnungen, kein geförderter Wohnraum, keine öffentliche Nutzung. Es wird gewohnt, nicht gespielt, nicht gelernt, nicht gepflanzt.
Wie lange gebaut wird
Laut Angaben des Bauherrn begann der Bau im Herbst 2025. Das Grundstück wurde gerodet, Energieversorger führten Begehungen durch und es wurde eingemessen. Die Fertigstellung ist für Ende 2027 vorgesehen. Rund zwei Jahre Baustelle also. Die aktuelle Phase ist der Tiefbau. Das ist die lauteste und belastendste Zeit. Lkw-Verkehr, Erschütterungen und Baulärm gehören in den kommenden Monaten zum Alltag. Mehrere Parkflächen in der Seminarstraße sind gesperrt.
Ab 2026 folgt der Rohbau. Danach der Innenausbau. Gegen Ende der Bauzeit wird es ruhiger, aber ganz still wird es erst, wenn die letzten Wohnungen übergeben sind.
Was das für die Nachbarschaft bedeutet
Kurz gesagt: weniger Grün, mehr Beton, mehr Verkehr. Die Fläche war eine der letzten offenen Stellen an der Seminarstraße. Viele haben sie als grünen Freiraum und Tierschutzgebiet wahrgenommen. Gerade im Sommer hatte sie Bedeutung für die Abkühlung während der Nacht.
Gegen die Verdichtung des Stadtviertels gab es bereits Widerstand. Eine Anwohnerinitiative sammelte Unterschriften gegen die Bebauung. Rund 280 Menschen machten deutlich, dass sie diese Nachverdichtung kritisch sehen. Auch im Stadtrat wurde das Thema schon 2022 diskutiert. Es ging um neue Bauregeln für die Friedrichstadt und um die Frage, wie viel Verdichtung ein Viertel verträgt. Das Gebiet zwischen Friedrichstraße, Bräuergasse und Seminarstraße galt bislang als eine der wenigen offenen Grünflächen in zentraler Lage – direkt gegenüber der 48. Grundschule.
Gebaut wird nun trotzdem.






Wer entscheidet und wer bleibt zurück
Die Baugenehmigung liegt vor. Rechtlich ist das Projekt abgesichert. Für Anwohnende bleibt vor allem die Aufgabe, mit den Folgen zu leben. Lärm am Morgen. Staub im Sommer. Weniger offene Fläche dauerhaft.
Ein direkter Ansprechpartner für die Nachbarschaft ist bislang nicht öffentlich benannt. Eine Bautafel fehlt noch. Erfahrungsgemäß läuft die Kommunikation über die Bauleitung oder über die Stadtverwaltung. Bei Problemen bleiben Ordnungsamt und Bauaufsicht die einzigen offiziellen Wege.
Ein Projekt mit zwei Seiten
„Der Friedrich“ bringt neue Wohnungen in die Stadt. Das ist ein Argument, das zählt, aber gleichzeitig verschwindet eine Grünfläche im Viertel.
